Bundesjägertag 2017

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Unter dem Motto „Ehrlich – Nachhaltig – Wild“ fand vom 22. bis 23. Juni in Rostock-Warnemünde der Bundesjägertag statt. Mit 249 anwesenden Delegierten waren zum 1. Mal alle geladenen Delegierten vor Ort.

Versammlungsleiter Dr. Volker Böhning eröffnete die Delegiertenversammlung nach dem Grußwort des Oberbürgermeister der Stadt Rostock, Roland Methling.

Dr. Volker Böhning
Hartwig Fischer

DJV-Präsident Hartwig Fischer betonte, wie wichtig die Kampagne „Wild auf Wild“ ist: „Wild auf Wild ist unser Zugang zum Verbraucher.“ Außerdem stellte er die Meilensteine des DJV vor: Die DVO des neuen Bundesjagdgesetzes wurde abgelehnt. „Danke Herr Seehofer“, so die Worte des Präsidenten. Die Novellierung ist jedoch wichtig, um einheitliche Bestimmungen zu haben.

Verbände bewirken nichts?

Der DJV hat im vergangenen Jahr einiges durchsetzen können. In der Diskussion zum Thema Halbautomaten hat er intensiv mit dem Forum Waffenrecht und der Industrie zusammengearbeitet. „Wer gegen Halbautomaten ist, kann sie in seinem Revier verbieten.

Aber die allgemeine Entscheidungsfreiheit sollte bei uns bleiben“, so Fischer. Auch den Bestandsschutz im Zusammenhang mit der neuen Waffenaufbewahrungsordnung haben wir dem DJV zu verdanken. Ansonsten hätten Grünröcke in den nächsten Jahren 265 Millionen Euro für neue Waffenschränke ausgeben müssen. Auch die Wildunfallproblematik geht der DJV an. 20 Tote und 3.000 Verletzte gibt es jährlich auf den deutschen Straßen, nur durch Wild. Das Tierfund-Kataster und eine gezielte Zusammenarbeit mit dem ADAC sollen diese Zahlen verringern.
Ebenso waren die Sozialwahlen Thema auf dem Bundesjägertag. Fischer ärgerte sich über die schlechte Organisation der Wahlen. Von 146.000 abgegebenen Stimmen sollen 29.000 ungültig gewesen sein. Vielen Wählern wurden die Unterlagen bis zur Wahl gar nicht erst zugesandt.

Mitgliederzuwachs

Der jährliche Zuwachs von DJV-Mitgliedern liegt derzeit bundesweit bei 2 Prozent. Wenn die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, kann ein Zuwachs von 5 Prozent erreicht werden. Daher ist die Werbung von Jungjägern umso wichtiger. Da die Resonanz auf das DJV-Jungjägerpaket durchweg positiv war, wurden erneut 7.000 Rucksäcke bestellt, die den Jungjägern zum Einstieg ins Jägerleben mitgegeben werden.

Verwertung von Raubwild

Dr. Jörg Friedmann, Landesjägermeister von Baden-Württemberg, stellte das Projekt Fellwechsel vor. Bisher wurden etwa 10 Prozent der Bälge von erlegten Füchsen verwertet. Das soll sich ändern. Die Fellwechsel GmbH wird an zentralen Sammelstellen das erlegte Raubwild einsammeln und an der im Moment noch im Bau befindlichen Abbalgstation in Rastatt abbalgen.

Dr. Jörg Friedmann

Von dort gelangen die Bälge zu einem Gerber. Dann werden die gegerbten Felle wieder an die Erleger zurückgesendet oder über die Fellwechsel GmbH verkauft. Wer die Arbeit gerne selbst macht findet hier Infos zu Kürschnern in seiner Nähe.

DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann

DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann hielt auf dem diesjährigen Bundesjägertag eine der aufwühlendsten Reden. Der engagierte Jäger wünscht sich mehr Zusammenarbeit der Kreisgruppen und Landesjagdverbände. Von jeder einzelnen Homepage muss der Besucher zur nächsten geleitet werden. Der DJV muss auf den Seiten der Landesjagdverbände und der Kreisgruppen verlinkt werden und umgekehrt. PETA, Nabu etc. erscheinen bei Google ganz oben, weil sie diese Verlinkung hinbekommen. „Lassen Sie uns den Jagdgegnern das Fell über die Ohren ziehen und nicht umgekehrt. Noch weniger gegenseitig!“ Mit diesen Worten erntete Leppmann ordentlich Beifall.

Die Jagd im Schatten der Politik

Bei der Podiumsdiskussion im Anschluss an den Bundesjägertag nahmen Gitta Connemann (CDU), Petra Crone (SPD), Max Straubinger (CSU), Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke), Christian Dürr (FDP) und Harald Ebner (Die Grünen) teil. Dürr sprach sich ganz klar gegen eine Verschärfung des Waffengesetzes aus. Lediglich bei 2,5 Prozent aller Straftaten mit Schusswaffen handelt sich um legale Waffen. Daher müsse mehr gegen illegalen Waffenbesitz unternommen werden. Auch das Thema Waffenaufbewahrung wurde angesprochen. Ebner betonte: „Eine zentrale Waffenaufbewahrung ist für Jäger praxisfern. Für sie muss es flexible Regelungen geben. Bei Sportschützen sehen wir das anders. Waffen und Munition zu Hause sind grundsätzlich der inneren Sicherheit nicht zuträglich.“

Fotos: Markus Lück

Staubinger betonte die Wichtigkeit des DJV und BJV als Naturschutzverbände. Die Arbeit müsse wesentlich mehr anerkannt und dargestellt werden. „Jagd- und Naturschutzrecht sind getrennte Rechtskreise. Die Überführung des Wolfes ins Jagdrecht kann nur nach Rücksprache mit den Verantwortlichen, den Jägern, in Erwägung gezogen werden“, so Connemann. Der Wunsch von Bartsch ist es, die Interessen im Sinne des Gemeinwohls auszugleichen. Darunter fallen auch Jagd-, Forst- und Landwirtschaft. Crone geht auf die Kritik Fischers gegen Seehofer ein: „SPD und Jäger haben beide viel Tradition. Die SPD steht an der Seite der Jäger und ist kompromissfähig, wie die Reformversuche des BJG gezeigt haben. Es ist nicht mehr zeitgemäß, unterschiedliche Jagdgesetze zu haben. Wir sollten einen 2. Versuch in der kommenden Legislaturperiode unternehmen.“

Beim Festabend des Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern auf dem Sonnendeck der Yachthafenresidenz Hohe Düne fand ein feierlicher Ausklang des Bundesjägertags statt.

sl

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