Vor der Bockjagd

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Die Bockjagd beginnt am 1. Mai. Die Vorfreude darauf spätestens im April. Was kann der rehbegeisterte Nimrod tun, um mit Schwung in die neue Jagdsaison zu starten?

 

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Eingriff in die schwache Jugendklasse ist im Rehwildrevier das Gebot der 1. Stunde (Foto: H. Niesters)
Freudig richtet sich das Augenmerk eines Jägers im beginnenden Frühjahr auf die Böcke. Haben sie schon gefegt? Wie haben sie überhaupt auf? Gibt es Verschiebungen im Revier? Auf welchen Flächen konzentrieren sich die Rehe?
Was kann der Jäger im April tun, um im nächsten Monat bestens vorbereitet mit der Büchse loszuziehen? Waffe einschießen, die jagdlichen Utensilien neu ordnen, das gehört eher zu den Hausaufgaben. Wir wollen wissen, was draußen im Revier los ist. Also werden wir die längeren Tage dazu nutzen, Überblick beim Rehwildbestand zu bekommen.
Junge Böcke: Sie sind am besten anzusprechen. Tragen häufig noch ein „Baströckchen“ bis in den Mai hinein. Fallen durch schlanke Figur und früh einsetzenden Haarwechsel auf. Besonders den schwachen Bock-Teenagern sollte unser ganzes Streben zu Beginn der Jagdzeit gelten. Vorteile: Noch werden sie nicht so stark von territorialen Böcken verdrängt. Der Bewuchs ist niedrig. Einfacher fürs Ansprechen und Schießen. Werden die Feldfrüchte höher, wandern sie gern ins Feld ab.

 

Frühstart ist wichtig

Das Gleiche gilt für die Bejagung der Schmalrehe. Anfang Mai sind sie am besten von beschlagenen Ricken zu unterscheiden: rot und schmal gegen grau und rund. Trotzdem sollte immer der Kontrollblick zwischen die Hinterläufe erfolgen. Geht bei niedrigem Bewuchs ebenfalls einfacher.

 

 

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Eine leichte Leiter ist schnell für den Mai-Einsatz präpariert (Foto: Dr. Karl-Heinz Betz)
Ältere Böcke: Da streiten sich die Rehwild-Gelehrten. Ist ein Abschuss früh im Jahr sinnvoll oder nicht? Wer starke Jährlinge oder Jungböcke ans Revier binden will, tut gut daran, ihnen frühzeitig Territorien freizumachen. Gerade die starken gehen sonst auf Wanderschaft. Wollen ihren Claim abstecken. Und werden dabei leider häufig ein Opfer der Straße.
Wie erkennen wir mit Sicherheit ältere Böcke? Häufig sind sie über Jahre bekannt. Das erleichtert die Sache. Frühe Fegetermine, ausgiebiges Markieren und später Haarwechsel sind zwar alles Anhaltspunkte, aber beileibe noch keine Garantie. Stehen die Rosenstöcke noch auf einem Sockel, dann Vorsicht! Die Stangen alter Böcke scheinen direkt aus dem Schädel zu wachsen. Dieses Altersmerkmal kennt wirklich nur wenige Ausnahmen.
Zurückhaltung ist angesagt, wenn in derselben Revierecke, in der im vergangenen Jahr ein reifer Bock gestreckt wurde, ein unbekannter Starker steht. Fast immer ist es ein hoffnungsvoller Kronprinz. Es gibt kein Territorium, in dem jedes Jahr ein alter Herr einzieht. Böcke verlassen nicht ihr einmal erobertes Terrain.
Im April zieht das Rehwild gern zusammen auf das erste Grün. Das ermöglicht dem Jäger demographische Studien. Wer vertreibt wen? Wer weicht aus? Die Rivalen müssen beide verfegt haben, wenn das Verhalten Aussagekraft für den Jäger haben soll. Ein Kontrahent mit ausgehärtetem Kopfschmuck fühlt sich einem Kollegen mit Soft-Gehörn stets überlegen. Je nach Temperament verhalten sich dominante Böcke gegenüber schüchternen Jünglingen ziemlich tolerant. Aufmüpfige ziehen sich deutlich eher den Zorn des Hausherren zu.
Wenn die Böcke ausspekuliert und Schlachtpläne für den Start in den Mai geschmiedet sind, sollten die Wege zum Ziel überprüft werden. Gemeint sind Ansitzplätze und Pirschsteige. Vorhandene Sitze auf Funktion überprüfen. Ganz wichtig ist freie Sicht und damit auch freies Schussfeld. Speziell bei schnellwachsenden Sträuchern und Pflanzen kann innerhalb eines Jahres schon eine Menge Gehölz in die Sicht gewachsen sein. Beim Ausschneiden berücksichtigen, dass es entgegen aller Erwartungen am 1. Mai (und auch in den Tagen danach) regnen kann. Dann hängen viele Zweige deutlich tiefer.

 

Stille Ecken nutzen

Gerade Jährlinge, ob männlich oder weiblich, nutzen häufig die weniger frequentierten Ecken im Revier. Dort steht dann vielleicht auch keine Ansitzeinrichtung. Vorher überlegen, ob Sitzstuhl und Zielstock ausreichen, ob ein Tarnnetz vonnöten ist, oder ob es sich lohnt, schnell eine Leiter aufzustellen. Das geht, wenn keine großen Ansprüche gestellt werden, im Schnellverfahren. Dreiecksschirme (3 Pfähle, 2 Latten) lassen sich fix am Einsatzort installieren und verblenden. Oder man bedient sich mobiler Leitern aus dem Handel. Aber auch die sollten ein paar Tage vor Jagdbeginn platziert sein.
Sehr schön lassen sich für diese Zwecke Drückjagdböcke mit integriertem Aufstieg nutzen. Zu zweit sind sie per Anhänger relativ leicht von A nach B zu schaffen. Absolute Asketen benutzen einen kräftigen Spaten und schießen über den Griff. Mit diesen Aktivitäten ist der April schnell rum. Dann kann es richtig zur Sache gehen!
Frank Rakow
 

 

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