Studie: Wildkatzen im Norden Deutschlands

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Im Frühjahr vergangenen Jahres wurden neun Wildkatzen im Magdeburger Umland (Sachsen-Anhalt) mit GPS-Halsbändern versehen, um mehr über ihre Streifgebiete zu erfahren. Fast in Jahr später, gibt es jetzt erste belastbare Ergebnisse.

„Wildkatzen im Norddeutschen Tiefland“ heißt die Telemetrie-Studie der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Biologe Malte Götz veröffentlichte die neusten Erkenntnisse. Fünf Kätzinnen und vier Kuder konnten im Zuge der Studie besendert in der Colbitz-Letzlinger Heide und in den Elbauen bei Dessau freigelassen werden. Alle zweieinhalb Stunden werde der Standort der Wildkatzen gespeichert. So hätten laut Götz bislang gut 20.700 Lokalisationen festgehalten werden können.

IN DER HEIDE

Wildkatzen in freier Wildbahn haben eine Lebenserwartung von etwa zehn Jahren.
(Symbolbild: Shutterstock)

Das Untersuchungsgebiet besteht aus diversen Wald- und Offenland-Lebensräumen. In diesen bewegten sich die Wildkatzen arttypisch: Die Weibchen in kleineren, die Männchen in größeren Aktionsräumen. Dennoch war der Biologe von der erstaunlich hohen Agilität der Kater in der Heide überrascht. In seinem Bericht auf deutschewildtierstiftung.de, bezeichnet er sie als „wahre Langstreckenläufer mit extrem großen Territorien“.

Kätzin F1 bekam in der Colbitz-Letzlinger Heide Nachwuchs. (Symbolbild: Shutterstock)

Besonders aktiv war Kuder M2. Seien die Aufenthaltsgebiete normalerweise zwischen 1.500 und 3.000 Hektar groß, bewegte sich M2 auf einer Fläche von ganzen 14.000 Hektar. Seine zeitweise Gefährtin F1 nutze, mit über 2.000 Hektar, ein für weibliche Wildkatzen ebenfalls überdurchschnittlich großes Streifgebiet, so Götz. Sie war viel auf offener Heidefläche unterwegs, wo sie im Beobachtungszeitraum auch Junge bekam. Über das Nahrungsangebot auf der offenen Fläche sei noch sehr wenig bekannt. Vertiefende Lebensraumanalysen sollen hier Licht ins Dunkle bringen.

Auch Kuder M9 bewohnte mit 6.300 Hektar einen großen Aktionsraum. Von ihm gibt es auch Signale von der anderen Seite der Autobahn A14. Nun soll noch exakt festgestellt werden, wo M9 die Fahrbahn kreuzte und ob er das Angebot der neu gebauten Wildbrücke in Anspruch nahm.

AN DER ELBE

Bei den im Untersuchungsgebiet Mittelelbe lebenden Wildkatzen handelt es sich um Kreuzungen. Malte Götz schreibt dazu: „Die Hybridisierung von Haus- und Wildkatzen stellt eine Gefährdung für Wildkatzen dar und sollte besonders überall dort beobachtet werden, wo Lebensräume nur stark begrenzt zur Verfügung stehen.“

Die Vermutung, dass die Elbe-Katzen den Fluss überqueren und auch die andere Uferseite nutzen würden, bestätigte sich nicht. Jedoch hielten sie sich gerade nachts häufig sehr nahe der Elbe auf. Wie Götz schlussfolgert, sei das ans Ufer anschließende Grünland ein „ergiebiges Jagdhabitat mit zahlreichen Wühlmäusen“.

ZUKUNFT DES PROJEKTS

„Gerade versuchen wir, unsere ‚Datenlieferanten‘ erneut zu fangen, um ihnen die Sender abzunehmen“, erläuterte Götz. Sei dies nicht möglich, würden Sollbruchstellen die Wildkatzen von ihren Halsbändern befreien. Man mache sich ebenfalls über eine vertiefende Analyse der vorhandenen Daten, um weitere Rückschlüsse, gerade auch in Bezug auf die Habitatwahl, ziehen zu können. Darüber hinaus sei aber auch eine weitere Datenerfassung geplant: Speziell auf an der Verbreitungsgrenze geborene Jungkatzen soll dabei das Hauptaugenmerk liegen.

jz

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