Schnellansprache Sauen

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Auf Gesellschaftsjagden muss es meist fix gehen. Der Schütze hat sich rasch zu entscheiden, ob er den Finger krumm macht. Tipps dafür bei Sauen. Von Christoph Tavernaro

Vermutlich Bache: ein langer und schmal wirkender Kopf. Also: Finger gerade lassen! (Foto: Michael Breuer)

Das schwächste Stück ist richtig. Dieser Merksatz trifft ganz besonders beim Schwarzwild zu. Der starke, oft an der Spitze befindliche Schwarzkittel ist bei Familienverbänden meist die Bache. Bei einer größeren Rotte handelt es sich in der Regel um die Leitbache. Es folgen Frischlinge, Überläufer und gegebenenfalls Beibachen. Wer sich hier auf die schwächsten Stücke konzentriert, macht es richtig.

Einzelne Sauen

Einzelne Stücke sind nicht leicht anzusprechen. Insbesondere, wenn der Jäger den Wildbestand sowie die konditionellen Gegebenheiten vor Ort nicht kennt. Meist fehlt es an der Zeit, sie länger zu beobachten. Zudem sind die Stücke oft in Bewegung und dies meist in einer nicht genau einschätzbaren Entfernung. Oder sie wechseln halb-spitz auf den Jäger zu, was sie optisch geringer erscheinen lässt.

Kurzum: „Unklare” Einzelstücke werden wir im Zweifel schonen, selbst wenn die Freigabe großzügig ist. Es gehört sich nicht, eine Sau zu erlegen und erst beim Aufbrechen zu erkennen, worum es sich handelt!

Eindeutige Hinweise

Aber bei Sauen gibt es einige Merkmale, die ein Stück eindeutig identifizieren. Das sind:
1. Streifen bei Frischlingen,
2. Waffen beim ausgewachsenen Keiler (eine Zigarette lang), 3. Pinsel sowie Klötze bei männlichen Stücken sowie
4. das Gesäuge bei Bachen. Leider kann der Schütze in rauer Praxis diese Erkennungsmerkmale nicht stets ausmachen.

Ansprechmerkmale
Die wesentlichen und in der Regel zutreffenden Kennzeichen verschiedener Altersklassen und der beiden Geschlechter werden nun aufgeführt.

Typisch für den Frischling sind auffällig lange Federn sowie eine schwach ausgebildete Quaste (Foto: Michael Migos)

Frischlinge

Größe/Stärke: gering, schussbar ab 25 Kilogramm (je nach Lebensraum bis zu 50 Kilo);
Schwarte/Farbe: im Alter von drei, vier Monaten gestreift, danach rot-braun; kurzer, dünner Pürzel mit schwach ausgebildeter Quaste; auffällige, lange Federn.

Überläufer

Größe/Stärke: im Schnitt etwa 50 Kilo (je nach Biotop bis zu 80 Kilogramm);
Schwarte/Farbe: grau bis grauschwarz; lange Borsten; Quaste entwickelt sich und reicht bis zum Lauf;
Körperform: gerader Rücken; oben am Körper angesetzt wirkender Kopf; hoch auf den Läufen stehend.

Den groben Bassen kennzeichnen eine gewölbte Rückenline mit Doppelhöcker sowie das Gewaff (Foto: Sven-Erik Arndt)

Keiler

Größe/Stärke: je nach Lebensraum bis zu 150 Kilogramm; die Körpermasse liegt vorne;
Pürzel/Quaste: kräftiger Pürzel mit stark ausgebildeter Quaste;
Körperform: kurzer, stumpf wirkender Kopf; massiger, nach hinten abfallender Körper; gewölbte Rückenlinie mit „Doppelhöcker”; durchhängende Bauchlinie; steht kurz auf den Läufen.

Bachen

Größe/Stärke: je nach Biotop bis zu 80 Kilogramm; eher ausgewogene Verteilung der Körpermasse;
Pürzel/Quaste: langer dünner Pürzel mit mittelstarker Quaste;
Kopf: vergleichsweise lang wirkender Kopf;
Sonstige Merkmale: bei spätem Frischen mitunter angezogene Striche erkennbar.

Das schwächste Stück ist mittig. Sein Abschuss ist goldrichtig! (Foto: Naturfoto Schilling)
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