Rabenvögel

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Rabenvögel gehören zu den Singvögeln. Nur der Kolkrabe ist nach dem BJG eine jagdbare Art. Raben- und Nebelkrähe, Elster und Eichelhäher haben einige Bundesländer dem Jagdrecht unterstellt.

Von Hans Joachim Steinbach

Rabenkrähe
Intelligenter Räuber, der sich nicht nur von Aas ernährt: die Rabenkrähe.

Die Rabenvögel zählen zu den häufigsten Vogelarten in Deutschland, sie sind sehr anpassungsfähig und haben sich so enorm vermehrt. Durch die Jagd werden die häufigsten Arten Rabenkrähe, Nebelkrähe, Elster und Eichelhäher in ihrer Besatzentwicklung reguliert, andere Arten wie Kolkrabe, Saatkrähe, Tannenhäher, Dohle, Alpenkrähe und Alpendohle sind geschützt.

Rabenvögel nutzen zunehmend die Kulturlandschaft und besiedeln dabei auch städtische Lebensräume wie Siedlungen, Parkanlagen, Kleingärten und Friedhöfe. So kommen Brutkolonien von Saatkrähen und Dohlen in Städten und Dörfern vor, Elstern nisten in Parkanlagen und Kleingärten. Aaskrähen nisten sowohl in Siedlungen als auch in siedlungsnahen Räumen. Auch der Eichelhäher meidet menschliche Lebensräume nicht grundsätzlich.

Nur Tannenhäher, Alpenkrähe und -dohle sind an den speziellen Lebensraum Hochgebirge gebunden, kommen dort aber auch in der Nähe von Menschen vor. Der Kolkrabe nimmt regional sehr stark zu und hält sich zur Nahrungssuche auch in der Nähe von Viehherden auf.

Beide Geschlechter sind gleich gefärbt und weisen keine Größenunterschiede auf. Die Vögel leben in Einehe. Rabenvögel sind Allesfresser, die sich sowohl von Früchten, Samen, Getreidekörnern als auch von Insekten, Vogeleiern, Nestlingen, Kleinnagern und jungem Haarwild ernähren. Aas und Nahrungsabfälle auf Schutt- und Müllhalden werden ebenso genutzt. Besonders Aaskrähe und Elster treten bei der Nahrungssuche als Nestplünderer von Niederwildarten und Kleinvögeln räuberisch in Aktion. Zudem stören sie den Brutbetrieb seltener Bodenbrüter wie Großtrappe, Birkhuhn, Brachvogel, Kiebitz und vieler Limikolen. Das führt zu Problemen im Artenschutz.

Nachdem die EU im Juni 1994 die Rabenvögel wieder in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen hat, hat seitdem die Mehrheit der deutschen Bundesländer für Rabenkrähen und Elstern eine Jagdzeit festgelegt: (siehe Jagd- und Schonzeiten Seite 46).

Kolkrabe

Der Kolkrabe ist unser größter Singvogel. Er hat seine Hauptverbreitung im Nordosten Deutschlands und ist in Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg regional sehr häufig. Sein Lebensraum reicht vom Hochgebirge bis in das Tiefland hinein. Er lebt dort sowohl im Wald als auch in Gemengelagen mit Feldgehölzen. Als jagdbare Art genießt er in der Bundesrepublik überall ganzjährige Schonzeit.

Raben- und Nebelkrähe

Raben- und Nebelkrähe sind zwei Unterarten der Art Aaskrähe. Die Verbreitungsgebiete treffen sich etwa am Verlauf der Elbe, wobei die Nebelkrähe östlich davon vorkommt. Dort überschneiden sich die Vorkommen beider Unterarten, und es kommt dabei zu Kreuzungen, die farblich unterschiedlich zwischen Rabenkrähe und Nebelkrähe gekennzeichnet sind. Beide Unterarten sind Vertreter der offenen Kulturlandschaft, nisten und brüten auf hohen Einzelbäumen.

Nebelkrähen treten bei uns auch gehäuft im Winter als Strich- und Zugvögel auf, während Rabenkrähen Standvögel sind. Außerhalb der Brutzeit leben beide Formen auch gesellig in kleinen Trupps. Diese sogenannten Junggesellen-Trupps können auch zu größeren Flügen anwachsen. Die Aaskrähen legen im März/April zwei bis sieben Eier und brüten 19 bis 20 Tage (nur das Weibchen brütet). Die Nestlingszeit beträgt bis zum Flügge werden etwa 30 Tage.

Saatkrähe

Die Saatkrähe ist bei uns ein relativ seltener Koloniebrüter und deshalb eine geschützte Art. In Polen und im Baltikum ist die Art noch recht häufig. Riesige Schwärme aus Osteuropa sind bei uns Wintergäste.

Von der Rabenkrähe kann man sie gut durch den hellen Schnabelgrund und die ebenfalls unbefiederte Kehle sowie die struppige Unterschenkelbefiederung unterscheiden.

Elster

Die Elster ist der häufigste Rabenvogel, der hauptsächlich im Tiefland, vorwiegend auch in Siedlungen verbreitet ist. Der schön gefärbte Vogel ist deutlich über 40 Zentimeter lang, wobei die Hälfte auf den auffallenden, im Flug wippenden Stoß fällt.

Elstern sind Standvögel und leben im Winter auch gesellig in großen Trupps.

Eichel- und Tannenhäher

Weit verbreiteter Rabenvogel in unseren Wäldern und Feldgehölzen ist der Eichelhäher. Dagegen ist der Tannenhäher bei uns der seltenste Vertreter der Rabenvögel. Eichelhäher sind Standvögel, aber den Winter verbringen bei uns zahlreiche Vögel aus Nord- und Osteuropa. Der Eichelhäher pflanzt zahlreiche Waldbäume durch die Anlage von Nahrungsdepots mit Eicheln und Bucheckern (Hähersaat). Deshalb gilt er als nützlich und wird fast überall von der Jagd ausgenommen, obwohl er auch Nesträuber ist.

Der Tannenhäher kommt bei uns überwiegend in den Gebirgswäldern vor. In manchen Jahren überwintern bei uns Invasionsvögel aus Sibirien. Diese östliche Rasse der Tannenhäher unterscheidet sich von der westlichen durch den dünneren Schnabel.

Dohle

Die Dohle ist der kleinste Rabenvogel. Sie ist häufig Koloniebrüter, oft in Siedlungen auf hohen Gebäuden, Türmen und Kaminen.

Ihre Verbreitung ist bei uns rückläufig. Außerhalb der Brutzeit kommt es zur Vergesellschaftung mit Saat- oder Rabenkrähen-schwärmen.

Alpenkrähe und –dohle

Bei uns Vögel in den Alpen. Während die Alpendohle dort häufig ist, kommt die Alpenkrähe vorwiegend in Südeuropa und an den Westküsten von Irland und England vor.Foto: M. Danegger, , A. Klees, W. Rühmann

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Eichelhäher
Eichelhäher deponieren Eicheln und „pflanzen“ Wälder.
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Saatkrähe Dohle Tannenhäher

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