Wildschäden im Wald

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Im Wald gibt es die meisten Wildschäden durch Schälen und Verbiss, geringer sind die Schäden durch Schlagen und Fegen.

Von Hans Joachim Steinbach

Windwurf-Fläche
Windwurf-Fläche nach einem Sturm. Wird hier gezäunt, so muss das Gatter schwarzwildfrei bleiben.

Verbiss kommt in allen Revieren mit Schalenwild vor. Ob es aber zum wirtschaftlich relevanten Waldwildschaden kommt, hängt von vielen Faktoren ab. „Je größer das Wild, desto größer der Wildschaden“, stimmt also nicht, in Kulturen können zum Beispiel Hasen durch Verbiss ebenso erhebliche Schäden verursachen. Neben dem Wild gibt es aber auch noch andere Tiere, die im Wald Schäden verursachen, beispielsweise Mäuse. Waldwildschäden sind mitunter schwierig festzustellen und zu bewerten (Verbiss-Gutachten).

Schälschäden

Wildschaden, der durch Schälen an wirtschaftlich wertvollen Baumarten entsteht, vor allem durch Rotwild, aber auch von Dam- und Muffelwild, jedoch nicht durch Rehwild.

Das Wild äst die nicht verborkte, junge Baumrinde (Winter) oder reißt Rinde und Bast von Laub- und Nadelbäumen in langen Streifen ab. Baumrinde enthält Nährstoffe, Vitamine, Wasser und Ballaststoffe, die das Wild zur Äsung nutzt.

Der Forstwirt und Jäger unterscheidet:

  • Winterschäle: Benagen der Bäume im Winter. Dadurch entstehen fleckenartige kleinere Wunden am Stamm.
  • Sommerschäle: Großflächiges Herabziehen von Rindenbahnen und Bast von den Baum-stämmen.
  • Wurzelschäle: Benagen von oberirdischen Flachwurzel-Läufen (besonders Flachwurzler wie Fichte).

    Durch Schälen in Kulturen werden vor allem betroffen: Fichte, Kiefer, Douglasie, Tanne, Eiche, Rotbuche und Edellaubhölzer.

    Durch das Schälen der Stämme kommt es zur Verletzung der Baumrinde. In die Wunde dringen Pilze ein, die zur Fäulnis führen (Rotfäule). Der entsprechende Stammabschnitt wird brüchig und wertlos. Bei Sturm oder Schneelast kommt es dann zum Windwurf oder -bruch- und zum Schneebruch.

    Verbiss-Schäden

    Durch Verbeißen von Jungpflanzen (Äserhöhe) von wirtschaftlich wertvollen Baumarten entsteht Verbiss-Schaden. Das Wild verbeißt Knospen, Triebe und Blätter. Am schlimmsten wirkt sich der Verbiss von Terminal-Trieben aus. Starker Verbiss hemmt das Wachstum und führt zu ungewünschten Wuchsformen. Bei Naturverjüngungen wird besonders vom Rehwild selektiv verbissen, das heißt, es werden besonders bevorzugte Pflanzen wie Eiche oder Buche so stark selektiert, dass die gewollte Verjüngung nur lückenhaft und ungleichmäßig aufkommt oder sogar komplett misslingt.

    In reinen Nadelwald-Revieren, die in Mischwald-Bestände umgebaut werden sollen, ist deshalb beim Unterbau von Buchen, Eichen und Edellaubhölzern Zaunschutz notwendig. Zaunschutz ist ebenfalls angebracht, wenn Baumarten angepflanzt werden, die im jeweiligen Revier nicht Hauptbaumarten sind.

    Bevorzugte Verbissgehölze sind Aspe, Weide, Eberesche, Robinie, Hainbuche, Eiche, Roteiche, Tanne, Fichte und Kiefer. Zum Schutz vor Verbiss-Schäden werden in den Wald entsprechende Verbissgehölze eingebracht, die vom Wild bevorzugt genutzt werden.

    Achtung: Schäl- und Verbiss-Schäden durch alles Schalenwild sind ersatzpflichtig – nicht aber der Schaden durch Hasen. Sonderkulturen und Baumarten, die im Revier nicht Hauptbaumarten sind, unterliegen nicht der Wildschadensersatzpflicht.

    Fegeschäden

    Durch das Fegen des fertig ausgebildeten Bastgeweihs/-gehörns entsteht an Bäumen (Hirsche), Bäumchen und Sträuchern Fegeschaden. Durch das Schlagen mit dem Geweih und Gehörn (das Geweih/Gehörn wird verfegt) entstehen Rinden- und Bast-Verletzungen, die junge Bäumchen so verletzen, dass sie absterben.

    Bevorzugt werden selten und einzeln eingemischte Holzarten wie Pappel, Lärche oder Douglasie befegt. Bei der Douglasie kommt es noch dazu, dass die Hirsche auch nach dem Verfegen mit den Augsprossen die Harzgallen älterer Bäume aufreißen und ihr Geweih mit dem Duft „parfümieren“.

    Verhüten von Wildschäden

    Wildschäden verursachen nicht unerhebliche Kosten, die im Wald meist mit einer Wildschadens-Pauschale pro Hektar Waldfläche abgegolten werden. Zur Verhütung von Waldwildschäden können folgende Maßnahmen getroffen werden:

  • Regulierung des Wildbestandes:

    Der Wildbestand muss nach Wilddichte, Altersklassen-Aufbau und Geschlechter-Verhältnissen der jeweiligen Bonität des Einstandsgebietes angepasst werden. Je nach Äsungskapazität, Deckungsmöglichkeiten und Ruhezonen muss der Wildbestand reguliert werden. Je besser die Revierqualität, desto höher kann der Wildbestand sein.

    Die Reduzierung des Wildbestandes ist allein kein wirksames Mittel zur Verminderung von Wildschäden. Die gesamte Hege/Bewirtschaftung eines Wildbestandes muss sowohl wildbiologisch als auch auf die Erfordernisse einer sachgemäßen Forst- und Landwirtschaft ausgerichtet sein.

  • Verhinderung von Wild-Konzentrationen:

    Durch die Anlage von vielen kleineren Äsungsflächen, die Erhaltung und Pflege der Waldwiesen, die im Revier gleichmäßig verteilt sind, durch die gleichmäßige Verteilung der Salzlecken und Suhlen kann eine Wildkonzentration und Großrudelbildung verhindert werden.

  • Ruhezonen im Revier:

    Schaffung systematischer Ruhezonen an den Einstands- und Äsungsplätzen, verteilt über das gesamte Revier. Wichtig ist, dass die Einstände und Äsungsplätze fernab von Wegen oder öffentlichen Plätzen, versteckt im Revier liegen.

  • Schaffung zusätzlicher natürlicher Äsung:

    Die Anlage von Wildäckern, Wildwiesen, Verbissgärten, Pflanzung von Verbissgehölzen und masttragender Bäume (Eiche, Kastanie, Wildobst) an Wegtrassen und auf Blößen, das Anlegen von Ablenkflächen und Ablenkfütterungen verhindert großräumige Wildschäden.

  • Artgerechte Fütterung in den Notzeiten:

    Bei hoher Schneelage mit starkem Frost muss Schalenwild mit Heu, Silage und Hackfrüchten (Landesverordnung beachten!) zugefüttert werden. Durch den Einsatz des Schneepfluges wird natürliche Äsung freigelegt (Beerkraut).

  • Richtige Bejagungsstrategie:

    Rechtzeitige Erfüllung des Abschussplanes, Vermeidung hohen Jagddruckes in einzelnen Revierteilen. Besser eine großräumige als mehrere kleine Drückjagden abhalten.Foto: Sven-Erik Arndt, Manfred Denegger

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Rehwild
Rehwild ist ein Konzentrat-Selektierer: Es „nascht“ mit Vorliebe alle selten vorkommenden Baum- und Strauch-Arten.
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Revierkunde

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