Lichtstarkes Leichtgewicht

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Mit der neuen Ultravid Fernglasserie schafft sich Leica eine starke Konkurrenz zur bestehenden Trinovid-Reihe. Die neuen Gläser sind leichter und sollen dazu noch eine verbesserte Optik haben.

Von Norbert Klups

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Das neue Ultravid 10×50 BR ist leichter und eleganter als die alten Trinovid-Gläser.

Leica stellt gleich eine ganz neue Fernglasreihe vor, die jeweils drei Modelle mit 42er und 50er Objektivdurchmesser umfassen. Als Vergrößerungen stehen bei den 42er Gläsern 7-, 8- und 10-fach zur Verfügung und bei den lichtstarken 50ern 8-, 10- und 12-fach. Für den Test wurde das licht- und vergrößerungsstarke 10×50 gewählt.

Magnesium und Titan

Ferngläser von Leica waren immer als _Schwergewichte_ bekannt, denn sie besaßen ein stabiles aber auch schweres Aluminiumdruckguss-Gehäuse. Um hier etwas zu ändern, war nur durch den Einsatz von leichteren Materialien für das Gehäuse möglich. Von Kunststoff hielten die Solmser Techniker nicht viel, und so griff man zu Magnesium und Titan. Das Fernglasgehäuse der Ultravid-Serie wird aus Magnesium gefertigt und die zentrale Gelenkachse aus Titan.

Das Ergebnis ist beeindruckend, man glaubt kaum, ein Leica-Glas in der Hand zu halten. Wog das alte 8×50 Trinovid noch 1.150 Gramm, so ist das neue 10×50 Ultravid um 140 Gramm leichter geworden. Das Gehäuse ist nach wie vor komplett gummiarmiert.

Am Design wurden einige Verbesserungen vorgenommen. An der Rückseite des Fernglases sind Vertiefungen für die Daumen eingearbeitet, die die korrekte Haltung fördern. Das Glas ist glatter und schlanker geworden; von der alten „Tönnchenform“ hat man sich hier erfolgreich abgewendet.

Auch die Ultravids sind wasserdicht bis fünf Meter und stickstoffgefüllt. Scharfstellung und Dioptrienausgleich sind im Mitteltrieb untergebracht. Der Dioptrienausgleich wird bei herausgezogenem Drehknopf einmal eingestellt und ist, sobald der Knopf eingedrückt wird, gespeichert.

Unbeabsichtigtes Verstellen ist so nicht möglich. Durch das Sichtfenster ist der eingestellte Plus- oder Minuswert jederzeit sichtbar.

Der Drehring für die Scharfstellung hat einen sehr kurzen Fokussierweg. Etwas mehr als eine Umdrehung reicht von der Naheinstellungsgrenze von 3,35 Meter bis unendlich. Auch bei kalten Außentemperaturen, beim Test war es zeitweise bis zu 12 Grad Minus, ließ sich die Scharfeinstellung leicht und weich bewegen.

Die Augenmuscheln des Ultravids wurden völlig neu gestaltet. Sie lassen sich jetzt in zwei unterschiedliche Raststufen ausziehen und so dem Augenabstand optimal anpassen. Zum Reinigen können die Augenmuscheln auch komplett entfernt werden. Die weich federnde Gummianlage bietet eine optimale Augenanlage.

Überarbeitete Optik

Die Trinovid-Serie war schon bekannt für ihre brillante Abbildungsqualität und die hohe Transmission. Das neue Ultravid macht hier aber nochmals einen Schritt nach vorn. Der direkte Vergleich mit einem 10×50 Trinovid unter Revierbedingungen zeigte, dass die Bildhelligkeit höher ist und auch der Kontrast noch gesteigert wurde. Möglich wird das durch das Leica HighLux-System. Eine neu gestaltete Spiegelschicht auf den Prismen erhöht den Lichtdurchlassgrad erheblich, während ein verbesserter optisch/mechanischer Aufbau das Streulicht deutlich reduziert.

Leica hat hier in den Fernglas-Körper gezielt Blenden zur Streulichtoptimierung eingebaut. Der Reflexionsgrad der neuen Spiegelschicht auf dem Prismensystem wird mit 99,5 Prozent angegeben. Hier dürfte jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Diese Verbesserungen werden wirklich sichtbar und sind nicht nur im Labor messbar.

Sinnvolles Zubehör

Die Ultravid BR Serie, das sind die gummiarmierten Modelle, wird in einer weich gepolsterten Cordura Tragtasche komplett mit Objektiv- und Okularschutzdeckeln und einem weichen konturförmigen Ledertrageriemen ausgeliefert. Besonders der Trageriemen ist wirklich praxistauglich und ermöglicht ein angenehmes Tragen des Fernglases, ohne einen steifen Nacken zu bekommen.

Neben der BR-Serie baut Leica das Ultravid auch noch in einer belederten Version als BNL-Serie. Diese, hauptsächlich für Birdwatcher gedachte Edel-Linie, wird in einer eleganten Lederbox und natürlich auch mit einem edlen Ledertrageriemen ausgeliefert.

Resümee

Die neue Ultravid-Serie dürfte das Ende der bisherigen Trinovids bedeuten. Die neuen Modelle können einfach alles besser. Sie sind leichter, genauso stabil, haben eine bessere Optik und auch ein ansprechenderes Design. Leica hat den High End-Bereich mit diesen Optiken noch ein kleines Stückchen höher gehoben. Das Ultravid 10×50 BR kostet 1.550 Euro. Nicht billig, aber dafür bekommt der Käufer auch ein sehr helles, kontrastreiches Nachtglas mit ungewöhnlich geringen Abmessungen und angenehmen Gewicht.Foto: Norbert Klups

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Scharfstellung und Dioptrien-Ausgleich sind im Mitteltrieb untergebracht.

 

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