Fragen aus Feld und Flur

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Lebensraumverlust und enormer Beutegreiferdruck haben die in Deutschland vorkommenden Hühnervögel stark dezimiert. Voraussetzung für eine erfolgreiche Hege ist die Kenntnis ihrer speziellen Lebensgewohnheiten

1. Welche Feldhühner gehören zu den Hühnervögeln, und welche Arten von Hühnervögeln zählen außerdem zum jagdbaren Federwild?

Zu den Feldhühnern zählen die Rebhühner und die Wachteln. Auch wenn es zoologisch nicht korrekt ist: Wir zählen dazu auch die Jagdfasanen, weil sie den selben Lebensraum nutzen. Fasane wurden schon im 15. Jahrhundert aus Zentralasien bei uns als Jagdwild angesiedelt. Als weitere Arten zählen zur Ordnung der Hühnervögel das Trutwild und die Rauhfußhühner.

Während das Trutwild ebenfalls wie der Jagdfasan bei uns angesiedelt wurde (die ursprüngliche Heimat ist Nordamerika und Mexiko), sind die Rauhfußhühner (Auer-, Birk-, Rackel- und Haselwild, Schneehuhn) einheimisches Wild.

2. Welche Gemeinsamkeiten verbinden alle einheimischen Hühnervögel, wodurch unterscheiden sie sich?

Aus verhaltensbiologischer Sicht sind alle Hühnervögel tagaktiv und Bodenbrüter, ihre Küken sind allesamt Nestflüchter. Aus ernährungsphysiologischer Sicht benötigen alle Jungen während der ersten Lebenstage ausreichende Insektennahrung (tierisches Eiweiß). Die Ständer der Feldhühner und des Trutwildes sind unbefiedert, im Gegensatz dazu tragen die Rauhfußhühner befiederte Ständer. Während die Rebhühner an die Kulturlandschaft (Agrarraum) angepaßt sind, sind Trutwild und Rauhfußhühner Kulturflüchter.

3. Bei welchen Hühnervogelarten lohnen sich Bestandesstützungen durch künstliche Aufzucht oder Wiederansiedlungen?

Man kann problemlos Fasanen künstlich aufziehen und zur Besatzstützung auswildern. Ebenso gelingt das mit Rebhühnern. Das sollte man aber nur zur Stützung natürlich vorhandener Besätze tun. Auch bei den vom Aussterben bedrohten Rauhfußhühnern wie Auerhuhn und Haselhuhn gelingen künstliche Aufzuchten, und so wird durch Wiederverbringung in die freie Wildbahn ihre Neuansiedlung möglich, zum Beispiel im Harz und im Thüringer Wald.

4. Wie sieht der Jahreslauf bei unserem wichtigsten Feldhuhn, dem Rebhuhn, aus?

Frühjahr: Zerfall der Familienverbände – Völker oder Ketten – und Paarbildung. Balz von Ende Februar bis Mitte März. Ab Ende April Eiablage, Brut zirka 24 bis 26 Tage, und Aufzucht der Küken durch die Rebhenne. Der Rebhahn wacht während der Brut in der Nähe des Geleges. Bei Nestverlust gibt es auch Nachgelege.

Sommer und Herbst: Rebhuhnketten, die sich ausgangs des Sommers mit anderen Ketten zu Flügen vereinigen. Winter: Die Rebhühner überwintern gemeinsam in einzelnen Ketten oder Flügen.

5. Welche natürlichen Feinde haben die heimischen Hühnervögel?

Alle in der freien Natur vorkommenden Haarraubwildarten. Das sind Dachs, Fuchs, Marder, Waschbär, Marderhund, Iltis, Hermelin und Mauswiesel. Dazu kommen noch streunende Katzen, wildernde Hunde, Ratten und die Beutegreifer aus der Luft wie Habicht, Bussard, Sperber, Rohrweihe, Kolkrabe, Raben- und Nebelkrähe oder Elster. Als Bodenbrüter sind die Gelege aller Hühnervögel auch durch die in der Feldflur lebenden Schwarzwildrotten gefährdet. Damit herrscht ein sehr hoher Beutegreiferdruck, so daß derzeit in vielen Gebieten Deutschlands die Verluste durch den Zuwachs nicht mehr ausgeglichen werden können und die Besätze an Hühnervögeln rückläufig sind.

6. Welcher jagdbare Hühnervogel stammt ursprünglich aus Amerika und welche jagdliche Rolle spielt er in Deutschland?

Das Trutwild stammt aus Amerika und Mexiko. Dieser große Hühnervogel hat fast in allen Bundesländern eine Jagdzeit, kommt aber nur ganz begrenzt im Rheinland vor. Er spielt jagdlich keine Rolle. Alle Versuche, ihn weiter zu verbreiten und bei uns anzusiedeln, sind gescheitert.

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