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Sauer-Power: Repetierer S92

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Der neue Sauer-Repetierer S92 wurde auf der IWA Mitte März präsentiert: ein gebrauchs-tüchtiger Repetierer der gehobenen Klasse.

Von Roland Zeitler

Sauer-Repetierer S92
Auf der IWA 2003 vorgestellt: Sauer S92 „Elegance“

Bei der Sauer 90 passt der „klobige“ Schaft nicht ganz zum schlanken, eleganten System: Ein graziöser Repetierer ist es auf keinen Fall. Der Halbschaft der Sauer 90 ist mehr eckig und kantig mit einem Hinterschaft, bei dem die Schäfter wohl nicht ganz wussten, was sie wollten: Monte Carlo Form oder Schweinsrücken? Irgend etwas dazwischen ist es schließlich geworden. Da wurde es wirklich Zeit, die Sauer 90 zu „renovieren“. Und das hat Sauer mit der neuen S92 gemacht.

Die Testwaffe war eine S92 „Elegance“ im Kaliber .30-06 Springfield: mit ihrem Preis von 2630 Euro sicherlich ein Serienrepetierer der gehobenen Klasse.

Wer jetzt aber glaubt, einen Repetierer der „Custommade-Klasse“ zu erhalten, hat sich getäuscht. Zwar ist das Finish hochwertig, seine größtenteils maschinelle Fertigung kann der Repetierer aber nicht verleugnen. So klafft zwischen Laufunterseite und Schaftende ein großes Loch. Die übrigen Metall-/Holzpassungen sind zwar gut, aber keinesfalls perfekt ausgeführt. Trotzdem liegt die Qualität der Waffe sowie deren Finish weit über dem Standard von Serienwaffen.

Graziöser Schaft

Der neue Schaft ist schlank und elegant. Im Vorderschaftbereich verjüngt er sich deutlich und schließt mit schöner Tropfnase ab. Trotz des verjüngten Schaftverlaufs lässt sich der Vorderschaft sehr sicher und fest greifen. Mit seiner nur geringfügig gerundeten Unterseite liegt er gut und rutschsicher in der Hand.

Der ebenfalls schlanke Hinterschaft weist einen deutlichen Schweinsrücken auf. Er schließt nach schwarzer Zwischenlage mit einer offen ventilierten Gummischaftkappe ab. Nachteil: In den Öffnungen sammelt sich schnell Schmutz. Der Hinterschaft weist eine starke Bayerische Backe mit Falz auf. Sie beginnt bereits am Pistolengriff mit deutlichem Schwung. Allerdings fragt man sich, wie eine Bayerische Backe zu der von Sauer als „italienisch“ bezeichneten Schäftung passt?

Der Pistolengriff fällt sehr steil aus. Rechts weist er eine starke Aufbauchung auf, die den Handhohlraum perfekt füllt. Er schließt mit sehr sauber aufgebrachtem Rosenholzkäppchen mit Monogrammplatte ab. Die mittelfeine, nicht zu scharfe Fischhaut wurde hervorragend in geschwungenen Formen an Vorderschaft und Pistolengriff geschnitten.

Die Waffe ist mit einem drei Patronen fassenden Steckmagazin ausgestattet. Es schließt mit dem Schaft bündig ab. Der Entriegelungsknopf liegt vor dem Abzugsbügel in der Aluminiumbodenplatte versenkt. Drückt man die gut erreichbare Entriegelungstaste, dann springt das Magazin unter beidseitigem Federdruck etwas heraus. Man kann es dann zum Entnehmen gut greifen. Aber: Ein Magazinwechsel funktioniert keinesfalls geräuscharm. Man vernimmt beim Einschieben und Einrasten deutliche Geräusche. Die Magazinwände sind sandgestrahlt und matt. Man verzichtete hier auf die frühere glatte Politur, die heute nur noch auf dem Magazinbodenblech zu finden ist.

Der Abzugsbügel lässt gerade noch genug Platz, um mit nicht zu dicken Handschuhen schießen zu können. Das längsgeriffelte, sehr breite Abzugszüngel ist vergoldet.

In den Hülsenkopf wurde ein 60 Zentimeter langer, birnenförmiger, kaltgehämmerter Jagdlauf geschraubt. Er verläuft nach dem Hülsenkopf zunächst formschön drei Zentimeter zylindrisch, ehe er sich zur 15,5 Millimeter starken Mündung hin verjüngt.

Die offene Visierung sitzt auf Sätteln. Gut: Die nach hinten geneigte Kimme mit Rechteckausschnitt kann im Schwalbenschwanz seitlich verschoben werden. Eine Schraube beugt einer Dejustierung vor. Das buntmetallhinterlegte Rechteckkorn lässt sich in der Höhe verstellen.

Exzellenter Schlossgang

Bei der Sauer S92 wurde das 90er System verwendet: mit formschöner, wohlgerundeter Hülse ohne Ecken oder Kanten. Die Form zeigt Erhebungen auf Hülsenkopf und –brücke. Darin sind Bohrungen für eine Zielfernrohrmontage. Das Auswurffenster ist schmal: insgesamt eine feste und sehr verwindungssteife Stahlhülse. Die Kammer weist durchgängig einen hervorragend ausgeführten Sonnenschliff auf.

Verriegelt wird in der Hülsenbrücke mit sogenannten Stützklappen. Diese liegen beim Öffnen der Kammer bündig in der Kammer. Dadurch ergibt sich der extrem weiche Schlossgang. Die Kammer läuft fast spielfrei in der Hülse. Zusätzliche Führung gibt es durch eine Ausfräsung für den Abzugsstollen sowie zwei planen Anfräsungen auf der Kammerunterseite.

Der Abzugsstollen dient gleichzeitig als Kammerstopper. Die Kammer kann praktisch nicht verkanten, und das ergibt einen exzellenten Schlossgang. Dank geradliniger Patronenzuführung können auch hierbei keine Störungen auftreten.

Der Stoßboden wurde zurückversetzt, so dass das Patronenende von einem Stahlbund umgeben ist. Im Bund sitzt ein kräftiger Auszieher und im Stoßboden der stark federbelastete Auswerferstift. Beim Verriegeln fahren die drei Stützklappen aus der Kammer und verriegeln in der Hülsenbrücke. Dank der drei Stützklappen beträgt der Öffnungswinkel nur geringe 65 Grad.

Das Schlösschen ist ein runder Fortsatz der Kammer. Es ist geschlossen und schützt perfekt vor dem Eindringen von Schmutz oder Nässe. Im gespannten Zustand tritt unten eine gut fühlbare Signalschiene mit rotem Punkt aus. Ob sich eine Patrone in der Kammer befindet, kann man an einem hellen Signalstift am Hülsenkopf sehen und fühlen.

Die Schiebesicherung liegt griffgünstig auf der „Scheibe“ (Schafthalsansatz) und ist mit einem Arretierknopf versehen. Sie lässt sich bequem und geräuschlos bedienen. Mit Handschuhen kann man den Arretierknopf aber nicht gut bedienen. Die Sicherung wirkt auf Abzug sowie Abzugsstollen und blockiert die Kammer.

Zum gefahrlosen Entladen im gesicherten Zustand kann man einen Knopf auf dem Kammerstängelansatz drücken, um die Kammersperre aufzuheben. Das funktioniert einfach mit einer Hand, so dass mit der zweiten Hand die Waffe gehalten und die Patrone aufgefangen werden kann.

Der Kammerstängel ist elegant geschwungen. Das Ende steht aber weit genug vom Schaft ab, so dass sich der Kammerstängel auch mit Handschuhen gut und sicher greifen lässt.

Als Abzug wählt man einen Kombiabzug mit von außen justierbarem Rückstecher. Er steht trocken und bricht bei zu hohen 2000 Gramm (20 N) Widerstand. Eingestochen waren es 200 Gramm (2 N): ein Abzug, der mit Stecher geschossen werden will, denn als Direktabzug hat er einen um 800 bis 1000 Gramm zu hohen Abzugswiderstand.

Die Waffe war sehr gut verarbeitet. Der Nussbaumschaft mit guter Längsmaserung wurde sehr glatt geschliffen und geölt: ein durchaus hochwertiges Finish. Die Metallteile wurden bis auf die helle, mit Sonnenschliff versehene Kammer perfekt poliert und tiefschwarz brüniert. Das Metallfinish ist außergewöhnlich hochwertig: eine erstklassige Arbeit.

Der Lauf liegt bei seitlich enger Passung im Vorderschaft frei. Auf eine besondere Systembettung hat man verzichtet. Lediglich das hintere Systemende liegt auf einem Kunststoffeinsatz im Schaft auf. Schade, dass der vordere, nicht abnehmbare Riemenbügel im Vorderschaft sitzt und nicht am Lauf.

Auf der Waffe wurde mittels EAW-Schwenkmontage ein Swarovski-Zielfernrohr PV 3-12×56 montiert. Beides bewährte sich in der Praxis bestens. Die spannungsfreie Montage ist sehr schnell und einfach handhabbar. Sie gewährleistete nach Ab- und Aufsetzen des Zielfernrohrs eine gleichbleibende Treffpunktlage: eine sehr robuste Montage von hoher Qualität.

Resümee

Die Sauer S92 erhielt gegenüber der Sauer 90 ein neues Outfit: viel eleganter und schlanker. Man erhält für sein Geld einen gut aussehenden Repetierer, der sich in der Praxis als noch führig erwies. Er ist aber mit 113,5 Zentimetern Länge und 3,6 Kilogramm Gewicht weder ausgesprochen zierlich noch ein Leichtgewicht.

Dafür schießt er sich angenehm. Persönlich mag ich steile Pistolengriffe nicht, denn an Jagdwaffen bringen sie keinerlei Vorteile. Ein langgezogener Pistolengriff nach englischem Vorbild würde sich hier bestimmt „gut machen“. Der Stützklappenverschluss bewirkt einen weichen, sanft gleitenden Schlossgang, der seinesgleichen sucht.

Allerdings ist auch bei verwindungssteifer Hülse und Kammer eine Verriegelung in der Hülsenbrücke nicht zeitgemäß. Dazu sei erwähnt, dass mir bei einer Gebirgsjagd die Stützklappen eingefroren waren, nachdem nasser Schnee eingedrungen war. Erst in der Jagdhütte konnte nach Auftauen der Verschluss wieder geöffnet werden. Sicherlich ist dieser Verschluss mit geringen Toleranzen nicht die erste Wahl für Extremjagden, sei es nun im staubigen Afrika oder kalten Alaska.

Hier bietet sich die Sauer 202 an, die meine bevorzugte Waffe ist (eine Frage ist nun beantwortet, die mir oft von Lesern gestellt wurde).

Die Schussleistung der S92 war hervorragend (siehe Kasten). Streukreise bei fünf Schuss auf 100 Meter aus warmem Lauf von 26 und 28 Millimeter lassen keine Wünsche offen (siehe Tabelle). Die „Elegance“ will mit 2630 Euro allerdings auch bezahlt werden. Hervorzuheben ist noch, dass sie auch in dem exzellenten Longrange-Kaliber 6,5-.284 lieferbar ist.Foto: Roland Zeitler

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Die geschwungene Hülsenform und formschöne Fischhaut am Vorderschaft sehen gut aus.
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