Kahles Helia 2-10 x 50

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Das Programm großer Optikhersteller ist recht umfassend. 3 oder 4 Produktionslinien mit zig Modellen sind keine Seltenheit. Kahles wagt die Kehrtwende. Mit 30 Millimeter Mittelrohr gibt es nur noch 3 Modelle. Von Norbert Klups

(Fotos: Norbert Klups)

Eine Sortimentsstraffung bietet für den Hersteller logistische Vorteile und senkt die Produktionskosten. Ein Vorteil, der in Sachen Produktpreis an den Endkunden weitergegeben wird.

Mit den 3 Modellen werden alle jagdlichen Situationen sehr gut abgedeckt. Das 1-5 x 24 i ist der Drückjagdspezialist und spielt mit 42 Meter Sehfeld in der Premiumklasse! Das 2-10 x 50 versteht sich als Allround-Zielfernrohr, und mit dem 2,4-12 x 56 steht ein lichtstarkes Dämmerungszielfernrohr zur Verfügung, das auch weitere Schüsse erlaubt.

Alle Gläser besitzen ein beleuchtetes Tag-/Nacht-Absehen. Optional gibt es auch eine Absehenschnellverstellung. Optisch ist unser Testglas 2-10 x 50 sehr ansprechend und vermittelt einen klassischen Eindruck. Keine „Aufbauten“ auf dem Okular oder gummierte Drucktasten, wie sie heute häufig zu finden sind. Neben der Höhen- und Seitenverstellung befindet sich nur noch die Leuchteinheit links am Mittelrohr.

Der Zoomring ist aus Aluminium und grob geriffelt. Ebenso die Abdeckkappen der Türme. Gummi findet sich lediglich als Polsterung hinten am Okular. Das Sehfeld von 21 Meter auf 100 Meter bei kleinster Vergrößerung bietet einen sehr guten Überblick. Das ist wichtig, wenn auf Kurzdistanzen geschossen wird, etwa an einer Kirrung oder bei Bewegungsjagden.

Mit diesem Sehfeld ist das Kahles sicher kein optimales Drückjagdzielfernrohr, aber für Ansitzdrückjagden, bei denen das Wild mitunter langsam am Stand vorbeizieht, sehr gut einsetzbar. Die Maximalvergrößerung von 10-fach erlaubt auch weite Schüsse. Das wird unterstützt durch die Anordnung des Absehens in der 2. Bildebene. Beim Hochzoomen verändert das Absehen seine Stärke nicht und bleibt auch bei 10-fach sehr fein.

Kompaktes Ding

Links am Turm befindet sich die Leuchteinheit, die eine Abschaltautomatik besitzt

Kahles ist bei der neuen Helia-Serie eine kompakte Bauweise gelungen. Das Glas hat eine Gesamtlänge von geringen 341 Millimeter und wiegt dabei 585 Gramm. Das ist für ein 50er Zielfernrohr beeindruckend leicht.

Der Rohrkörper mit 30 Millimeter Mittelrohrdurchmesser wird aus einem Stück Aluminium gedreht und ist auch härtesten Belastungen gewachsen. Mit 95 Millimeter ist der Augenabstand ausreichend groß, um auch bei starken Kalibern einen beruhigenden Sicherheitsabstand zu haben.

Die Helia Zieloptiken werden wahlweise mit Schiene angeboten. Kahles verwendet die Swarovski-Rail. Wie heute üblich, ist das Glas wasserdicht. Eine Stickstofffüllung verhindert zudem den Innenbeschlag. Die Absehenverstellung des zentrierten Absehens ist mit einer Klickrastung ausgestattet, die pro Klick die Treffpunktlage auf 100 Meter um 1 Zentimeter verändert. Der Gesamtverstellweg in Höhe und Seite beträgt jeweils 1,6 Meter. Der Dioptrienausgleich ist am Ende des Okulars und reicht von +2 bis -3,5.

Der rote Punkt des Absehens 4-Dot ist fein dimmbar und überstrahlt auch bei schlechten Lichtverhältnissen nicht. Auf höchster Stufe ist er selbst bei hellem Sonnenlicht gut sichtbar. Der Punkt ist rund und scharf abgegrenzt. Bei ausgeschaltetem Leuchtabsehen ist der schwarze Punkt im Fadenkreuz kaum sichtbar.

Kahles steuert das Leuchtabsehen über einen Drehknopf an der linken Gehäuseseite, der deutlich fühlbar und leider auch hörbar einrastet. Die neue Helia-Baureihe ist mit dem Kahles Automatic-Light-System ausgestattet, das das Leuchtabsehen über einen Neigungssensor automatisch abschaltet, wenn die Büchse sich nicht in Schussposition befindet.

Wird die Waffe angeschlagen, ist der Leuchtpunkt sofort wieder da. Das geht so schnell, dass der Jäger es in der Praxis nicht bemerkt.

Labor und Revier

Bevor das Testglas montiert wurde, kam es zunächst ins Labor. Die Tagtransmission lag bei 91,2 Prozent, die bei Nacht wurde mit 90 Prozent gemessen. Das ist ordentlich! Auch beim Thema Auflösungsvermögen sowie Streulicht hat Kahles ein recht ausgewogenes Optikpaket zusammengestellt.

Die Verstelleinrichtung des Helia arbeitet sehr präzise, so dass die Büchse mit wenigen Schüssen eingeschossen war. Beim Nachtansitz überzeugte das Kahles mit hellem Bild, sehr gutem Kontrast sowie beeindruckender Randschärfe. Das Leuchtabsehen lässt sich so einstellen, dass der rote Punkt gerade noch zu erkennen ist.

Der Wechsel von 2- auf 10-fach benötigt eine halbe Umdrehung

Der Verstellring für die Vergrößerung braucht von 2-fach bis 10-fach nur eine halbe Umdrehung. Der grob geriffelte Verstellring ließ sich auch bei kalten Temperaturen mit Handschuhen gut bedienen. Besonders das große Sehfeld ist in der Praxis sehr komfortabel.

Resümee

Mit der neuen Helia Zielfernrohrserie ist es Kahles gelungen, Optiken ohne überflüssigen Schnickschnack, dafür aber mit einer sehr guten Qualität herzustellen. Die Österreicher haben sich auf das Wesentliche konzentriert, und das zeigt sich auch beim Preis.

Mit 1.600 Euro steht das 50er Helia vom Preis-/Leistungsverhältnis her sehr gut da. Härtester Konkurrent dürfte das Zeiss V6 2-12 x 50 sein, das mit 1.595 Euro im gleichen Preisbereich liegt, jedoch 6-fach-Zoom besitzt. Dafür ist es mit 655 Gramm aber auch schwerer.

Vorteile

+ kompakte Bauweise

+ geringes Gewicht

+ großes Sehfeld

+ großer Augenabstand

+ automatische Abschaltung des Leuchtabsehens über Neigungssensor

+ gute Transmissionswerte

+ top Preis-/Leistungsverhältnis

Nachteil

– Schalter für Leuchtabsehen nicht geräuschlos

Technik auf einen Blick

Modell: Kahles Helia 2-10 x 50 i
Sehfeld: (m/100m) 21 – 4,1 m
Augenabstand: 95 mm
Dioptrienausgleich (dpt): +2/-3,5
Treffpunktkorrektur: 10 mm/100 m
Mittelrohrdurchmesser: 30 mm
Länge: 341 mm
Gewicht: 585 g
Garantie: 11 Jahre
Leuchtabsehen: ja
Preis (UVP): 1.600 Euro

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