Die Sache mit dem Abzug

8223


A

Praxis

Sicherlich kann man mit einem Stecher sehr präzise Schießen. Hinsichtlich trockener Auslösung durch Antippen sowie sehr niedrigen Abzugsgewicht hat der Doppelzüngelstecher die Nase vor dem Rückstecher vorn. Als Direktabzug benutzt, hat er einen Druckpunkt und bricht meist bei rund 800 Gramm Widerstand. Vorzug, und zwei Züngel (Verwechslungsgefahr) machen ihn nicht zum idealen “Flintenabzug”. Man sollte ihn keinesfalls zum flüchtigen Schuss als Direktabzug einsetzen.

Rückstecher und Kombiabzüge mit Rückstecher sind da eher ein Kompromiss. Sie lassen sich für den präzisen Punktschuss fein einstechen, aber auch als Flintenabzug nutzen. Widerstände von rund 700 bis 1.200 Gramm muss man aber gewohnt sein, um sicher zu treffen. Dazu hilft nur Übung auf dem Schießstand. Oft kriechen Kombiabzüge etwas. Sie weisen meist keine so gute Charakteristik auf wie Flinten- oder Direktabzüge.

Viele Rückstecher, etwa in Drillingen oder Bockbüchsflinten, lassen keinen vernünftigen Schuss uneingestochen zu, weil sie oft, als Direktabzug benutzt, Widerstände von rund vier Kilogramm aufweisen. Damit ist kein präziser Schuss mehr möglich.

Ideal ist, wenn sich Stecher mit dem Sichern entstechen und nicht erst beim Öffnen des Verschlusses. Insofern ist an Kipplaufwaffen Krieghoffs UAS ein großer Fortschritt, natürlich erst recht die Feinabzüge an Handspannerwaffen.

Fein eingestellte Stecher haben Vorteile bei sehr schwierigen Schüssen. Etwa den stehend-freihändig oder kniend abzugebenden Schuss auf mittlere Entfernung. Aber auch beim weiten Schuss unter Hilfenahme eines Berg- oder Zielstockes. Auch beim weiten Schuss auf kleine Ziele mit aufgelegter Waffe hat man mit einem Stecher Vorteile.

Eines ist aber sicher: Mit einem Stecher lernt man das Schießen nicht. Nur wer sauber mit einem Flintenabzug das Schießen beherrscht, kann auch einen Stecher benutzen. Stecher sind zurecht als Sicherheitsrisiko in Verruf gekommen. Zu fein eingestellte Stecher können beispielsweise bei sehr großer Kälte nicht mehr halten, und es kann zu einer unbeabsichtigten Schussauslösung beim Einstechen kommen.

Aufgrund der Empfindlichkeit der Stecher kann sich ein Schuss auch durch Erschütterung unbeabsichtigt lösen, etwa bei einem Stellungswechsel bei der Pirsch mit eingestochener Waffe. Oder man berührt unbeabsichtigt den Stecher. Sicherlich sind “Stecherfehler” meist auf unsachgemäße Bedienung zurückzuführen. Diese kann man aber auch nicht vollkommen ausschließen.

Bei Bewegungsjagden, mit oft kaltem Abzugsfinger, sind Stecher ein Sicherheitsrisiko ersten Ranges. Sie sollten zum flüchtigen Schuss auf der Jagd nie benutzt werden. Eine unkontrollierte Schussauslösung kann hier zu großem Schaden führen.

Zwei Stecher an einer mehrschlossigen und mehrläufigen Kipplaufwaffe erachte ich als Sicherheitsrisiko ersten Ranges. Nicht jeder wird sie vollkommen sicher und vorschriftsmäßig in allen Situationen bedienen. Sie erfordern für den Jagdbetrieb zuviel Aufmerksamkeit.

Feinabzüge an Handspannerwaffen sind praktisch ein Kompromiss zwischen Stecher und Flintenabzug. Sie halten besser als ein eingestochener Abzug und sind unproblematisch bedienbar. Man kann beim flüchtigen Schießen den Finger an den Abzug legen, ohne dass sich ein Schuss löst. Dank niedriger, teils stecherartig feiner Widerstände (rund 150 bis 600 Gramm) lässt es sich verzugsfrei und sehr sauber schießen.

Feinabzüge sind ideale Universalabzüge für alle Jagdarten vom hochpräzisen Schuss vom Ansitz bis hin zum flüchtigen Schuss auf Drückjagden. Auch die etwas härteren Feinabzüge an mehrschlossigen Waffen (rund 800 bis 1200 Gramm Widerstand) lassen sich problemlos beherrschen. Für 98 Prozent aller jagdlichen Situationen sind Feinabzüge ideal und die restlichen zwei Prozent kann man mit ihnen noch gut meistern.

Krieghoffs UAS vereint Stecher und Flintenabzug. Hinsichtlich niedriger Abzugswerte für das Direktabziehen an mehrläufigen Kipplaufwaffen ist das UAS zusammen mit Feinabzügen unübertroffen. Es ist somit ideal für Doppelbüchsen oder Bockbüchsflinten und Drilling, wenn man diese auch für den flüchtigen Schuss einsetzt.

Zudem lassen sich zwei Abzüge mit annähernd denselben Widerstand einstellen. Das hat Vorteile bei schneller Schussfolge. Man verzieht die Waffe beim zweiten Schuss nicht. Für den ruhig abzugebenden Punktschuss kann man den Abzug einstechen. Das UAS weist eine sehr gute Abzugscharakteristik auf. Die Stecher lassen sich sehr fein einstellen. Als Direktabzug benutzt stehen die Abzüge trocken; man kommt beim flüchtigen Schuss sehr gut zurecht. Abzugswiderstände zwischen 1.000 und 1.400 Gramm sind dafür sehr gut geeignet.

Gute Flintenabzüge an Repetierern sollten auf Widerstände zwischen 700 und 1.000 Gramm eingestellt sein. Sie lassen eigentlich keine Wünsche offen. Mit ihnen kann man rund 95 Prozent aller jagdlichen Situationen sehr gut bis hervorragend meistern, und das bei sehr hoher Sicherheit. Egal, ob man liegend aufgelegt, kniend, aufgelegt vom Hochsitz oder stehend freihändig auf flüchtiges Wild schießt. Ein guter Flintenabzug ist sehr sicher, zuverlässig und unproblematisch, idiotensicher bedienbar.

Mit meinen Jewell-Abzügen konnte ich auch sehr schwierige Situationen bestens meistern. Sie sind in jeder Hinsicht hervorragend und decken 100 Prozent der jagdlichen Anforderungen ab.

Man muss seine Abzüge beherrschen: sowohl beim Abziehen als auch in der praktischen Handhabung. Übung verschafft hier Sicherheit. Ideal ist natürlich dieselbe Abzugsart in allen Jagdwaffen. Aufgrund verschiedener Hersteller, Techniken und Modelle ist dies jedoch nur ein Wunschtraum.

Beim Kauf einer Jagdwaffe sollte man aber dem Abzug eine gehörige Aufmerksamkeit widmen. Er hat bedeutenden Anteil am Treffen, aber auch hinsichtlich Sicherheit im praktischen Jagdbetrieb. Er entscheidet oft über Fehlschuss oder Treffer.

Sonderformen von Abzügen wie Matchabzüge (stecherartig fein eingestellte Druckpunktabzüge), Druckpunktabzüge oder sehr harte (Militär-)-Abzüge sind für die Jagd nicht brauchbar.

Beim Abziehen sollen sich nur die beiden vorderen Abzugsfingerglieder bewegen. Ein korrekter Abzugsabstand ist Voraussetzung für korrektes Abziehen.

Viele schießen mit steilem Pistolengriff am besten, weil sie beim Abziehen die Waffe damit nicht verziehen oder herunterdrücken. Ich bevorzuge flachere Pistolengriffe. Besonders in stärkeren Kalibern ist damit ein angenehmes Schießen möglich. Keinesfalls darf der Griff verkrampft sein.

Sauberes Abziehen ist Grundvoraussetzung für das Treffen. Keinesfalls kann ein Abzug alles optimal leisten. Verschiedene Einsatzgebiete erfordern unter Umständen verschiedene Abzüge. Außerdem hat jeder Mensch ein anderes Gefühl im Abzugsfinger. Man sollte deshalb durch Übung herausfinden, welcher Widerstand individuell der richtige ist.

F

A

Folgeseiten:
[– 1 –]
[– 2 –]
[– 3 –]
F