Bockjagd-Utensilien

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Roland Zeitler gibt Ausrüstungstips, damit die Pirsch auf den Mai-Bock leichter und erfolgreicher wird.

Von Roland Zeitler

Zweibein-Zielstock
Ein Zweibein-Zielstock hält die Waffe zur Seite stabil. Sie hilft dem Jäger, einen präzisen Schuß anzutragen.

Ich jage in einem typischen bayerischen Mittelgebirge mit hohem Wiesenanteil und „lang mäandernden“ Feld-Waldgrenzen.

Auch wenn viele von der Pirsch abraten, habe ich es mir angewöhnt, am Anfang der Bockjagdzeit, morgens, nach dem Ansitz, doch noch ein Stündchen zu pirschen. Im Mai ist das Rehwild relativ lange auf den Läufen, und mit dieser Art von Jagd habe ich noch nie Probleme gehabt, meine Abschußpläne zu erfüllen. Abends pirsche ich selbstverständlich nicht „auf Verdacht“, höchstens einmal auf „erkannte Ziele“.

Der Zielstock

Für diese meist morgendlichen Pirschgänge habe ich mir im Laufe der Jahre eine praxisgerechte Ausrüstung erarbeitet. Dazu gehört zweifellos ein Zielstock. Sicherlich tut es der einfache Haselnußstock auch, er sollte aber auf der einen Seite eine Stahlspitze für weichen Boden haben, auf der anderen einen Gummifuß, der im felsigen Gelände Geräusche vermeidet.

Ich streiche übrigens bei einem einbeinigen Zielstock lieber seitlich an als oben in einer Gabel. Ich stehe ruhiger und bin so weniger verkrampft.

Wesentlich stabiler zur Seite ist natürlich der klappbare Zweibein-Zielstock mit gepolsterter Gabel zur Gewehrauflage, wie ihn beispielsweise Knobloch oder Stoney Point anbieten.

Mehrfüßige Zielstöcke sollten sich kurz zusammenschieben lassen. Man kann sie dann auch sehr gut für den Schuß vom Sitzstuhl aus verwenden.

Der einfache dreibeinige Sitzstuhl gehört eigentlich immer ins Auto. Wer häufiger pirscht, hat besonders im bergigen Gelände öfter Gelegenheit, einen Bock im liegenden Anschlag zu erlegen. Auch wenn es etwas „scharfschützenmäßig“ aussieht, gibt es dafür keine bessere Hilfe als das ausklappbare Zweibein, etwa das Harris-Zweibein mit schwenkbarem Kopf, um Bodenunebenheiten ausgleichen zu können. Meines Erachtens ist das die präziseste Anschlagart, die im Gelände möglich ist.

Sicherlich montiert man das Zweibein erst dann an, wenn es wirklich ernst wird. Mit etwas Übung dauert es gerade mal eine halbe Minute. Oft ist es ja so, daß man mit dem Spektiv auf weitere Entfernung einen bestimmten Bock entdeckt hat und die Zeit zur Montage des Zweibeins allemal reicht. Gerade am Anfang der Jagdzeit kann man gut vom Boden aus schießen. Später, wenn die Vegetation höher ist, wird es viel schwieriger, meist unmöglich.

Tarnkleidung

  • Gerade beim Pirschen will man möglichst unauffällig bleiben. Viele traditionsbewußte Jäger lehnen Tarnkleidung als zu militärisch ab. Über diese Einstellung läßt sich nicht diskutieren. Fest steht jedoch, daß moderne Tarnkleidung bei der Pirsch den Jagderfolg eindeutig verbessert. Verblüffende Erlebnisse, auch bei der Beobachtung von Wild, lassen mich bei der Pirsch auf Tarnkleidung nicht mehr verzichten.

    Zu einer unauffälligen Jagdkleidung gehört selbstverständlich eine entsprechende Kopfbedeckung. Und ich mache noch mehr: Ich ziehe Handschuhe an, um die Hände zu verstecken.

  • Bei Regen oder morgendlichem Tau verwende ich Jagdbekleidung mit Goretex oder ähnlichem Mebranenschutz gegen die Nässe. Sie ist zwar etwas lauter als Woll- oder Fleecebekleidung, doch das stört mich nicht und das Rehwild auch nicht.
  • Schon lange trage ich keine Gummistiefel mehr zur Bockjagd. Hohe Pirschstiefel mit dämpfender Sohle und entsprechendem Membranenschutz gegen Nässe bieten hohen Lauf- und Pirschkomfort. Man sollte allerdings auf richtige Socken aus Mischgewebe achten.

    Nur das Wichtigste

    Es gilt: „So gut, aber auch so wenig wie möglich“. Die Kleidung wähle ich nach dem Zwiebelschalen-Prinzip. Prall gefüllte Rucksäcke sind hinderlich.

  • Zum genauen Ansprechen eines Bockes auf mittlere und weite Entfernung braucht man ein Spektiv. Ich schätze das Optolyth Kurzspektiv 25×70 BGA/WW, das sich sogar in der Jackentasche angenehm transportieren läßt.

    Selbstverständlich eignen sich auch die Spektive anderer europäischer Markenhersteller.

    Als Doppelglas bevorzuge ich ein qualitativ hochwertiges Allroundglas wie 10×40, 10×42, 8×50 oder 7×42. Sie sind ausreichend lichtstark und nicht zu schwer oder zu groß. Unter 40 oder 42 Millimeter Objektivdurchmesser sollte man aber nicht gehen, weil dann die Dämmerungsleistung in Grenzsituationen nicht mehr ausreicht.

  • Das richtige Zielfernrohr: Meine Aversion gegen „dicke“ Zielfernrohre mit bis zu 56-Millimeter-Objektiven kann ich bei der Frühjahrs-Bockjagd so richtig ausleben. Sie sind sicherlich für die nächtliche Saujagd unerläßlich, aber für die Bockjagd brauchen wir sie nun wirklich nicht. Solange ich einen Bock ansprechen kann, kann ich auch mit „kleineren“ Zielfernrohren schießen.

    Für die Bockjagd benutze ich fast ausschließlich variable Zielfernrohre mit hoher Vergrößerung und 36er oder 40er, maximal 42-Millimeter-Objektiven. Ich bevorzuge das Plexabsehen in der zweiten Bildebene. Es vergrößert sich bei der Vergrößerungsverstellung nicht mit. Das Absehen verdeckt so wenig, und man kann präzise Punktschüsse anbringen.

    Meine bevorzugten Gläser sind:

  • Zeiss Diavari VM 5-12×42 T und Diavari C3-9x36MC
  • Swarovski AV 3-9×36 und 3-10×42
  • Leupold Vari XIII 3-10×42 und 4,5-14×40.

    Von den „herkömmlichen“ Zielfernrohren mit Absehen in der ersten Bildebene verwende ich gerne 1,5-6×42 oder 2,5-10×42. Ein 3-12×50 ist für mich bereits ein Allroundglas.

  • Entfernungsmesser: Wer die Entfernungen im Revier (etwa bei der Auslandsjagd) nicht kennt und meint, weit schießen zu müssen, kann auf einen handlichen Entfernungsmesser wie Bushnell 600 oder 800 zurückgreifen. Beide sind kompakt, mit rund 330 bis 400 Gramm leicht und passen gut in die Jackentasche.
  • Abnehmbare Gewehrriemen: Mich stören auf engen Sitzen oder kleinen Kanzeln Gewehrriemen. Deshalb verwende ich an allen Langwaffen abnehmbare Riemenbügel von Uncle Mike’s. Nichts kann hier klappern oder sich verheddern. Und mit einiger Übung lassen sie sich auch im Dunkeln abnehmen oder anbringen.
  • Am Gürtel: Beim Abendansitz gehört an den Gürtel eine lichtstarke kleine Taschenlampe (etwa Sure-fire oder Streamlight Scorpion). Neben dem obligatorischen Jagdmesser führe ich immer die Kurzwaffe.

    Ich weiß, daß hier die Meinungen auseinandergehen. Ich halte sie aber in bestimmten Nachsuchen-Situationen für geeigneter als die Langwaffe. Selbstverständlich hoffe auch ich, daß ich sie nie zum Selbstschutz benötige. Wenn die Situation aber da ist, hilft sie einem im Waffenschrank nichts.

  • Stainless und Kunststoff: Einige heimliche alte Böcke habe ich im Regen erlegt. Das Waffenreinigen einer „üblichen“ Jagdwaffe ist dann sehr aufwendig. Seit einigen Jahren führe ich bei „Schmuddelwetter“ einen Repetierer aus Stainlesstahl mit Kunststoffschaft. Die Waffenpflege kann dann auch bei miesestem Wetter auf ein Minimum reduziert werden.
  • Im Auto steht immer ein gefüllter Wasserkanister, und eine praktische Kopflampe hilft beim Aufbrechen im Dunkeln. Auch sie liegt immer griffbereit im Wagen.

    So wenig ist das alles in allem nun auch wieder nicht. Es ist aber so optimiert, daß sich bei der kommenden Mai-Bockjagd das Waidmannsheil leichter einstellen wird.Foto: Roland Zeitler


Zielstock
Auch der Zielstock ist eine gute Hilfe bei der Pirsch auf den Mai-Bock.

 

 

 

 

 

 

 


Bilder

Liegendschießen mit Zweibein Entfernungsmesser Spektiv Stainless-Repetierer

 


 

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