Räude erreicht Wölfe in Niedersachsen

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Auf Nachfrage bestätigt das Wolfsbüro in Hannover (Niedersachsen) einen an Räude erkrankten Wolf im Ostenholzer Moor, Heidekreis.

Nachdem in den letzten Jahren immer wieder Fälle in den neuen Bundesländern bekannt wurden, hat die Räude nun auch die Wölfe in Niedersachsen erreicht.

Räude ist eine hoch ansteckende Hautkrankheit, die durch verschiedene Milbenarten verursacht wird. Bei Wildtieren spielt vor allem die Grabmilbe Sarcoptes scabiei var. canis, die sich in die Haut eingräbt und dort ihre Eier legt, eine große Rolle.

Räude bei Wölfen ausgebrochen
Die Qualen der Wölfe scheinen, wie bei den im Straßenverkehr unter die Räder gekommenen Wölfen, in Niedersachsen bedeutungslos (Symbolfoto: Anne Friesenborg)

Die Erkrankung, die relativ häufig bei Füchsen auftaucht, aber alle Caniden befallen kann, verursacht starken Juckreiz mit blutigem Aufkratzen der betroffenen Hautregionen, oft entzünden sie sich. Befallene Tiere erkennt man an kahlen Stellen und an einer nackten Rute. Diese Tiere erleiden oft einen qualvollen Tod, ihr Siechtum kann Monate dauern.

Erst kürzlich fand man in Sachsen Anhalt im Jerichower Land, einen stark abgemagerten und komplett „nackten“  toten Wolfsrüden. Örtliche Jäger hatten das erkrankte Tier schon öfter beobachtet. Normalerweise hätten sie dieses Tier erlöst. § 22a Abs.1 Bundesjagdgesetz (Vermeidung von Schmerzen oder Leiden schwerkranken Wildes) gilt nicht für den Wolf. Er unterliegt dem Artenschutz- ein Gnadentod ist Wölfen damit verweigert.

Obwohl die Krankheit hochgradig ansteckend ist und auch auf Hunde übergreifen kann, will man sich in Hannover zu diesem Punkt nicht äußern. Es sei eine natürliche Selektion des Wildtierbestandes und man gehe davon aus, dass die meisten erkrankten Wölfe in der wärmeren Jahreszeit überleben.

Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Stube aus Halle sieht  das etwas anders. Nach seiner Meinung sollten Natur-, Tierschutz-, Jagd- und Veterinärbehörden bei mit  Räude befallenen Wölfen, klare Entscheidungen treffen und sie nicht vor sich her schieben. So einfach sei eine Ausheilung nicht, gerade Welpen und schwache Tiere seien besonders gefährdet. Von Füchsen weiß der Wissenschaftler, dass sie sich elendig zu Tode quälen. In ethischer Verantwortung des Tierschutzes, sollten schwer erkrankte Tiere getötet werden, um auch eine weitere Ausbreitung der Seuche zu minimieren.

af

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