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Umweltministerin Lemke schreibt Unwahres nach Brüssel

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12 europäische Umweltminister gegen EU-Beschluss zur leichteren Bejagung der Wölfe.

Umweltministerin Steffi Lemke
Umweltministerin Steffi Lemke gehört zu den 12 Unterzeichnerinnen & Unterzeichnern des Briefs an den EU-Umweltkommissar. (Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler)

Zwölf europäische Umweltministerinnen und -minister haben am 1. Februar an den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius geschrieben. Unterzeichnet haben die Ressortchefs aus Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Irland, Luxemburg, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern. Wie Ministerin Steffi Lemke gehören die Unterzeichnenden grünen oder ähnlich gestrickten Parteien an.

Schwächung abgelehnt

Zum Teil setzen sie sich mit dem Schreiben in Gegensatz zur Linie ihrer jeweiligen Regierung oder zumindest anderer Ministerien. So kämpft Österreichs Agrarminister in Brüssel wegen seiner Viehhalter für eine Lockerung des Schutzstatus. Landwirtschaftsminister Özdemir hingegen hat kein Ohr für die Klagen deutscher Bauern. Der Protest richtet sich gegen einen Beschluss des EU-Parlaments zur leichteren Bejagung der Wölfe. „Wir, die Umweltminister, lehnen in einer Zeit der weltweiten Krise der biologischen Vielfalt die Tendenz der Entschließung, den gesetzlichen Schutz des Wolfes zu schwächen, eindeutig ab“, heißt es in dem Schreiben. Weiterhin wird dort ausgeführt, der Wolf habe keinen günstigen Erhaltungszustand. Dies haben Wissenschaftler in einer Anhörung im Bundestag allerdings kürzlich widerlegt.

Wölfe gegen Schweinepest?

Besonders absurd ist die Behauptung im Brief, der Wolf sei die einzige natürliche Barriere gegen die Schweinepest. Geht man von circa 2.000 Wölfen in Deutschland aus und nimmt man an, dass jeder im Monat zwei Wildschweine verzehrt, dann käme man im Jahr auf 48.000 vom Wolf getötete Sauen. Dem steht jedoch die mindestens zehnfache Zahl an von Jägern erlegte Sauen gegenüber. Soviel zur ASP-Barriere Wolf.

Interessanterweise wurde der ganze Brief bislang nur in Auszügen veröffentlicht. Er findet sich auch nicht auf der Website des BMU, obgleich dort ansonsten jedes weise Wort der Ministerin der Öffentlichkeit übermittelt wird.

„Dass die Bundesregierung sich in Brüssel für den Wolf stark mache und gleichzeitig die immer wieder vorgebrachten Hilferufe aus der Tierhaltung hartnäckig übergehe, zeige die Berliner Geringschätzung der Weidetierhaltung“. So wird Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt zitiert. Sie habe auch aus Naturschutz-Sicht kein Verständnis, dass die Bundesumweltministerin die für die Biodiversität so förderliche Weidewirtschaft gefährde.

rdb

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