Prominente Jäger: Klaus Ludwig

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König Ludwig auf der Pirsch: Klaus Ludwig sammelte in den 1980er Jahren im Rennsport Titel und Platzierungen wie kein zweiter. Bis heute gilt er als Deutschlands erfolgreichster Tourenwagenfahrer. Aber der Bonner ist nicht nur Trophäen-Sammler, er ist auch begeisterter Jäger.

Von Hans Jörg Nagel

 

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Deutsche Rennsport-Legenden: Klaus Ludwig
Klaus Ludwig hat sich keine Jagdmöglichkeit im Umfeld seiner Behausung gesucht, sondern ein Haus nahe am Revier gekauft. Jagdleidenschaft pur.
 
Der 1949 geborene Ludwig gilt als Deutschlands erfolgreichster Tourenwagenfahrer. Deswegen wird er in der Motorsportszene bis heute „König Ludwig“ genannt.
75 Mal stand er in den 1970er und 80er Jahren auf dem Siegerpodest und gewann 3 Mal die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft.
 
Ob in einem Porsche, Ford, Opel oder Mercedes – Klaus Ludwig sah seine Gegner meistens im Rückspiegel. Bis heute ist er als Berater bei Mercedes unter Vertrag. „Aber das beste Auto im Revier ist der VW T4“, sagt Ludwig und lacht. „Etwas hochgebockt und modifiziert, und der Bully kennt in Wald und Feld keine Grenzen.“
 

Jagen neben der Rennstrecke

 

Klaus Ludwig stellte sich im eigenen Heim den Fragen der DJZ. (Foto: H.J. Nagel)
Klaus Ludwig stellte sich im eigenen Heim den Fragen der DJZ. (Foto: H.J. Nagel)
Klaus Ludwig wuchs mit 2 Gerüchen in der Nase auf: Frische Waldluft und beißender Reifenqualm. „Von meinem Geburtsort Bonn war es nicht weit bis zum Nürburgring. Da verbrachte ich mit meinen Eltern viel Zeit. Wir schauten uns viele Rennen an. Der Startschuss zu meiner Rennsportkarriere“, vermutet er. Aber ebenso sind dem heute 62-Jährigen die Ausflüge mit seinem Vater in die Eifler Reviere in Erinnerung: „Er war ein begeisterter Waldläufer. Für mich sicherlich die Initialzündung zu meinem Jägerleben.“
 
Mit 32 Jahren machte er es amtlich. Ohne die geringsten Schwierigkeiten bestand „der Bleifuß“ den Jagdschein. Ein Freund bot Ludwig in seinem Revier bei Bitburg Jagdmöglichkeiten. Und dort streckte er auch sein erstes Stück – nicht ganz problemlos: „Es war im Mai. Ich saß an einer Wald-/Feldkante. Kurz vor der Dämmerung zog ein braver Bock aufs Feld. Mit dem geliehenen Drilling legte ich an und schickte die 7x65R los. Der Bock zeichnete nicht und verschwand.“ Nachdem sich die Aufregung beim Schützen gelegt hatte, untersuchte er den Anschuss nach Schweiß und Schnitthaar. Beides Fehlanzeige. „Ich Idiot! Der erste Schuss und gleich gefehlt“, sei es ihm durch den Kopf gegangen, obwohl er an einen Fehlschuss einfach nicht glauben wollte. Ludwigs Jagdfreund gab ihm für den nächsten Morgen einen weiteren Bock frei, den der Jungjäger auch mit sauberem Schuss erlegte. „Doch mir ließ der Bock vom Vorabend keine Ruhe. Und so suchte ich nach dem Frühstück auf eigene Faust nach. Ein Hund stand leider nicht zur Verfügung“, erinnert sich der Bonner. Und tatsächlich: Nur 50 Meter vom Anschuss entfernt lag der Beschossene. Klaus Ludwig: „Ein sechsjähriger Bock mit brandigen Stangen und einem abgebrochenen Ende. Ich war überglücklich.“ Aber, er würde sich noch besser an diesen ersten Erlegertag erinnern, wäre der Bock nicht so „gewaltig totgetrunken“ worden.
 
Das erste eigene Revier pachtete Klaus Ludwig direkt am Nürburgring. Von 1989 bis 1996 ging es hier auf Sauen, Rot- und Rehwild. „Beim Ansitz war oft das Dröhnen der Motoren vom Ring zu hören. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das nicht mehr brauche. Crossfahrer und der Renntourismus entdeckten mein Revier.“
 
Einige Jahre schlug sich Ludwig als Jagdgast im In- und Ausland durch, ehe er 2001 sein Traumrevier entdeckte. „Das ist eine kleiner Jagdbezirk im Kesselringer Tal. Ein reines Waldrevier der Staatsforsten Adenau.“ Auf gut 200 Hektar kommt hier Rot-, Reh-, Muffel- und Schwarzwild vor. Klaus Ludwig: „Nicht ganz einfach zu bejagen, aber sehr abwechslungsreich. Ich habe im Revier 4 Täler. Ein bisschen Bergjagd-Romantik. Das liebe ich!“ Seine „hohe Zeit“ im Revier ist die Hirschbrunft. „Ab dem 15. September bin ich täglich dort“, sagt er. Aber ebenso begeistert den Jäger der Nachtansitz auf Sauen. „Zwar sitze ich jetzt nicht mehr die ganze Nacht durch. Aber 3, 4 Stunden bei Neuschnee an der Kirrung ist Spannung pur.“ Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe – predigt Klaus Ludwig. Das sei gerade für Rotwild-Reviere enorm wichtig und bringe sichtbare Erfolge. „Bei mir ist das Rotwild das ganze Jahr über tagaktiv“, schwärmt er.
 
In diesen Tagen ist Ludwig auf der Pirsch. Böcke und Schmalrehe bejagt er am liebsten auf diese Weise. Auch dem Muffelwild stellt er gerne auf leisen Sohlen nach. Bei der Frage nach dem schönsten Jagderlebnis strahlen Ludwigs Augen. Das sei in den 1990ern gewesen. Gamsjagd nahe dem Großglockner (Österreich): „Wir waren 2 Tage lang im Berg. Halb erfroren entdeckten wir am 2. Morgen bei erstem Licht ein Rudel im Gegenhang. Ich schoss meinen ersten Gamsbock.“ Und das war nicht der letzte. Erst im vergangenen September erlegte der heute 62-Jährige in einem Brenner-Seitental einen 9-jährigen Gams. „Dazu braucht man gute körperliche Fitness.
 
Vermutlich profitiere ich noch heute von meiner Konstitution als Profi-Rennfahrer.“ Am liebsten führt Klaus Ludwig eine Sauer 90 im Kaliber .30-06. Schnörkellos und praxistauglich. Mit einer edleren Waffe hatte er Pech. Ludwig: „Der damalige Mercedes-Chef schenkte mir zu meinem 40. Geburtstag eine Ferlacher Büchse mit Wechsellauf. Die schwere Waffe war nicht so mein Ding. Aber nicht alleine deshalb habe ich sie in schlechter Erinnerung.“ Er sei mit
der Waffe bei einer Drückjagd gestürzt. Dabei brach der Schaft. Entwaffnet habe er auf seinem Stand verharrt. Und es kam, wie es kommen musste: „Plötzlich wechselte ein Urian auf mich zu. Mehr noch: Breit stand der Schwarzkittel sicherlich eine Minute vor mir. Auf gerade mal 15 Meter. Ich konnte nur zuschauen. Der Keiler hatte sicherlich 150 Kilo.“ Er sei der letzte in der Schützenkette gewesen, so dass der Basse unbeschossen seine Schwarte rettete.
 

Ein Urian im DJZ-Testrevier

 

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Seinen Lebenskeiler schoss der mehrfache DTM-Sieger Klaus Ludwig im DJZ-Testrevier. Eine Goldmedaille mehr! (Foto: DJZ)
Aber zu einem solchen Keiler kam Klaus Ludwig später doch noch. „Und zwar bei Euch“, sagt er lachend. Im November 1998 habe er an einer Drückjagd im DJZ-Testrevier teilgenommen. Seine Leiter habe an einer breiten Schneise, flankiert von Fichtendickungen, gestanden. Plötzlich lautes Hundegeläut: „Da wechselte der Bassen über die Schneise. Ich schoss. Ohne zu zeichnen verschwand das Schwein in den gegenüberliegenden Fichten. Alleine das endlose Totverbellen eines kleinen Jagdterriers gab mir die Gewissheit, meinen Lebenskeiler erlegt zu haben.“ Und so war es auch. Aufgebrochen wog der Keiler 111 Kilo. Inoffiziell vermessen erzielten die Waffen ohne Schönheitspunkte 120,95 IP. Goldmedaille.
 
Eher selten jagt Ludwig mit der Flinte. Das beschränke sich auf wenige Treiben im Bitburger oder Alzeyer Raum. Beim Thema Jagdpolitik schaltet Ludwig einen Gang höher. Ihm seien die vielen behördlichen Reglementierungen zuwider. Jäger wüssten viel besser, worauf zu achten sei. So zum Beispiel beim Thema Rotwildproblematik. „Herrje. Verbiss und Schälschäden gab es schon immer. Natürlich darf das nicht Überhand nehmen, aber es gehört eben zur Biologie des Wildes.“ Die Sprache des Ex-Rennsportlers ist ungeschminkt. Er scheut sich nicht Tacheles zu reden: „Alle Welt spricht von Explosion der Schwarzwildbestände. Das ist Quatsch – zumindest in unserer Gegend. Die Welt wird sicherlich nicht von den wilden Sauen aufgefressen.“ Er wisse, dass in vielen Revieren die SW-Strecken um die Hälfte zurückgegangen seien – alte Bachen sehe man kaum noch. „Alles Hysterie und Panikmache. Da kriege ich einen fetten Affen“, so Ludwig.
 
Auch den Forst hat der Jäger auf dem Kieker. „Die laden Hinz und Kunz zu Gesellschaftsjagden ein. Die ballern völlig unwissend Leittiere aus den Rotwildrudeln oder eleminieren Zukunftshirsche. Da schwillt mir der Kamm.“
Die Schwellung geht zurück, erinnert sich Ludwig an seine Auslandsjagden: Neben Österreich und Ungarn hat es den Bonner auch nach Rumänien verschlagen. Im ehemaligen Ceauçescu-Revier ging es auf Braunbären. Einen 250-Kilo Petz legte er dort auf die Decke. Was Klaus Ludwig etwas bereut ist, dass er bis heute noch nicht in Namibia oder Südafrika die Büchse geführt hat. Aber von einem unerfüllten jagdlichen Traum will er dabei nicht sprechen. Er sagt: „Den lebe ich fast täglich in meinem eigenen kleinen Revier.“
 


Steckbrief

 

Klaus Ludwig wurde am 5. Oktober 1949 in Bonn geboren. Bereits in den 1970er Jahren fuhr er für Ford in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM). Seinen ersten Titel holte er 1979 mit einem Kremer-Porsche 935. Mit demselben Fahrzeug holte er sich beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans den Gesamtsieg. Diesen Klassiker gewann er später noch zweimal (1984 und 1985). Seinen ersten Titel in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) errang er 1988 mit einem Ford Sierra Cosworth. Weitere DTM-Siege folgten 1992 und 1994 (Mercedes). Nach vielen weiteren Erfolgen beendete Klaus Ludwig als 50-Jähriger seine aktive Rennsport-Karriere. Doch bis 2006 folgte noch so
manches „Gast-Rennen“. Für die ARD fungierte er von 2001 bis 2006 als Co-Kommentator bei DTM-Übertragungen. Klaus Ludwig ist seit 1981 Jäger. Er ist zum zweiten Mal verheiratet. Aus erster Ehe hat er 2 Söhne.
 


 

 
 


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