Auto-Test: Seat Leon X-perience

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Im Idealfall besitzt der Jäger einen Jagdwagen und einen Straßenkreuzer. Doch nicht jeder kann sich das leisten. Bei der Suche nach einem Kompromiss sollten sich kinderlose Jäger bei Seat umgucken.
Von Peter Diekmann

 

 

Sportlich – das ist mein erster Eindruck, als der Seat Leon X-perience ST mit 2,0 Liter TDi-Motor und 150 PS angeliefert wird. „Ob der genug Platz hat?“, ist mein zweiter Gedanke. Durch das Schrägheck wirkt der Kofferraum sehr klein. Ob da alle Jagdklamotten reinpassen? Versuch macht klug, und so werden kurzerhand alle Utensilien, die sich sonst in meinem privaten Pkw befinden, in dem Leon verstaut.

 


 

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Das sportliche Äußere soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Seat mit Allrad und 17 cm Bodenfreiheit auch Wald-tauglich ist (Fotos: Peter Diekmann)
Die größte Sorge bereitet mir dabei meine Wildwanne, eine „Speißbütt“ aus dem Baumarkt mit den Abmessungen 32 x 48 x 77 Zentimeter. Doch alle Sorge ist umsonst. Sie passt nicht nur hinein, die Kofferraumklappe geht auch noch locker zu. Daneben findet mein Hund noch reichlich Platz, und selbst für einigen „Unrat“ mehr bietet der satte 587 Liter fassende Kofferraum noch genügend Platz.
Bei umgeklappter Rücksitzbank erweitert sich dieses Volumen auf 1.470 Liter. Besonders praktisch: Die Rücksitzbank kann man auch vom Kofferraum aus umklappen. Die Lösehebel dafür sind gut erreichbar. Dass man es im Leon aber nur mit einem Mittelklasse-Wagen zu tun hat, zeigt sich beim Platz im Cockpit. Zwar sitzt man bequem, und dank der Sportsitze sehr stabil, doch merkt man, dass der Platz etwas beengter ist als von Oberklasse-Autos gewohnt. Dafür ist das Cockpit extrem bedienerfreundlich ausgestattet und bietet allerhand Komfort.

Top ausgestattet!

 

 

 


 

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In den Kofferraum passt mehr rein, als man denkt. Auch ein Kleiner Münsterländer fühlt sich hier noch sichtlich wohl. Die Rücksitzbank ist zudem von hinten umklappbar
In der Version des Testfahrzeugs gab es eine Geschwindigkeitsregelanlage, ein Media System mit Touchdisplay, ein Navigationssystem, elektrische Fensterheber, Sportsitze mit Alcantarabezügen, Einparkhilfe vorne und hinten, Soundsystem etc. Neben weiteren optischen wie praktischen Ausstattungen (17 Zoll-Leichtmetallräder, Gepäcktrennnetz etc.) überzeugte der 35.375 Euro teure Seat vor allem durch sein höhergelegtes Fahrwerk und den permanenten Allradantrieb.
Gegenüber dem Basismodell hat der Wagen rund 30 Millimeter mehr Bodenfreiheit und erreicht damit 17 Zentimeter. Das ist zwar nicht wirklich viel, auf Waldwegen macht sich das aber schon bemerkbar. Und genau dafür ist der Leon gedacht. Für mehr nicht. Er besitzt weder Unterfahrschutz noch andere Geländewagen-Ausstattungen. Doch Hand auf´s Herz: Braucht das wirklich jeder Jäger? Viele Reviere sind heutzutage durch Wald- und Feldwege selbst für normale Pkw gut zu befahren.
Die paar Meter, die man zum einen oder anderen Hochsitz zurücklegen muss, sind kein Problem. Und wenn Wild geborgen werden muss, gibt es auch andere Möglichkeiten, als mit dem Auto direkt „vorzufahren“.

Perfekter Allrounder

Im Revier schlug sich der Leon mit seinem permanenten Allradantrieb klasse. Selbst ausgefahrene Wege meisterte der Wagen ohne Probleme. Der X-perience fühlt sich sowohl auf Asphalt als auch auf Wald- und Feldwegen wohl. Er richtet sich an sportlich ambitionierte junge Fahrer, die dynamisches Fahren mögen, dabei auf keinen Komfort verzichten wollen und ihre Freizeit draußen verbringen.

 

 


 

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Das Cockpit wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Das Innere ist sehr gut verarbeitet. Alles wirkt hochwertig und edel. Viel Auto für wenig Geld!
Der Motor zeigte sich mit seinen 150 Pferden im unteren Drehzahlbereich sehr sportlich. Nach oben hin flachte er allerdings etwas ab. Da könnte es sich lohnen, auf den 184 PS starken großen Bruder zu setzen. Dennoch: In flotten 8,7 Sekunden geht es von 0 auf 100! Besonders gefiel das große Multi-Media- und Navigations-Touchdisplay. Die Bedienung ist einfach, das Farbdisplay ein Hingucker!
Hervorzuheben ist zudem die ACC genannte Geschwindigkeitsregelung. Ein Tempomat, der nicht nur die Geschwindigkeit hält, sondern den Abstand zum Vordermann durch Gas und Bremse immer beibehält. Im DJZ-Test, in dem es viele Berg- und Waldfahrten gab, verbrauchte der Seat auch dank Start-/Stopp-Technik akzeptable 6,5 Liter. Rechnet man den üblichen Rabatt mit ein, bekommt der Käufer für gut 30.000 Euro ein top ausgestattetes, gut verarbeitetes, sportliches und bedingt Wald-taugliches Auto. Ein guter Kompromiss!

Seat Leon X-perience

Hubraum: 2,0 Liter
Leistung: 110 kW (150 PS)
Drehmoment: 340 Nm
Länge: 4,54 Meter
Höhe: 1,48 Meter
Bodenfreiheit: 17 Zentimeter
Verbrauch (DJZ-Test): 6,5 l / 100 km
Leergewicht: 1.484 kg
Gepäckraum: 587 / 1.470 Liter
Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
Preis: ab 29.740 Euro
Preis (Testwagen): 35.375 Euro

 

 

 

 

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