Fast schon intelligent – Schwarzwild

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Das heimische Schwarzwild besitzt auf Grund seiner wachen Sinne und Instinkte eine sprichwörtliche »Intelligenz«.

Von Hans Joachim Steinbach

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Sauen sind gut auf den Läufen, durchrinnen selbst große Flüsse, und auch ein Zaun ist nicht unbedingt ein Hindernis.

1. Welche besondere Rolle hat das Schwarzwild in unserer Wildbahn?

Neben dem Rehwild ist das Schwarzwild unsere am weitesten verbreitete und »produktivste« Wildart. Eine jährliche Durchschnittsstrecke von rund 250.000 Sauen und ein Wildbret-Aufkommen von schätzungsweise über zehn Millionen Kilogramm bedeuten rund 40 Prozent des gesamten Wildbret-Aufkommens in Deutschland.

2. Was unterscheidet das Schwarzwild von all unseren anderen Schalenwildarten?

Von allen anderen Schalenwildarten unterscheidet sich das Schwarzwild durch seine Ernährungsweise; es gehört nicht zu den Wiederkäuern wie die Hirschartigen (Cerviden) oder die Hornträger (Boviden). Schwarzwild ist Allesfresser und schätzt pflanzliche wie tierische Nahrung.

Im Wald ist das Schwarzwild von den Forstleuten eher gern gesehen, es »pflügt« den Boden durch das Brechen der Nahrung, fördert so den Sauerstoff-Eintrag. Die Verwundung des Bodens schafft günstige Bedingungen für Selbstverjüngung, indem Aufschlag (Kastanien, Eicheln, Bucheckern) und Anflug (Birken-, Eschen-, Ahorn-Samen) besser aufgehen können.

Schwarzwild ist unsere letzte wehrhafte Wildart. Es können sowohl Bachen bei Gefahr angreifen und beißen als auch Keiler schwere Wunden mit ihren Waffen schlagen.

3. Welche Besonderheiten sind bei der jagdlichen Schwarzwild-Bewirtschaftung zu beachten?

Eine waidgerechte Bejagung (Bewirtschaftung) des Schwarzwildes hat unter anderem zum Ziel, die Sauen durch entsprechende Maßnahmen (Wildäcker in der Vegetationszeit im Wald und eventuell gering dosierte Ablenkfütterungen) langzeitig an den Wald zu binden.

Schwarzwild nutzt allerdings während der Vegetationszeit die guten Nahrungsbedingungen in der landwirtschaftlichen Feldflur, wodurch erhebliche Wildschäden auftreten können. Gefährdete Kulturen müssen dann durch Bejagung von Frischlingen und nicht führenden Überläufern sowie geeignete Abwehrmaßnahmen vor Schwarzwild geschützt werden.

Bei der Jagd auf Sauen sind überwiegend Frischlinge zu erlegen. Bachen (nicht nur führende) sollen geschont werden, das dient der richtigen Rottenstruktur und minimiert die Wildschäden, die bei führerlosen Frischlingsrotten oft größer sind.

Schwarzwild kann an der Schweinepest erkranken. Die Krankheit kann auf Haustiere übertragen werden, was zu erheblichen volkswirtschaftlichen Verlusten führt. Neben der Jagd an Wildschadensschwerpunkten sollte Schwarzwild durch wenige gut organisierte Drückjagden intensiv bejagt werden. Junge und mittelalte Keiler sollen geschont werden. Die Kirrjagd auf Schwarzwild ist in Deutschland weit verbreitet. Die Kirrung (geringe Mengen!) darf nicht zu einer Schalenwildfütterung ausarten.

4. Wie erkennt man Schwarzwild im Revier?

Durch die intensive Bejagung hat sich Schwarzwild auf eine nächtliche Le bensweise umgestellt. In intervallartig bejagten (ein bis zwei Drückjagden) Gebieten ist Schwarzwild auch tagaktiv. Schwarzwild verrät sich durch Fährten, Losung, Kessel, aber viel mehr durch sein Gebräch auf Äckern und Wiesen.

Schwarzwild braucht die Nähe des Wassers, suhlt im Schlamm und »putzt« sich an Malbäumen. Im feuchten Boden ist die Schwarzwildfährte am Geäfter zu erkennen. Sauen verraten sich auch durch Laute. Eine führende Bache lockt meist die Frischlinge durch »Grunzen«, Frischlinge »quieken«. Ein drohender Keiler »wetzt« mit den Waffen, und eine die Gefahr witternde Bache »bläst« bei Erregung.

5. Welche Jagdarten auf Sauen sind üblich?

Neben Ansitz und Pirsch werden Sauen gezielt bejagt an wildschadensgefährdeten Flächen durch das Anlegen von Schneisen oder Randstreifen. Günstig ist das Einsäen niedriger Kulturen in große Mais﷓ oder Getreideflächen.

Die Ansitzjagd lohnt besonders an Schwarzwildkirrungen und Suhlen. Im Gebräch stehendes Schwarzwild kann gut angepirscht werden. Wird Schwarzwild durch eine Neue bestätigt, lohnt sich die Drückiagd auf fest steckende Sauen mit Saufindern. In Kernrevieren werden im Herbst und Winter ein bis zwei groß angelegte Drückjagden unabhängig von den Schneeverhältnissen abgehalten.

6. Welche Besonderheiten sind bei der Nachsuche auf Schwarzwild zu beachten?

Bei der Schwarzwildjagd ist zu beachten, daß es sich um schußhartes, wehrhaftes Wild handelt. Vor der Schußabgabe muß zweifelsfrei feststehen, daß ein sicherer Schuß angebracht werden kann. Bei heißer Sommerwitterung verhitzt über Nacht liegendes Schwarzwild leicht.

Eine Nachsuche in der Dunkelheit verbietet sich aber auf das wehrhafte Wild (Ausnahme: kurze Totsuche mit eindeutigen Pirschzeichen wie Lungenschweiß). Nachsuchen sollten nur mit einem auf Schweiß geprüften, firmen Jagdhund und in der Regel nicht allein durchgeführt werden (Unfallgefahr durch Annehmen).

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