Das Naturalis-Geschoss von Lapua

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Da auch bei Büchsenpatronen über Bleibestandteile kontrovers diskutiert wird, hat die Firma Lapua sich an die Entwicklung eines „bleifreien” gemacht.

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Das Naturalis-Geschoss von Lapua besteht fast zu 100 Prozent aus Kupfer. Es ist ein Deformationsgeschoss, das kaum Splitter abgibt.

Das „Naturalis” besteht zu fast 100 Prozent aus Kupfer, das speziell gehärtet wurde. Der Kupfer-Abrieb im Lauf ist damit erfreulich gering.

Im vorderen Teil wurde der Geschosskopf angebohrt. Die Bohrung ist mit einem Kunststoffeinsatz abgedeckt. Trifft das Geschoss auf, wird der Kunststoffeinsatz in den darunter liegenden Hohlraum gedrückt. Das führt zu kontrolliertem Aufpilzen des Geschosses (etwa doppelter Kaliberdurchmesser). Das Restgewicht liegt nahezu bei 100 Prozent. Das Rundkopfgeschoss hat allerdings einen schlechteren BC-Wert (BC = Ballistic Coefficient) als spitze Geschosse, also eine weniger gestreckte Flugbahn.

Lapua Patronen mit dem Naturalis-Geschoss gibt es zurzeit in den Kalibern 6,5×55, 7×64, .308 Winchester, .30-06, .300 Winchester Mag. und 9,3×62. 8x57I(R)S wird ab Mai lieferbar sein, .243 Winchester und .338 Lapua Magnum ab Mitte des Jahres.

Selbstverständlich sind 20 erlegte Stücke Wild keine Zahl, die ein abschließendes Urteil über die Wirkung dieses Geschosses zulassen. Doch ist die Schusswirkung in vielen Fällen durch die Geschosskonstruktion und das Material erklärbar.

17 Stück Rehwild wurden im Test-Zeitraum damit erlegt. Entfernung 50 bis 150 Meter. Bei klassischen Schüssen auf breit stehendes Wild hinter dem Blatt (die „Zehn“ auf der Rehbockscheibe) flüchteten die Rehe durchweg zwischen 20 und 50 Meter. Da das Geschoss kaum Splitter abgibt, hielt sich die Wildbretentwertung in Grenzen. Bei Schüssen über 100 Meter war auch die Hämatom-Bildung akzeptabel. Bei Nahschüssen um die 50 Meter kam es teilweise zu starker Hämatom-Bildung.

Bei den beschriebenen kurzen Fluchtstrecken waren deutliche Pirschzeichen (Schweiß) zu erkennen. Bei normalem Tageslicht ließ sich die Schweißfährte auch ohne Hund problemlos bis zum Stück verfolgen. Bei abendlichen Jagden gegen Ende des Büchsenlichtes habe ich mir angewöhnt, etwas weiter nach vorn auf die Blätter zu schießen. Dann liegen die Stücke verständlicherweise im Knall. Die Wildbret-Entwertung ist dann allerdings entsprechend größer.

Bei Laborierungen wie dem Naturalis-Geschoss mit fast 100-prozentiger Deformation des Geschosses ohne Splitterabgabe muss man sicherlich mit geringen Fluchtstrecken bei schwachem Schalenwild wie Rehen rechnen.

Es wurden auch zwei IIIer-Hirsche mit dieser Patrone erlegt. Auf 60 Schritt halbspitz von vorn beschossen flüchtete der Hirsch gerade mal zehn Schritt. Der Einschuss saß am Trägeransatz. Das Geschoss steckte auf der anderen Seite kurz vorm Zwerchfell. Es war klassisch aufgepilzt, nur leicht verbogen (siehe Foto). Das Restgewicht beträgt 11,6 Gramm. Aufgrund der geringen Schussentfernung beklagte sich der Wildbrethändler über starke Hämatombildung.

Das Gegenteil bei einem geringen Sechser-Hirsch vom zweiten Kopf: Schussentfernung knapp 200 Meter. Schuss halbspitz von vorn, Einschuss auf dem Blatt, Ausschuss auf der Leber. Die Fluchtstrecke betrug reichlich 50 Meter. Die Hämatombildung war gering.

Fazit: Dieses reine Deformationsgeschoss ist wohl gut geeignet für starkes Schalenwild, wo es seine ganze Wirkung entfalten kann. Bei Rehwild muss man, da keine Splitter abgegeben werden, mit geringen Fluchtstrecken rechnen.

Da wir im DJZ-Testrevier auf der Einzeljagd im Wald keine Sauen bejagen, sondern nur auf Bewegungsjagden, kam mit dieser Naturalis-Laborierung kein Schwarzwild zur Strecke. Bei stärkeren Sauen wird die Wirkung ähnlich wie bei Rotwild sein. Bei Frischlingen und geringen Überläufern sollte man wegen der Gefahr des Verhitzens eher auf die Blätter schießen. -Aro-

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