Benelli Argo Comfortech Selbstladebüchse

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DJZ 3/2012

Die Benelli Argo hat sich bei den Selbstladebüchsen seit ihrer Einführung vor fast 10 Jahren einen festen Platz erobert. Mit der Comfortech kommt nun eine Ausführung, die sich besonders rückstoßarm schießen soll.

Von Norbert Klups

 

Selbstladebüchsen sind selten elegant. Besonders die alten Modelle von Browning, Heckler & Koch oder Remington sehen ziemlich kantig und klobig aus. Moderne Büchsen, wie die Sauer 303, kommen da schon wesentlich ansehnlicher daher. Eine Benelli wirkt allerdings schon fast futuristisch. Geschwungene Formen und Rundungen an Stellen, wo andere Modelle Kanten und Ecken haben. Die Comfortech-Ausführung mit Kunststoffschaft geht hier noch ein Stück weiter als die Modelle mit Holzschaft. Sie soll für das angenehme Schussverhalten verantwortlich sein. Benelli verspricht einen um etwa 40 Prozent verringerten Rückstoß gegenüber der Normalausführung.
 
Die Argo Comfortech wird in den Kalibern 7 x 64, .308 Winchester, .30-06 Springfield, .300 Winchester Magnum und 9,3 x 62 angeboten. Es stehen drei Lauflängen zur Wahl: 51, 56 und 61 Zentimeter. Die Testwaffe wurde in .308 Winchester mit 51-Zentimeter-Lauf geliefert. Damit kommt sie auf handliche 107 Zentimeter Länge bei 3,55 Kilogramm Gewicht.
 
 

 

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Die Schnellspannmontage von MAK lässt sich rasch abnehmen, und die flache Montageschiene verdeckt die offene Visierung nicht. Beim Test mit verschiedenen Munitionssorten kam es zu keinen Funktionsstörungen. (Fotos: Norbert Klups)
Drehkopfverschluss Verriegelt wird die Argo durch einen in den Verschlusszylinder eingesetzten zwangsgesteuerten Drehkopf mit drei Warzen. Verriegelt wird direkt im Lauf. Ausstoßer und Auszieher sind im Verschluss integriert. Die Gasabnahme sitzt im hinteren Teil des Laufes. Kolben und Verschlussantrieb liegen verdeckt unter dem Vorderschaft.
 
Die Argo ist technisch verwandt mit den Benelli Selbstladeflinten, nur dass hier der Lauf und das Oberteil der zweiteiligen Systemhülse fest verbunden sind. Das Unterteil besteht aus Aluminium. Beim Testschießen mit mehreren verschiedenen Munitionssorten kam es nicht zu Funktionsstörungen, und die Waffe schoss auch im verschmauchten Zustand einwandfrei. Die Metallteile sind mattiert und weisen ein schwarzes Finish auf.
 
 

Kunststoffschaft

 

Der schwarze Kunststoffschaft der Argo lässt sich durch Platten in Senkung und Schränkung verstellen und verfügt über ein im Schuss nachgebendes Element aus Spezialkunststoff, das den Rückstoß dämpfen soll. Die dicke Gummikappe hat eine glatte Rückseite und gleitet ganz ordentlich. Durch den erhöhten Schaftrücken liegt das Auge des Schützen auch beim schnellen Anschlag sofort hinter der Zieloptik – vorausgesetzt, es handelt sich um ein flach montiertes Drückjagdglas. Die angegossene Fischhaut ist für einen Kunststoffschaft ausreichend griffig, und der Vorderschaft ausgesprochen ergonomisch geformt. Die flache Unterseite mit Fischhaut liegt satt in der Hand, und die Finger finden in den Auskehlungen sehr guten Halt. Der vordere Riemenbügel ist in die Stirnseite des Vorderschaftes eingeschraubt und liegt im richtigen Abstand zur Laufmündung.
 
 

Einfache Bedienung

 

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Magazinknopf, Verschlussauslöser und Sicherung liegen sehr eng zusammen
Der Durchladehebel ist leicht gebogen und ausgesprochen griffig. Alle übrigen Bedienteile liegen eng zusammen vorn am Abzugsbügel. Hier finden sich der Magazinauslöser, der Verschlussauslöser und die Sicherung. Der Magazinauslöser für das 2 Patronen aufnehmende Magazin liegt vor dem Abzugsbügel. Die große Druckplatte lässt sich auch mit Handschuhen noch gut bedienen.
 
Die Sicherung ist als Druckknopfsicherung konzipiert und lässt sich nur mit äußerster Konzentration geräuschlos bedienen. Den Verschlussauslöser zu bedienen, um bei einem gefüllten Magazin den Verschluss nach vorn schnellen zu lassen, war bei der Testwaffe sehr kraftaufwendig. Man kann sich behelfen, indem der Durchladehebel leicht zurückgezogen und dann losgelassen wird. Nicht ideal für einen schnellen Magazinwechsel. Den behindert aber auch das Magazin, das zunächst vorn eingehängt werden muss, um es dann mit einer kleinen Kippbewegung in den Magazinschacht zu befördern. Einfach einstecken und dann mit der flachen Hand auf den Magazinboden schlagen, geht hier nicht.
 
 

Butterweicher Abzug

 

Abzüge sind bei Halbautomaten oft ein Schwachpunkt. Wirklich leicht kann man sie nicht einstellen, sonst wird aus dem Halb- ganz gend gelöst. Zwar hält der Abzug 1,9 Kilogramm Abzugsgewicht, doch lässt er sich butterweich abziehen und erscheint wesentlich leichter. Wer sich erst einmal an diesen Abzug gewöhnt hat, wird damit auch sauber schießen können. schnell ein Vollautomat. Benelli hat dieses Problem aber überzeugend gelöst. Zwar hält der Abzug 1,9 Kilogramm Abzugsgewicht, doch lässt er sich butterweich abziehen und erscheint wesentlich leichter. Wer sich erst einmal an diesen Abzug gewöhnt hat, wird damit auch sauber schießen können.
 
 

Visier

 

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Drückjagdschiene aus Carbon
Auch die Visierung wirkt futuristisch und besteht aus einer geschwungenen Drückjagdschiene aus dem Hightech-Material Carbon. Die 10 Millimeter breite Schiene hat einen weißen Mittelstrich. Dazu passend wird ein rotes Kunststoffkorn montiert, das sich in Höhe und Seite verstellen lässt. Es ist eine ausgesprochen schnelle Visierung für den raschen Schuss auf kurze Drückjagddistanzen. Der Systemkasten hat Bohrungen für Zielfernrohrmontagen – geeignet für fast alle Systeme. Die Testwaffe wurde mit einer Schnellspannmontage von MAK ausgestattet, die den Vorteil hat, dass auf der Waffe nur eine flache Schiene angebracht wird, die beim Schuss über die offene Visierung nicht stört. Das Zielfernrohr wird aufgekippt und über 2 Klemmhebel festgezogen.
 
 

 

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Gasabnahme unter dem Lauf
 

Schwingt gut

 

Montiert wurde ein Meopta 1–4 x 24 mit Leuchtabsehen. Auf dem Schießstand wurde das Zielfernrohr auf 100 Meter Fleck eingeschossen. Die beste Präzision wurde mit dem blei freien Lapua Naturalis (11-Gramm-Geschoss) erzielt. 5 Schuss lagen auf 26 Millimeter zusammen. Für einen Halbautomaten ein sehr gutes Ergebnis. Richtig Spaß macht die Argo aber im Schießkino und beim laufenden Keiler. Sie schwingt sehr gut, und der Rückstoß war ausgesprochen weich. Problemlos wurden jeweils 2 Schüsse auf den laufenden Keiler abgegeben, bevor er die Schneise überquerte. Mit reichlich Training klappt es sogar manchmal mit dem sicheren 3. Schuss.
 
Der Comfortech-Schaft sorgt für ein angenehmes Rückstoßverhalten – ob er den Rückstoß aber um 40 Prozent mindert, lässt sich durch das Testschießen freilich nicht nachprüfen. Hier wären aufwendigere Messungen erforderlich.
 
Die Argo kostet in der getesteten Ausführung 1.689 Euro. Die Standardversion mit Holzschaft ist mit 1.619 Euro gering fügig günstiger.
 


Vorteile & Nachteile

 

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Verstellbares rotes Leuchtkorn
Vorteile
+ weicher Rückstoß
+ gute Präzision
+ sichere Funktion
+ gute Drückjagdvisierung
 

Nachteil
– strammer Verschlussauslöser
– schneller Magazinwechsel schwierig
 


Technik auf einen Blick

 

Waffe Benelli Argo
Importeur Manfred Alberts GmbH
Waffenart Selbstladebüchse
Kaliber Testwaffe .308 Winchester
Weitere Kaliber 7 x 64, .30-06 Springfield, .300 Winchester Magnum, 9,3 x 62
Magazin Einsteckmagazin für 2 Patronen, 1 im Patronenlager
Abzugsgewicht 1,9 kg
Lauf Cryogenic-Lauf mit Drückjagdvisierung und
Bohrungen für ZF-Montagen
Lauflängen wahlweise 51, 56 und 61 cm
Waffenlänge 107 cm (Testwaffe mit 51 cm-Lauf)
Zieloptik Meopta 1-4 x 24, MAK Schnellspann-Montage
Waffengewicht 3,55 kg (Testwaffe)
Gesamtgewicht 4,2 kg (Testwaffe)
Schussleistung 100 m: 26 mm (5 Schuss)
Preis 1.689 Euro (ohne ZF und Montage)