Was erschwert Nachsuchen?

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Angekündigt war die Nachsuche auf einen besseren Frischling …

Wind, Hitze und trockener Boden

Ähnlich schwierig sind für die Hundenase extreme Hitze und staubtrockene Bodenverhältnisse. Es ist zwar Wittrung vorhanden, jedoch setzen sich die Schleimhäute im Nasen- und Rachenbereich zunehmend mit feinstem Staub zu, was die Nasenleistung offensichtlich erheblich einschränken kann. Mit mehrmaliger Wassergabe kann man dem Hund jedoch über das Schlimmste hinweg helfen.

Ebensolche Schwierigkeiten verursacht anhaltend starker Wind, noch verschärft in Verbindung mit hoher Hitze. Der Wind verträgt, ja verweht, offensichtlich die Duft-Partikelchen, sodass sie irgendwann offenbar auch für die geschulte Hundenase nicht mehr wahrnehmbar sind.

Wer schon einmal mit einem Schweißhundführer eine über Kilometer verlaufende Suche mitgemacht hat, wird bei starkem Wind festgestellt haben, wie leicht der Hund die Fährte in geschlossenen Beständen arbeitet und welche Schwierigkeiten er auf offenen Flächen, insbesondere unbegrünten Feldflächen, auf denen der Wind steht, hat. Das kann soweit gehen, dass man die Fährtenarbeit nicht weiter voranbringt; man hilft sich dann mit Vorsuchen in der vermuteten Fluchtrichtung, um die Wundfährte wiederzufinden, eine oft recht zeitraubende Arbeit.

Entgegen der landläufigen Meinung ist Regen weniger problematisch, sehen wir einmal von stundenlangem schweren Dauerregen ab. Nach meinem Eindruck bindet Regen eher die Wittrung. Die Probleme liegen eher darin, dass man nach längerem Regen keine Pirschzeichen mehr findet. Die Fährtenarbeit wird dann zum “reinen Blindflug”. Nur der Führer kann anhand des Verhaltens seines Hundes darauf schließen, ob er noch die richtige Fährte arbeitet, oder auf eine Verleitfährte changiert ist. Noch viel ausgeprägter zeigt sich das auf einer überschneiten Wundfährte. Ein Beispiel:

Überschneite Wundfährte

In einem Hochtaunus-Revier war auf einer Weizensaat gegen 23 Uhr eine einzelne Sau mit der 9,3×64 beschossen worden. Als der Schütze, ein sehr erfahrener Jäger, und ich am darauffolgenden Morgen am vermeintlichen Anschuss standen, hatte es etwa zehn Zentimeter geschneit. Wir fanden weder den Anschussbruch geschweige die Schnittborsten, die E., der Schütze, gefunden hatte.

Mit Bestimmtheit konnte er allerdings sagen, dass die nach seiner Meinung etwa 35 Kilogramm starke Sau vor dem Schuss bereits vorne links geschont hatte und nach dem Schuss rechts neben einer einzelnen Eiche ins Holz geflüchtet war.

Im vermeintlichen Anschuss-Bereich ließ ich Tasso, meinen BGS-Rüden, vorsuchen. Als er im Schnee scharrte, also augenscheinlich verwies, konnte ich jedoch weder Borsten noch Schweiß bestätigen.

Der Rüde arbeitete bedächtig, nur hier und da den Fang in den Schnee tupfend, über die Feldfläche rechts an der Eiche vorbei in den angrenzenden Buchen-Eichenbestand. Nach rund 2,5 Kilometer Riemenarbeit durch mal dichtere, mal offenere Fichtenbestände verwies der Hund auffällig am einem quer liegenden Stamm. Ich räumte den Schnee beiseite und fand auf dem Holz tatsächlich abgestreiften Schweiß. Nach einem weiteren Kilometer standen wir vor einem durch Schneebruch arg lädierten Fichtenstangenholz.

Ob die Sau wohl hier steckte? Ich bat E., sich an einem Hauptwechsel vorzustellen und ließ den Rüden dann nach verabredeten zehn Minuten weiterarbeiten. Es kam wie vermutet. Nach achtzig Metern “Hindernislauf” in diesem Bruchwald, verhoffte der Hund. Mit gesträubtem Kamm äugte er zu mir zurück. Ich nahm dem Rüden die Halsung ab.

Rund 30 Meter vor mir Hundegekeif, tiefes Grunzen, dann Hetzlaut, der 100 Meter weiter in tiefen Standlaut überging. Jetzt kam mir der Schnee zugute. Ich folgte der Fährte des Hundes und gelangte zum Kessel, in dem ich wenig Schweiß fand. Aber wir waren wenigstens am richtigen Stück.

Während ich den Kessel untersuchte, wurde mir klar, dass das keine Sau von 35 Kilogramm war. Ich stellte mich also auf “etwas Größeres” ein und pirschte gegen den Wind in Richtung Standlaut. Eine Rückegasse machte mir trotz kreuz und quer hängender Fichten die Annäherung und Sicht etwas leichter.

Dann starkes Brechen vor mir. Der Hundelaut brach ab und dann kam die Sau in der Rückegasse auf mich zu. Mit offenem Gebräch, blitzenden Gewehren und aufgestelltem Kamm im stibenden Schnee, ein herrliches Bild – Sternstunden eines Schweißhundführers.

Zunächst war ich ziemlich gelassen, doch dann wurde ich hektischer, weil plötzlich einfallendes Sonnenlicht auf der angeschlagenen Büchse Kimme und Korn verschwimmen ließen. Ich brachte also die entscheidenden Schüsse nicht heraus, nicht zuletzt, weil ich in diesem Moment nicht genau wusste, wo der Hund war.

Also knallte es erst, als die Sau keine drei Meter vor mir war. Nach dem Schuss sprang ich instinktiv zur Seite und spürte gleichzeitig einen Stoß im Kniebereich. Das hatte zur Folge, dass ich auf dem Rücken landete, leider genau auf einem hochstehenden Wurzelstock.

Der Schreck fuhr mir allerdings erst in die Glieder, als ich feststellte, dass ich mich aufgrund dieses Sturzes nicht bewegen konnte. Ich lag da quasi wie eine gekrellte Sau. Wie lange dieser Zustand dauerte, kann ich heute nicht mehr sagen.

Tasso hatte zwischenzeitlich den Keiler wieder gestellt. Irgendwann hörte ich einen Schuss und kurz darauf war E. bei mir. “Alles in Ordnung” rief er, “der Hund steht bei der verendeten Sau. Mensch, Achim, es ist ein reifer Keiler.” Mit E.’s Hilfe kam ich wieder auf die Läufe und nach und nach kehrte die gewohnte Elastizität zurück. Der noch etwa 80 Kilogramm starke, abgekommene sechs- bis siebenjährige Keiler hatte einen frischen Pinselschuss und eine alte Vorderlaufverletzung. Das hatte sicherlich seine “Übellaunigkeit” gefördert. Wenn ich nach solchen Erlebnissen daran denke, wie sorglos manche nachts in Dickungen kranken Sauen hinterher kriechen, stehen einem die Nackenhaare zu Berge!

Schnee ist also nicht das Problem für die Hundenasen, sofern er nicht angetaut und im Nachhinein wieder überfroren ist. Schnee hält die Wittrung, ja bindet sie sozusagen.

Schwierige Nachsuchen

Nachsuchen werden weiterhin erschwert, wenn öfter Wild in Anblick kommt. Kein Hund, und sei er noch so erfahren und “abgebrüht” reagiert nicht auf eräugtes Wild, sowohl bei der Riemenarbeit als auch bei der Hetze. Warme Verleitfährten tun ihr Übriges. Der Hund verändert allerdings dann, für den Führer deutlich erkennbar, sein Verhalten. Aus der ruhigen Riemenarbeit wird ein heftes Hin und Her. Man tut gut daran, den Hund dann abzulegen, um ihn nach ein oder zwei Zigarettenlängen wieder zur Fährte zu legen. Meist hat er die Verleitung dann “vergessen” und besinnt sich wieder auf seine Wundfährte.

Ähnlich schwierig, wenn nicht noch schwieriger, sind Nachsuchen nach großen Drückjagden. Bei hohen Strecken liegen viele Aufbrüche im Revier. Von den Lieferfahrzeugen, meist Anhänger, gelangt Schweiß auf Wege und Trassen. Das zu bergende Wild wurde nicht selten über Schweißfährten gezogen, sodass man sehr firme Hunde braucht, um sich durch dieses Labyrinth von Verleitungen hindurch zu finden. Zentrale Aufbrechplätze einzurichten und die Hänger mit einer dünnen Strohschicht zu versehen, hilft hier erheblich.

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… die rote Fährte führte aber zu einem reifen Keiler, der sofort annahm.
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