Sauer das Modell 202 Euro: Besser abgespeckt

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Fast unbemerkt hat Sauer das Modell 202 Euro auf den Markt gebracht. Erfreulich, dass die neue Ausführung preiswerter wurde als die Standardversion

Von Roland Zeitler

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Sauer 202 Euro
Die Details: Einfacher Laufwechsel, abschraubbarer, backenloser Hinterschaft, Kammerstengel mit griffiger Kugel, Rechteckkimme, höhenverstellbares Balkenkorn, Kombiabzug und vieles mehr…

Sie ist mittlerweile schon ein Klassiker, die Sauer 202 – leider in der Standard-Ausführung aber auch schon jenseits der 3000 Mark. Das neue Modell 202 Euro kostet jetzt aber nur noch 2765 Mark, also ganze 512 Mark weniger.

Man kann die Sauer 202 Euro als moderne Take-Down-Büchse bezeichnen, wenngleich sich ein Take-Down-Repetierer eigentlich in zwei etwa gleichlange Teile zerlegen lässt. Und das sind normalerweise Lauf mit Vorderschaft und Hinterschaft mit System.

Die Büchse aus Eckernförde lässt sich durch Abschrauben des Hinterschaftes verkürzen. Mit einem Schlüssel, der durch ein Loch in der Schaftkappe eingeführt wird, ist das schnell bewältigt. Der Hinterschaft misst 37,5 und das System mit Lauf 76 Zentimeter. Damit erhält man eine bewährte Transportverkürzung, ohne Bedenken wegen einer Treffpunktverlagerung haben zu müssen.

Aber die 202 erlaubt noch eine weitergehende Zerlegung. Nach Abschrauben des Vorderschaftes kann man die Klemmschraubenverbindung mit drei Inbusschrauben lösen und den Lauf aus dem Hülsenkopf ziehen. Ein Einsatzstück sorgt dafür, dass der Lauf stets in der richtigen Lage sitzt. Die Laufentnahme dient weniger einer Transportverkürzung als vielmehr dem Lauf- und Kaliberwechsel.

Wegen verschiedener Patronenbodendurchmesser ist ein Lauf- und Kaliberwechsel grundsätzlich nur innerhalb einer Kalibergruppe möglich, also Standard- oder Magnumkaliber. Denn die Magnumkaliber erfordern auch eine stärkere Hülse, die rund 500 Gramm mehr wiegt (Stahlausführung).

Wie Tests gezeigt haben, bleibt die Treffpunktlage im normalen jagdlichen Rahmen gleich. Bei zahlreichen Versuchen verschob sich ab und zu mal die Treffpunktlage um wenige Zentimeter. Deshalb: Nach Aus- und -einbau des Laufes stets einen Probeschuss abgeben und eventuell erforderliche Korrekturen mittels Absehenverstellung vornehmen.

Gerader Schaftrücken

Die Sauer 202 Euro wurde bewusst in einem preiswerteren Rahmen gehalten. Allerdings ohne Abstriche hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit machen zu müssen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Kleinigkeiten erhöhen gar die Praxistauglichkeit gegenüber dem Standardmodell.

Der Hinterschaft in Monte Carlo Form ist backenlos und damit sowohl für Links- als auch Rechtsschützen verwendbar. Der bis zum leichten „Abfall“ nach hinten gerade Schaftrücken trägt zum angenehmen Schussverhalten bei. Die Waffe zeigte im Schuss kaum Hochschlag.

Der Hinterschaft schließt nach schwarzer Zwischenlage mit einer starken, leider offenen, ventilierten Gummischaftkappe ab – ein Schmutzfänger erster Güte. Dank des wohlgeformten Pistolengriffs ergibt sich eine gute Handlage mit festem Griff. Er weist à la Wundhammer rechts eine leichte Aufbauchung auf, so dass der Handhohlraum gut gefüllt wird. Leider bleibt dieser Vorteil dem Linksschützen vorenthalten. Doch als Linksschütze kam ich damit auch gut zurecht, zumal der Griff dort nicht anders ist als bei vielen anderen Büchsen.

Der Vorderschaft verjüngt sich leicht nach vorn und schließt mit einer Tropfnase ab. Er ist äußerst griffig. Vorderschaft und Pistolengriff tragen eine sauber geschnittene Fischhaut. Vorn am Schaftabschluss (25 Zentimeter vor der Mündung) und im Hinterschaft sitzen mittels Druckknopfverschluss herausnehmbare Riemenbügel. Sie werden durch Kugeln in einer Buchse arretiert und sitzen dort fest. Allerdings sollten die Kugellager stets etwas Öl erhalten, damit sie die Funktion dauerhaft behalten. Ich habe meine seit fast zwei Jahrzehnten in Gebrauch und noch nie Probleme gehabt.

Stahlharter Profi

Das Gehäuse mit Hülse besteht bei der Euro aus Stahl. Die gut geschlossene Hülse schützt gegen Eindringen von Schmutz und Nässe nahezu perfekt. Sie ist außerdem sehr verwindungssteif. Das System ist mit einem Einsteckmagazin mit Kunststoffboden für drei Patronen ausgestattet. Es kann selbst mit Handschuhen mittels Druckknopf leicht entriegelt werden.

Der justierbare, sehr trocken stehende Kombiabzug bricht ungestochen bei etwa 1,5 Kilogramm und eingestochen bei rund 200 Gramm Abzugsgewicht. Ausreichend groß fällt der Abzugsbügel aus, er lässt auch ein Schießen mit dicken Handschuhen zu. Einer Gewöhnung bedarf die auf die Abzugsstange wirkende Druckknopfsicherung. Zum Entsichern wird der Bolzen vor dem Abzug mit dem Abzugsfinger nach oben geschoben.

Gesichert wird über den auf der Hülsenschwanzscheibe sitzenden Bolzen. Das funktioniert nach einer Eingewöhnungsphase im Anschlag sehr schnell, vor allem aber absolut geräuschlos. Im gespannten Zustand tritt aus dem Schlösschen eine gut sicht- und fühlbare Signalschiene heraus.

Die Kammer verriegelt mit insgesamt sechs, in zwei Reihen angeordneten Warzen direkt im Lauf. Der Stoßboden wurde im Kammerkopf zurückversetzt, so dass das Hülsenende von einem Bund umgeben ist. Sehr zuverlässig und problemlos arbeiteten auch der seitliche, kleine Auszieher und der Auswerferstift im Stoßboden.

Der Verschluss lief äußerst geschmeidig, spiel- und verkantungsfrei. Dazu trägt sowohl die geschlossene Hülse bei als auch die Tatsache, dass die Warzen über den Kammerkörper nicht hinausschauen. Gasentlastungsbohrungen in Hülsenkopf und Kammer sorgen für Schützensicherheit.

Griffig dank der Kugel

Eine der auffallendsten Änderungen an dem Euro-Repetierer vollzog sich beim Kammerstängel. Der geschwungene, eng anliegende Kammerstängel Modell „Schuhlöffel“ musste einer brauchbareren Ausführung weichen. Jetzt ist er praxisgerecht nach hinten abgewinkelt, steht sehr weit vom Schaft ab und mündet in eine griffige Kugel.

Und selbst mit dicken Handschuhen ist er jetzt bestens zu greifen. Zusammen mit dem weichen, verkantungsfreien Schlossgang ist sehr schnelles Repetieren möglich. Dazu trägt auch die gradlinige, verkantungsfreie Patronenzufuhr bei.

Der Lauf wurde praxisgerecht um vier Zentimeter verkürzt. Er misst nun 56 Zentimeter und ist mit einer offenen Visierung ausgestattet, die im Gegensatz zu vielen anderen Testwaffen sogar recht gut eingeschossen wurde.

Es handelt sich um ein Visier mit Rechteckkimmen-Ausschnitt und Balkenkorn für den Präzisionsschuss. Das Korn ist federbelastet und höhenverstellbar. Eine Buntmetallhinterlegung fehlt. Die mittels Schraube gesicherte Kimme kann im Schwalbenschwanz seitlich justiert werden.

Auf das teure Hochglanzfinish der Metallteile verzichtete man zugunsten des Preises. Wie ich meine, ist ein mattes, reflexfreies Finish auch praxisgerechter. An ein grob sandgestrahltes, mehr rauhes Finish traute sich Sauer aber wiederum auch nicht heran. So fiel das Finish fein samtmatt aus. Die Oberfläche ist ausgezeichnet tiefschwarz brüniert.

Wie das Führen der Waffe bei schlechtem Wetter zeigte, ist die Oberfläche auch sehr korrosionsbeständig. Auf etwas Öl sollte man aber trotzdem nicht verzichten. Tadelloses Finish und praktisch unbegrenzte Lebensdauer sind dann der Dank dafür.

Exzellentes Schussbild

Auf der Euro wurde mittels Leupold-QR-Montage ein Zielfernrohr Habicht AV 3-12×50 von Swarovski montiert. Die 3,34 Kilogramm schwere und 107,5 Zentimeter lange Büchse ist sicherlich kein Leichtgewicht. Sie ließ sich aber problemlos führen, und beim Schießen machte sich das Gewicht wiederum positiv bemerkbar.

Mit verschiedenen Patronensorten wurden auf 100 Meter Fünfer-Gruppen geschossen. Aus kaltem Lauf lag die Bestmarke bei 2,7 Zentimetern (RWS 10,7 g DK), und aus warmem Lauf waren es gerade mal 30 Millimeter.

Auf den weiteren Plätzen folgten Hornady 11,7 g BTSP mit 31, Federal 11,7 g Hi-Shok mit 32 und RWS 11,7 g TUG mit 34 Millimetern. Nur die 10,7 g PSP Corelokt von Remington landete mit 48 Millimetern abgeschlagen auf dem fünften Platz – ein immerhin auch noch akzeptables Schussbild.

Ein weiterer Vorteil der 202: Da das System den Vorderschaft trägt, ist mit Problemen wie Schaftverzug oder Treffpunktverlagerung bei Witterungseinflüssen nicht zu rechnen. Die Handhabung gab keinerlei Anlass zur Kritik. Die Waffe war ausgezeichnet verarbeitet. Der aus sehr schön gemasertem Nussbaum bestehende Schaft wurde sehr glatt geschliffen und bestens geölt.

Die Passungen sind perfekt, und die Arbeiten an den Metallteilen liegen weit über heute üblichem Standard. Für rund 2750 Mark bekommt der Jäger wirklich sehr viel Waffe, dazu noch in einer sehr praxisgerechten Ausführung.Foto: Roland Zeitler

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