Fuchsjagd: 10 Tipps rund um Reineke

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Was Vorbereitung, Ausrüstung, Jagdstrategie und Verwertung angeht, gibt es 10 Tipps von einem begeisterten Fuchsjäger. Von Peter Diekmann

Foto: Frank Eckler

1. Hunger zieht!

Ähnlich wie bei Sauen, die in mastfreien Wintern einfacher an die Kirrung zu bekommen sind, ist es auch bei Füchsen. Ihre Hauptnahrung: Mäuse! Deren Population schwankt stark. In einem Jahr mit wenig Nagern hat Reineke daher tendenziell großen Hunger. Perfekte Bedingungen für Jäger, die den Fuchs mit Mauspfeifchen, Hasenklage & Co. zum Zustehen bewegen wollen!

Aufmerksame Beobachter bekommen im Revier mit, ob es ein schwaches Mäusejahr ist. In solchen Jahren ist die Lockjagd daher besonders effektiv. Andersrum kann sie in guten Mäusejahren zu regelrechtem Frust führen!

Verstärkend wirken sich in schwachen Mäusejahren übrigens lange Frostperioden aus. Besonders dann, wenn es zuvor viel geregnet hat und der durchnässte Boden in der Folge hart wie Beton ist!

2. Kleine Kugel und Varmint-Geschoss

Es gibt zwei Kaliber, die ich wärmstens zur Fuchsjagd empfehle. Das gilt allerdings nur für diejenigen, die Reinekes Balg auch nutzen wollen!

Einerseits ist das die .22 Hornet, andererseits die .17 Hornet! Meine leichte Präferenz gilt der 17er, da sie mit einer Mündungsgeschwindigkeit von ungefähr 1.150 m/s deutlich rasanter ist als die 22er mit gerade einmal 800 m/s. Das geringere Geschossgewicht der 17er – mit im Schnitt etwa 1,3 Gramm – führt dadurch zu einer GEE von über 200 Metern. Wer gut schießt und bei starkem Wind zu Hause bleibt, kann auf jede jagdliche Entfernung Fleck halten. Die 22er fällt da schon deutlich schneller, weshalb ich sie bis maximal 120 Meter empfehlen würde!

Zudem für Balgjäger entscheidend: das Geschoss! Die Präferenz gilt Varmint-Geschossen. Diese zerlegen sich beim Auftreffen nahezu vollständig. Das Fehlen eines Ausschusses ist so schon fast garantiert. Was wollen Balgjäger mehr?

Ist der Hunger groß, wird Reineke Locklauten von Hase, Kanin & Co. eher zustehen als pappesatt! (Foto: Rafal Lapinski)

3. Stein auf Acker

Fuchsrüden sind ebenso wie Hunderüden auch nur Kaniden. Ihnen wohnt daher der unbedingte Zwang inne, stets und ständig ihr Revier zu markieren. Insofern kann ein Trick, den ich von unserem Stammautoren und Berufsjäger Werner Siebern gelernt habe, gute Dienste leisten: Es muss nicht immer ein Lockinstrument sein, das auf Wild verlockend wirkt. Eine ähnliche Wirkung kann auch ein großer Stein haben, der inmitten eines blanken Ackers oder einer ebensolchen Wiese platziert wird. Fuchsrüden nehmen diese Einladung gerne an und werden den Stein regelmäßig fürs Markieren nutzen!

4. Mäuseburg und Luderschacht

Uralt, aber immer noch gut sind Mäuseburg und Luderschacht. Ebenso wie Schwarzwild-Kirrungen haben diese beiden Einrichtungen magische Anziehungskraft für Füchse.

Mit dem Bau dieser Einrichtungen, die gerne auch miteinander kombiniert werden können, sollte man allerdings nicht zu spät beginnen. Am besten im Frühjahr. Danach darf nicht versäumt werden, die Einrichtungen regelmäßig mit Leckereien zu beschicken, um Mäuse anzulocken bzw. zu halten und unsere geliebten Roten Freibeuter daran zu gewöhnen.

Als besonders praktisch hat es sich daher auch erwiesen, die Einrichtungen verkehrstechnisch günstig zu planen, damit ellenlange Fußwege zu ihnen nicht nötig sind.

Mäuse sind die Hauptnahrung von Reineke. Dieses Wissen kann sich der Jäger zu eigen machen! (Foto: Horst Jegen)

5. Locker stets dabeihaben!

Ob Vogelangstgeschrei, Mauspfeifchen, Hasen- oder Kaninchenklage – sie alle nützen nichts, wenn sie daheim liegen, statt bei Ansitz und Pirsch dabei zu sein. Mindestens ein Lockinstrument sollte daher stets in der Jackentasche oder dem Jagdrucksack mitgeführt werden.

Wer nur Fuchsbälge erbeuten möchte und die Sommerjagd auf Jungfüchse ablehnt, dem bietet sich zu dieser Zeit eine gute Gelegenheit, den Umgang mit Lockern zu üben. Dass man Reineke bis an den Hochsitz heranlockt, heißt schließlich noch lange nicht, dass man ihn auch erlegen muss.

Wenn ein Locker stets dabei ist, hat das zudem den Vorteil, dass Jäger auch dann Beute bei Reineke machen können, wenn sie es eigentlich gar nicht auf ihn abgesehen haben. So etwa beim Ansitz auf Reh- oder Schwarzwild. Was spricht dagegen, zum Ende eines Ansitzes, ganz gleich ob Strecke gemacht wurde oder nicht, noch einmal fünf bis zehn Minuten Rote zu locken? Ist zufällig einer in der Gegend und steht zu, wird er noch mitgenommen. Falls nicht, hat man nichts kaputt gemacht.

6. Scharfe Sinne, bedachte Jäger!

Füchsen wird nicht nur nachgesagt, sie seien gewitzt. Sie sind es auch! Die Sinne dieses Raubwildes sind derart ausgeprägt, dass Jäger astreine Chancen der Reihe nach „versemmelt“ haben, da sie zu unvorsichtig waren. Man sollte daher nie unterschätzen, was Reineke vernimmt, eräugt und windet!

Das fängt bei der Wahl der Ansitzeinrichtung an. Manch ein Reh zeigt sich von menschlicher Wittrung noch unbeeindruckt. Reineke hingegen wird dies stets mit rasanter Flucht quittieren. Hat man es gezielt auf Füchse abgesehen, ist der Wind also stets in die Überlegung mit einzubeziehen.

Weiter geht es mit dem Vernehmen. Auch dieser Sinn ist bei den Roten besonders ausgeprägt. Steht einer zu, sollte die Waffenmündung daher keinesfalls an die Hochsitzwand stoßen.

Und wo wir schon beim Thema sind: In klarer Vollmondnacht kann der Lauf, der über die Hochsitzbrüstung geschoben wird, auf weite Entfernung vom Fuchs wahrgenommen werden. Egal, ob er dabei im Mondlicht reflektiert oder nicht. Gerade wenn der Fuchs ins „Sitz“ geht, um zu sichern, tut der Jäger daher gut daran, in seiner Bewegung zu verharren. Ist die Kanzel auch noch so dunkel und hoch! Die Waffe sollte nur bewegt werden, wenn der Fuchs schnürt. Am besten dann, wenn er noch nicht zusteht, sondern einfach nur die Fläche nach Mäusen absucht.

Die Idee der Mäuseburg ist uralt, im Revier aber nach wie vor ein absoluter Magnet für Füchse (Foto: Julia Kauer)

7. Beim Locken bereit

Sobald die ersten Lockrufe im Spätwinter über die Fläche geschickt werden, sollten Jäger bereit sein. Erst recht im Wald, wo Reineke unvermittelt 50 Meter vorm Sitz auftauchen kann.
Das heißt, dass die Waffe bereits auf der Hochsitzbrüstung liegen muss. Ist der letzte Lockruf verklungen, schadet es auch nicht, direkt in den Anschlag zu gehen und die Waffe zu entsichern. Dadurch können wertvolle Sekunden gewonnen werden. Denn Reineke kann auch auf offener Fläche recht flott zustehen, wenn er richtig Hunger hat und nicht zu den vorsichtigen gehört.

8. Ranz nutzen!

Die Paarungszeit der Füchse führt zu einer erhöhten Aktivität der Freibeuter. Und das nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Besonders in den frühen Morgenstunden. Diese erhöhte Aktivität geht auch mit gewisser Unbeschwertheit einher, sodass in dieser Zeit gute Bedingungen herrschen, um auf Rote zu weidwerken. Am besten machen sich Jäger diese Erkenntnis zu nutze, indem sie es am Morgen, wenn es bereits hell ist, auf dieses Wild probieren. Natürlich versprechen die Nächte den größten Erfolg. Doch gerade in schnee- und mondfreien Spätwinter-Phasen sind die Morgenstunden eine lohnenden Alternative!

Eine Hasenklage nimmt nicht viel Platz ein und ist leicht. Sie sollte immer am Mann sein! (Foto: PPZV)

9. Streifen ohne Branten

Wer noch nie einen Fuchs gestreift hat, der hat in der Regel großen Respekt vor dieser Aufgabe. Und sicherlich ist es auch so, dass der eine oder andere Schnitt zu Beginn nicht da gesetzt wird, wo er keinen Schaden anrichtet.

Doch die Angst ist unbegründet. Das Streifen ist ebenso wie das aus-der-Decke-Schlagen kein Hexenwerk. Mit etwas Übung wird einem kein Missgeschick mehr passieren. Außerdem ist es nach anfänglichen 60 Minuten, die man dafür braucht, ratzfatz in 15 erledigt.
Besonders viel Zeit und Mühe ist übrigens zu sparen, indem man die Branten nicht mit auslöst. In dem Fall wird der Balg einfach oberhalb der Branten von der Innenseite her abgeschärft. Das spart bei vier Branten locker 5 bis 10 Minuten.

Besonders ist das denjenigen zu empfehlen, die vorhaben, 16 Bälge für eine Fuchsdecke zu sammeln. Denn dafür werden die ausgelösten Branten nicht benötigt. Ebenso wenig für Kissen, Muff, Mütze & Co. Sinn ergibt das eigentlich nur, wenn ein Fuchsbalg besonders prächtig ist und er im Ganzen in den eigenen vier Wänden hängen soll

10. Mit Vakuum zum Hygiene-Meister

Ist der Fuchs erst einmal erbeutet, will der Balg auch genutzt werden. Den Wildkörper komplett einzufrieren, um ihn dann irgendwann im Kern zum Präparator oder Gerber zu schicken, nimmt sehr viel Platz weg und verursacht unter Umständen hohe Versandkosten.
Leichter geht es, wenn die Roten selbst gestreift werden. So kompliziert ist es gar nicht, und mit etwas Übung macht es sogar Spaß! Wenn der Fuchsbalg dann abgezogen ist, muss er nicht unbedingt gesalzen werden. Es reicht, ihn einzudrehen, in einen Vakuumbeutel zu stopfen, diesen mit einem Gerät zu vakuumieren und einzufrieren. Das spart Platz, Salz und Geld. Zudem ist es hygienisch einwandfrei!

Dennoch würde ich den Vakuumierer nur für diese Zwecke verwenden. Und am besten einen Tiefkühlschrank, der ebenso ausschließlich für Dinge wie Rehbockschädel, Luder-Köder und Ähnliches da ist. Alleine schon, um den Hausfrieden zu wahren!

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