Nachruf auf Friedrich Karl (Friedel) von Eggeling

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Was kennzeichnet einen Schlesier? Der Volksmund weiß: Der Schlesier geht sechs Tage der Woche auf die Jagd. Am siebten macht er Patronen und „lügt”, spricht also Jägerlatein. Friedrich Karl (Friedel) v. Eggeling war Schlesier: Er wurde am 20. August 1924 in Gießmannsdorf geboren.

(Foto: Dr. Rolf Roosen)

Nach dem Abitur im Jahre 1942 in Löwenberg diente er während des Zweiten Weltkrieges bis 1945 – zuletzt als Leutnant – in einer Panzertruppe.

1946 begann er mit dem Studium der Forstwissenschaften in Freiburg/Breisgau. 1948 wechselte er nach Hannoversch Münden, wo er 1950 das Studium als Diplom-Forstwirt beendete. Die Referendariatszeit absolvierte er in Schweden sowie in verschiedenen deutschen Forstämtern. 1953 war er schließlich Assessor des Forstdienstes.

In fremden Diensten

Von 1953 bis 1962 arbeitete Eggeling in der Forstplanungsabteilung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Danach war er für ein Jahr stellvertretender Forstamtsleiter im Fürstlich Bismarckschen Forst Sachsenwald/Friedrichsruh bei Hamburg.

Von 1964 bis 1971 war Eggeling Geschäftsführer des Deutschen Jagd(schutz)verbandes (DJV) in Bonn. Ab 1972 leitete er das Gräflich Faber-Castellsche Forstamt in Stein bei Nürnberg. Von 1974 bis 1990 war er Akademischer Mitarbeiter im Leitungsdienst des Bayerischen Forstamts Nürnberg. Hier war er unter anderem zuständig für die Ausbildung bayerischer Berufsjäger. Bis 1992 arbeitete er als Geschäftsführer der Wildland GmbH im Landesjagdverband Bayern.

Auf eigener Scholle

1996 erwarb er rund 400 Hektar Wald des ehemaligen Familienbesitzes Horscha (Landkreis Görlitz/Sachsen) wieder. Zudem war er bis 2009 zugleich Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft „Nieder-schlesische Heide e. V.”.

Eggeling war mit Leib und Seele Forstmann sowie Jäger. Beides harmonierte in Horscha vorzüglich. Seine naturnahe Waldwirtschaft in dem überwiegend mit Kiefern bestockten Besitz war mustergültig sowie ideenreich. Sie wurde mit dem Sächsischen Staatsehrenpreis ausgezeichnet.

Herzensanliegen war Eggeling zudem, die Pflege und Ausgestaltung des ehemaligen Schlossparks in Horscha. Große Freude hatte er unter anderem an den im Park befindlichen uralten Flatterulmen.

Jagdlich war Horscha ein El Dorado – bis die Wölfe kamen.

Der Schriftsteller

Friedel – wie ihn seine Freunde nannten – schrieb zahlreiche Beiträge für die Fachzeitschriften JÄGER sowie DJZ. Und er schrieb gut. Zudem verfasste er einige Fach- und Erlebnisbücher.

Seine beiden besten Werke sind zugleich sein jagdliches wie forstliches Vermächtnis, nämlich „Horscha – Jagdliche Heimkehr” (Wien 2013) sowie „Horscha – Forstliche Erfüllung” (Wien 2017).

Ausgezeichnet wurde Friedel unter anderem mit der Goldenen Verdienstnadel des Deutschen Jagd(schutz)verbandes (1986) sowie dem Kulturpreis des DJV (1998).

Der Freund

Friedel war ritterlich, Grandseigneur alter Schule, humorvoll (auch was ihn selbst betraf), ein großzügiger sowie warmherziger Gastgeber. Ein glänzender Erzähler mit phänomenalem Gedächtnis, der in seinen Schilderungen zur Übertreibung neigte. Schlesier eben. Körperlich war er bis vorvergangenes Jahr so fit, dass er noch jagte. Geistig blieb er bis zum Schluss klar.

Persönlich verband mich eine jahrzehntelange und tiefe Freundschaft mit Friedel. Unzählige Stunden haben wir gemeinsam in Horscha auf Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild geweidwerkt, haben uns am Waldbau erfreut, Bestände ausgezeichnet, Erlebnisse bei einem guten Rotspon ausgetauscht, über das Weidwerk und Forstwirtschaftliches diskutiert und unser Miteinander genossen.

Friedrich Karl (Friedel) v. Eggeling verstarb am 13. März dieses Jahres in seinem Haus in Behringersdorf (bei Nürnberg). Die DJZ trauert um einen langjährigen erstklassigen Mitstreiter. Unser herzliches Beileid gilt Schwiegertochter Rita sowie den beiden Söhnen Ferdinand und Constantin.

Dr. Rolf Roosen

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