Bringfreude leicht gemacht – Apportieren von Raubwild/-zeug

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Von Hubertus Schröder

Foto: Bilagentur Schilling

Wie bringe ich meinem jungen vierläufigen Zögling auf einfache Weise bei, Fuchs, Marder, Krähe und Elster sauber zu apportieren? Hilfreiche Kniffe eines alterfahrenen Jagdhundeausbilders.

Hin und wieder kann man in einer Verkaufsannonce für einen Jagdhund lesen: Allesapporteur, auch Fuchs. Das ist natürlich ein weißer Schimmel, der da angepriesen wird. Von einem sauber durchgearbeiteten Allesapporteur kann und muss man erwarten, dass er wirklich alles bringt, was ihm vorgelegt oder von ihm verlangt wird. Immerhin kennzeichnet diese Anzeige den Widerwillen vieler Hunde gegenüber dem artverwandten Raubwild, insbesondere dem Fuchs. So stellen Fuchsschleppe bzw. das Bringen Reinekes über Hindernisse stets besondere Hürden für das (gute) Bestehen der Verbands-Gebrauchsprüfung (VGP) dar. Schon bei der Ausbildung kommt es hierbei nicht selten zu ernsten „Meinungsverschiedenheiten“ zwischen Hund und Führer. Ziel einer tierschutzgerechten Abrichtung ist es jedoch, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Sauber apportiert der Magyar Vizsla den starken Fuchsrüden seinem Herrn. So soll es sein
Foto: Michael Breuer

Ursachen des Widerwillens

Selbst für das verkümmerte menschliche Riechorgan ist der Fuchs mit seiner intensiven Wittrung deutlich wahrnehmbar. Nun ist es aber nicht die Intensität der Wittrung, die viele Hunde vom beherzten Zupacken abhält. Es gibt andere Düfte, die zumindest für die menschliche Nase ekelhafter sind als die Fuchswittrung. So hat der Vierläufer nichts gegen strenge Aaswittrung, er wälzt sich oft genug darin genüsslich. Starker Haut goût von anbrüchigem Fleisch scheint den Appetit vieler Hunde sogar anzuregen. Es ist also die Art der Wittrung, die viele Hunde veranlasst, am liebsten einen großen Bogen um Reineke und Co. zu schlagen. Auch Katze, Iltis und Krähe werden häufig von den Vierläufern mit Verachtung gestraft und am liebsten nach eingehendem Bewinden links liegen gelassen. Es ist der arteigene Geruch bestimmter Wildarten, der den Hunden nicht gefällt, die sie also im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen können bzw. mögen. Welche Duftkomponenten da ausschlaggebend sind, weiß man nicht. Auch gibt es starke individuelle Unterschiede von Hund zu Hund. Im Allgemeinen ist es so, dass Vierläufer mit ausgeprägter, angewölfter Raubwildschärfe sich weniger beeindruckt zeigen. Ich hatte Hunde, die beim Apportieren keinen Unterschied zwischen Hase und Fuchs machten, diesen sogar ausgesprochen gerne brachten.

Mit Hilfe der Dressurangel wird der Welpe spielerisch an den Umgang mit Raubwild/-zeug gewöhnt

Wie sag ich‘s meinem Hund?

Auch hierbei gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Also wird man seinen Hund nicht zu kurz vor der VGP zum 1. Mal einen starken Fuchs vor den Fang legen, das geht leicht ins Auge. Der Rüdemann beginnt frühzeitig, den Welpen an die verschiedenen Wildarten oder Teile davon heranzuführen. Besonders geeignet hierfür ist die Dressurangel. Sie macht dem Zögling ausgesprochenen Spaß, wenn man es richtig angeht. Der Rüdemann beginnt wie üblich mit einer Enten- oder Fasanenschwinge, einem Stück Hasen- oder Kaninchenbalg . Je mehr Varianten man dem Hund bietet, desto besser. Der Hundeführer arbeitet also auch mit einem Rehlauf, einem Stückchen Sauschwarte usw. Packt der Eleve kräftig zu, um in den Besitz der begehrten Beute zu kommen, wechselt man um auf die Schwinge von Krähe und Elster, ein Balgstück von Fuchs, Iltis oder Katze usw. Will er davon vorerst nichts wissen, arbeitet man erst mal mit seinen Lieblingsspielzeugen weiter. Nie überfordert der Rüdemann hierbei den Junghund. Mehrere kurze Übungen täglich sind besser, als bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Bald wird man soweit sein, dass er auch die „Problemstücke“ passioniert arbeitet. Plötzlich zappelt da eines Tages eine Krähe oder ein Jungfuchs verführerisch vor seinem Fang an der Dressurangel: Und in 99 Prozent der Fälle wird der Schüler auch hier zupacken. Natürlich ist dann ein besonderes Lob und ein Leckerbissen fällig. Es ist darauf zu achten, dass ohne langes Bewinden zugepackt wird, sonst verschwindet die Beute ganz schnell wieder. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Der Hund muss immer wieder die Erfahrung machen, dass nur beherztes Zupacken zum Erfolg, sprich zum Besitz der Beute führt. Zeigt er anfangs deutlichen Widerwillen, kann man die intensive Wittrung durch Benetzen mit etwas Rehschweiß „veredeln“. Diese Übungen führt man wohl dosiert so lange fort, bis der Hund das gewünschte Verhalten zeigt.

Konsequenz beim Apportel wichtig

Parallel dazu bringt man ihm das Apportieren bei. Hier ist jegliches Spielen mit dem Apportel sofort und konsequent zu unterbinden. Der Hund lernt sehr schnell, dass Spielen mit der Dressurangel und der Apport 2 völlig verschiedene Dinge sind. Auch hier startet man mit Gegenständen, die dem Hund vertraut sind und die er gerne mag. Apportiert er diese sicher und freudig, wird das Apportierholz mit einem Stück Fuchsbalg, einer Krähenschwinge usw. umwickelt. Die Wittrung kennt er von der Dressurangel, das ist nichts Neues für ihn. Auch hier steigert der Rüdemann langsam den Schwierigkeitsgrad bis zum leichten Jungfuchs, der Krähe, der Elster, einem ausgestopften Iltisbalg usw. Entscheidend ist vor allen Dingen, dass Herrchen dem Hund die Freude an der Arbeit erhält. Wer glaubt, er könne seinem Zögling die Lektion einprügeln, wird unweigerlich Schiffbruch erleiden. Der sichere Verlorenbringer arbeitet freudig. Mit zu viel Druck erzieht man sich leicht einen Blinker.

Beim Bringen des Apportels ist Spielen zu unterbinden, hier ist Konsequenz das A und O
Foto: Michael Breuer

Er ignoriert dann schnell die Wittrung, die ihm so viel Verdruss bereitet hat. Natürlich geht es bei den meisten Hunden nicht ganz ohne Zwang. Hat der Vierläufer erst einmal seine Lektion begriffen, dann muss Herrchen auch stets auf die korrekte, konsequente Ausführung achten. Allerdings kommt es stets auf umsichtiges Handeln und Verhalten des Rüdemanns an, der unnötigen Zwang vermeidet, indem er den Hund nicht überfordert. Jede grobe Zwangsmaßnahme ist stets mit einem Verlust der Arbeitsfreude und dem Vertrauen zwischen Hund und Führer verbunden. Der erfahrene Hundeführer wird seinen Vierläufer genau beobachten und erkennen, was er seinem Schüler zumuten kann. Man ist nicht jeden Tag gut aufgelegt, dem Hund ergeht es ebenso. So ist es manchmal angebracht, auf schwierige Aufgaben zu verzichten und auf Arbeiten auszuweichen, die er sicher beherrscht. Hier ist Einfühlungsvermögen und viel Geduld besser als eine schwierige Lektion bei dem jungen Hund mit Gewalt durchzusetzen. Nie arbeitet man stur nach einem Ausbildungsplan, man beobachtet seinen Schüler sehr genau, es gibt Mimosen und „harte Knochen“. Ein Schema F führt nicht zum Erfolg, der aber in kleinen, wohldosierten Schritten erreicht wird.

Mit sicherem Griff hat er den Fuchs im Fang und bringt ihn sauber übers Hindernis
Foto: Karl-Heinz Volkmar
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