Schlammbad

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Zur Körperpflege wird den Sauen und dem Rotwild das Schlammbad in der Suhle zum Bedürfnis.

Von Hans Joachim Steinbach

Rotwild
Rotwild liebt die Nähe zum Wasser und sucht regelmäßig ein kühlendes Bad im Waldteich oder See. Feist- und Brunfthirsche bevorzugen aber auch eine schlammige Suhle.

Was ist eine Suhle und welche Wildarten suhlen?

Eine mit wenig Wasser gefüllte, schlammige Erdsenke, in der Wild ein der Körperpflege dienendes Schlammbad nehmen kann, bezeichnet der Jäger als Suhle. Das Wild suhlt. Von allen heimischen Wildarten suhlen nur Schwarz- und Rotwild. Beide Wildarten brauchen das Suhlen zu ihrer Körperpflege. Es würde bestimmte Revierteile verlassen, wenn es nicht suhlen kann, andererseits kann es durch intakte Suhlen im Revier gehalten werden.

Warum dient das Suhlen Rot- und Schwarzwild der Körperpflege?

Durch das sich Wälzen im Schlamm verklebt die Schlammpackung mit den Haaren der Decke oder Schwarte. Dadurch wird die empfindliche und gerade im Sommer nicht so dicht behaarte Hautpartie mit Schlamm, der trocknet und verkrustet, so geschützt, dass lästige, beißende Insekten wie Zecken, Flöhe, Mücken, Fliegen oder Bremsen nicht so leicht stechen können.

Schwarzwild hat außerdem die Neigung, sich nach dem Suhlen an Bäumen zu scheuern, um sich von lästigen Insekten wie Zecken und Flöhen zu befreien, die sich im Schlamm verklebt haben. Rotwild liebt neben dem Schlammbad auch ein kühles Bad in tieferem Wasser. Deshalb können in Rotwildrevieren die Suhlen ruhig etwas größer und tiefer sein, als in reinen Schwarzwildrevieren.

Wie bezeichnet man bestimmte Bäume in der Nähe von Suhlen?

Bäume, an denen sich die Sauen die Schwarte gescheuert haben und die immer unmittelbar in der Nähe von Suhlen stehen, bezeichnet man als „Malbäume“. Der abgescheuerte Schlamm, der später eintrocknet, zeigt an, dass sich Wild dort gescheuert hat. An Hand der Höhe der Scheuermarken kann der Jäger Rückschlüsse auf die Stärke des Stückes schließen, das diese Spur hinterlassen hat.

Wann nimmt Wild bevorzugt die Suhlen an?

Generell gilt, dass Suhlen bevorzugt zur warmen Jahreszeit angenommen werden. Besonders an heißen und schwül-warmen Tagen mit großer Aktivität von beißenden Insekten sucht das Wild bevorzugt die Suhlen auf. Dabei suhlt aber Schwarzwild auch zu anderen Zeiten deutlich mehr als das Rotwild. Beim Rotwild nutzen vor allem Hirsche in der Feistzeit und während der Brunft die Suhlen. In der Brunft markieren Rothirsche die Suhlen mit Urin und wälzen sich darin.

Welche Art von Suhlen kennt der Jäger im Revier?

Es gibt natürliche Suhlen. Diese nutzt das Wild von selbst im schlammigen Randbereich von Tümpeln, Teichen oder anderen Feuchtgebieten sporadisch oder gewohnheitsmäßig, weil sie sich im oder in der Nähe des Einstandes befinden. Zu solchen ständigen natürlichen Suhlen führen auch Wildwechsel.

Das Wild nutzt auch feuchte Erdmulden oder Pfützen auf Waldwegen, um zu suhlen. Solche gelegentlichen Suhlen, die durch Regenwasser entstehen, aber bei Hitze trockenfallen, nennt man auch „Himmelsteiche“.

DerJäger kann schließlich in wasserarmen Revieren oder auf trockenen Standorten auch „künstliche“ Suhlen anlegen.

Wenn Suhlen gerade an heißen Tagen immer regelmäßig von Wild aufgesucht werden, verspricht das nicht einen günstigen Jagdplatz?

In ruhigen Revieren ist an heißen und schwülen Tagen oder während langer Trockenperioden mit ziemlicher Sicherheit damit zu rechnen, dass Wild regelmäßig die Suhlen aufsucht: auch während des Tages. Der Jäger kann in solchen Zeiten die Suhlen regelmäßig kontrollieren. Dennoch sollten Suhlen, die der Körperpflege des Wildes dienen, nicht als Ort zur Ansitzjagd genutzt werden. Ständige Störungen würden das Wild vergrämen. Wenn das Wild keine ruhigen Suhlen anderenorts im Revier findet, wandert es ab.

Man sollte auch Suhlen nicht mit Kirrungen verknüpfen. Das Erlegen von Wild an der Suhle darf immer nur die Ausnahme bleiben. Aber so muss zum Beispiel Wild, das die Suhle aufsucht, weil es krank ist oder krank geschossen wurde und dort seine Wunden kühlt, an der Suhle erlegt werden.

Foto: Stefan Meyers

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