Früchte im Feld

1988


 

Der Jungjäger sollte Halm- von Hackfrüchten unterscheiden können und noch einiges mehr von der Landwirtschaft verstehen.

Von Hans Joachim Steinbach

biologischer Landbau
Weniger ist oft mehr. Der biologische Landbau verzichtet auf den Einsatz von Agrarchemie.

1. Was versteht der Landwirt unter Fruchtfolge, und was muß er dabei beachten.

Schon in frühester Zeit des Ackerbaus, als die Menschen seßhaft wurden, gab es Formen der Fruchtfolge. Die „Drei-Felder-Wirtschaft“: Hackfrucht – Halmfrucht – Brache war eine davon. Die Menschen merkten sehr bald, daß man bestimmte Pflanzen nicht beliebig oft nach sich selbst oder nach miteinander verwandten Arten anbauen kann. Die Pflanzen beanspruchen so einseitig den Boden, entziehen ihm die gleichen Nährstoffe und werden von Krankheiten und Schädlingen viel leichter befallen. Deshalb muß man einige Regeln bei der Fruchtfolge beachten.

Günstig für die Fruchtfolge ist die sogenannte Vorfruchtwirkung. So sind Leguminosen (Klee, Luzerne) sogenannte Stickstoffsammler: Sie binden im Boden den Stickstoff aus der Luft (Knöllchenbakterien), hinterlassen zusätzlich mit ihren Wurzeln noch viel organische Substanz, so daß sie ausgezeichnete Vorfrüchte abgeben.

Auch Kartoffeln sind gute Vorfrüchte, schaffen sie doch durch ihr Blätterdach und ihre Knollenfrüchte eine ausgezeichnete Bodengare. Durch den Einsatz von Dünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln wird heute die Fruchtfolge nicht mehr so streng beachtet.

2. Was sind Halmfrüchte und was Hackfrüchte?

Halmfrüchte gehören zu den ältesten Kulturpflanzen. Dazu gehören bei uns alle Getreidearten (sie stehen auf dem Halm). Im Unterschied dazu bezeichnet man als Hackfrüchte alle Wurzel- und Knollengewächse.

Die wichtigsten Getreidearten in Deutschland sind Winter- und Sommerweizen. Weizen wird als Qualitätsweizen für Backzwecke, als Grundstoff für die Brauerei (Weizenkorn/-bier) und als Futterweizen angebaut. Auch Gerste und Roggen gibt es als Sommer- und Winterart. Sommergerste wird größtenteils als Braugerste verwendet (Bier). Weiterhin gibt es Hafer und Körnermais. Eine Sonderform ist Triticale, eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen. Zu den Halmfrüchten zählt auch der Raps, der als nachwachsender Rohstoff (Pflanzenöl) sich zunehmender Beliebtheit erfreut und durch die EU entsprechend gefördert wird.

Die wichtigsten Hackfrüchte unserer Breiten sind Zucker- und Futterrüben sowie Möhren als Wurzelfrüchte und Kartoffel und Topinambur als Knollenfrüchte.

Topinambur ist dabei eine für das Wild sehr wichtige Wildackerpflanze, weil sowohl ihre Blattmasse (Silage/ Laubheu) als auch ihre Wurzelknollen durch das Wild geäst werden. Topinambur wird auch zur Stärkeproduktion angebaut (nachwachsende Rohstoffe).

3. Welche sind die wichtigsten Kreuzblütler im Feldbau?

Raps, Rübsen und Senf und im Gartenbau oder Feldgemüseanbau alle Kohlarten wie Kohlrabi oder Blumenkohl. Während die Bedeutung von Winterraps als nachwachsender Rohstoff ständig steigt, haben Sommerraps, Winter- und Sommerrübsen sowie Senf nur untergeordnete Bedeutung. Sie werden wegen ihrer tiefgründigen Wurzeln gern als Vorfrucht und Gründüngung angebaut, auch als Wildacker. Raps ist mittlerweile eine wichtige Äsungspflanze in der Winterzeit. Kreuzblütler dürfen nicht nacheinander angebaut werden (Kohlhernie).

4. Welche Rolle spielen die Feldfrüchte für das Wild?

Alle Feldfrüchte sind auch mehr oder weniger Äsungspflanzen, und die Felder sind Lebensraum für das Wild. In den großen zusammenhängenden Getreide-, Mais- und Rapsäckern finden Sauen und anderes Schalenwild Einstand, Deckung, Nahrung und Fraß, so daß solche Flächen mehr oder weniger wildschadensgefährdet sind.

Besonders groß ist die Wildschadensgefahr in der Zeit der Milchreife von Weizen oder Mais. Dabei entsteht erheblicher Lagerschaden, aber auch Freßschaden. Durch das Graben der Sauen auch nach Mäusen, Würmern oder Käfern und Wurzeln können große Löcher in der Flur entstehen, die für die Erntemaschinen (Häcksler/Mähdrescher) eine erhebliche Gefahrenquelle für Maschinenschäden sind.

Rot-, Dam- und Schwarzwild schlägt oder gräbt auch die Knollen von Kartoffeln aus und schädigt so die Landwirte. In Rübenäckern können die Schäden durch Schwarzwild ebenfalls beträchtlich sein. Die Sauen werfen die Rüben um und fressen davon.

5. Wie kann der Jäger die Wildschadensgefahr abwenden?

Zur Minderung der Wildschadensgefahr arbeiten Landwirte und Revierinhaber eng zusammen. Schon frühzeitig wird über die Anbauplanung informiert, so daß der Jäger rechtzeitig Gegenmaßnahmen, wie Ablenkfütterungen, Wildäcker, Elektro-Zäune, jagdliche Einrichtungen und anderes, einplanen kann.

Durch ein vernünftiges Miteinander von Grundeigentümern, Landwirten und Jägern können Wildschäden entschieden vermindert werden.

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