Prominente Jäger: Paul Freiherr von und zu Franckenstein

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DJZ 04/2014

X mal wurde der Roman von Mary Shelley verfilmt. Erst kürzlich lockte „I, Frankenstein“ Gruselfans in die Kinosäle. Ob Paul Freiherr von und zu Franckenstein was mit dem berühmten Monster zu tun hat, ist ungewiss. Sicher ist aber, dass er Waldbesitzer und Jäger ist.

Von Hans Jörg Nagel

 

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Der Baron in seinem Schloss in Ullstadt (Bayern). Fotos: Hans Jörg Nagel
Der Baron zerwirkt seine Beute gewissenhaft, danach landet sie im Kochtopf oder wird vermarktet. Außerdem verarbeitet der Schlossherr ausschließlich Wildbret – keine Menschenteile! Damit unterscheidet sich Paul Freiherrvon und zu Franckenstein deutlich von seinem Namensvetter Victor Frankenstein. Der sorgt mit seinem Monster seit 1818 bis heute für Gänsehaut. Millionenfach verkaufte sich der Roman der Britin Mary Shelley (1797–1851), zigfach wurde er verfilmt. Erst Anfang des Jahres lockte der Streifen „I, Frankenstein“ Gruselfans in die Kinosäle.
 
Nicht zum ersten Mal wird der 41-jährige Paul v. Franckenstein auf die Namensverwandschaft angesprochen: „Es gibt nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass meine Familie irgendetwas mit dem Monster zu tun hat.“ Aber es gibt welche: Einer davon ist die Tatsache, dass Mary Shelley kurz vor Erstellung ihres Meisterwerkes von England an den Genfer See (Schweiz) reiste. Dabei soll sie die Burg Frankenstein bei Darmstadt (Hessen) besucht haben, behauptet unter anderem der rumänische Historiker Radu Florescu. Journalist Walter Scheele legte noch einen drauf: Es gebe einen Briefwechsel von Jakob Grimm mit Shelleys Schwiegermutter, in dem von dem Zauberer Johann Konrad Dippel (1673) berichtet wird, der in Burg Frankenstein mit Leichenteilen neue Wesen erschaffen soll. „Was an den Geschichten dran ist, weiß ich nicht“, sagt der Baron. „Richtig ist, dass der Stammsitz meiner Familie die Burg Frankenstein bei Darmstadt-Eberstadt ist.“ Allerdings: Schon 1662 – also 150 Jahre vor Erscheinen des Romans – verließen die Burgherren Südhessen. Ein Zweig der Franckensteins wurde später in Ullstadt (Bayern) sesshaft.
 

Waldbesitzer und Rehwild-Knipser

 

Herr des Wasserschlosses im Landkreis Neustadt-Aisch/Bad-Windsheim ist Paul Freiherr von und zu Franckenstein. Der Baron lebt hier mit seiner Frau und 7 Kindern. Der studierte Jurist verdient sein Geld als Land- und Forstwirt. „Und natürlich bin ich Jäger“, betont der 41-Jährige, um nachzulegen: „Das ließ sich gar nicht vermeiden!“
 
Die Franckensteins haben große Ländereien mit hohem Waldanteil. Deshalb ist es nicht nur die Jagdpassion, die den Eigenjagdbesitzer die Büchse laden lässt, es geht ihm auch um Reduzierung der Waldwildschäden. Der Landbesitzer hat ein Ziel: In meinen Wäldern sollen sich alle natürlich vorkommenden Baumarten ohne Zaun verjüngen. Deshalb gilt es vor allem dem Rehwild: „Jährlich erlegen wir rund 20 Rehe auf 100 Hektar. Alleine bei der jüngsten Drückjagd kamen 81 zur Strecke.“
 

Mit 12 auf Eichelhäher

 

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Flintenjäger: Am eigenen Bach weidwerkt der Schlossherr gerne auf Breitschnäbel. Foto: Hans Jörg Nagel
Baron v. Franckenstein hat seit 1991 den Jagdschein. Adelstypisch prägten ihn auch hierbei seine männlichen Vorfahren: „Die waren alle Jäger. Das Weidwerk spielte in unserem Haus stets eine große Rolle. Kam Besuch, ging’s raus zur Jagd“, erinnert er sich an die Anfänge. Schon als 12-Jähriger habe er im Schlossgarten Eichelhäher mit dem Kleinkaliber erlegt. Oft habe er aber auch seinen Vater in dessen Reviere nördlich von Frankfurt (Hessen) und Offenburg (Baden-Württemberg) begleitet. Da ging es vor allem auf Hasen und Fasanen. Doch die Haus- und Hofjagd waren stets die Wälder und Felder Ullstadts.
 
Kaum den grünen Schein in der Tasche wurde standesgemäß der 1. Bock auf die Decke gelegt. Aber dem Schlossherren ist seine 1. Entenjagd viel intensiver in Erinnerung geblieben: „Es war ein trocken-kalter Abend. Mit 4 oder 5 Schützen pirschten wir am schlossnahen Bachufer entlang, die Hunde taten ihre Arbeit. Eine sehr spannende und schließlich auch einträgliche Pirsch: Am Ende hatten wir 10 Enten in unseren Rücksäcken.“
 
 

Wald-Sauen und Flinten-Hasen

 

Neben dem eigenen Landbesitz bejagt der Freiherr auch das Revier Ullstadt-Langenfeld. Auf der etwa 1.400 Hektar großen Pachtfläche zieht Schwarz- und Rehwild seine Fährten. Ein weiteres Revier hat er mit anderen zusammen in Sachsen-Anhalt. Hier kommt auch Rotund Damwild vor – und bisweilen der Wolf. „Das macht mich jagdlich allerdings nicht nervös“, beteuert der Grünrock. Anders sieht es beim Biber aus: „Der besiedelt Ullstadt immer mehr. Alleine auf meinen Jagdflächen und im angrenzenden Sugenheim gibt es zusammen 14 Biberburgen. Und die Nager gehen ganz schön zu Schaden.“
 
Mit der Schwarzwildjagd hält es v. Franckenstein ähnlich wie DJZ-Berufsjäger Erich Kaiser: Im Wald wird kein Schwarzkittel bejagt. Einzige Ausnahme: die herbstlichen/winterlichen Drückjagden. „Da fallen mal 3 oder 4 Sauen, dann mal 30 bis 35. Es ist ein Hoch und Runter“, stellt er fest.
 
Und er scheint so alles richtig zu machen, denn: Den jährlichen Wildschaden auf Anbau- oder Grünflächen bilanziert er mit „nicht nennenswert“. Jagdliche Abwechslung bieten ihm zudem die Flintenjagden. Auch heute noch liebt der Jurist die Jagd auf Breitschnäbel. „Aber so alle 3 bis 4 Jahre, wenn wir das Gefühl haben, der Besatz ist stabil, geht es auf Hasen.“ Einzig die Waldflächen werden hierbei durchgedrückt, und am Ende liegen bei 20 Schützen im Schnitt 20 Langohren. Fasanen stehen ebenfalls auf der Liste des 41-Jährigen. Dafür reist er auch gerne mal nach Ungarn: „Da lebt mein Bruder. Alle 2 Jahre besuche ich ihn, und dann geht’s raus auf Gockel.“
 

Ökologischer Grünrock

 

Franckensteins Frau Marili hat ebenfalls den Jagdschein. Aber Mutterpflichten (7 Kinder von 1 bis 14 Jahren) haben die Jagdpassion weitgehend abgelöst. Ihr Ehemann ist nicht nur Familienvater, Waldbauer und Jäger, er ist auch engagiert. Unter anderem als Mitglied im Waldbesitzerverband und Beirat im Ökologischen Jagdverein (Bayern).
 
Was hat ihn dazu bewogen, den BJV zu verlassen und stattdessen im ÖJV aktiv zu werden? „Der ÖJV geht die Dinge nüchtern an. Hier sind sachliche Diskussionen möglich. Anders als beim BJV. Der ist mir zu statisch.“ Als konkretes Beispiel führt der Waldbesitzer an: „Der BJV begründet nicht ordentlich, warum es einem Jäger nicht überlassen bleibt, Rehböcke auch im Winter zu erlegen. Vielleicht liegt es daran, dass dann die Pflichttrophäenschauen wegfallen würden und der Verband so ein wichtiges Forum verliert“, mutmaßt er und betont: „Jäger sollten das Jagen frei gestalten können.“ Ihn stört auch das sture Festhalten an Rehwild-Abschussplänen. Der Plan dürfe eh 20 oder gar 40 Prozent übererfüllt werden und sei somit nützlich wie ein Kropf. „Es gibt gute Jahre, da schieße ich viele Rehe und schlechte, da kommen mir weniger vor die Büchse.“ Der Waldbauer weiter: „Nur die Verbisssituation kann Maßstab für die Rehwildbewirtschaftung sein! Wieviele letztlich geschossen werden müssen, wissen die Jäger und Grundstückseigentümer am besten. Und das kann sich jedes Jahr ändern.“
 
Bleibt noch die entscheidende Frage, warum sich sein Nachname mit „ck“ schreibt, während Marie Shelleys Leichenfledderer Victor ein Frankenstein mit schlichtem „k“ war. „Das sich die Schreibweise von Namen im Mittelalter oft geändert hat, ist keine Seltenheit. Ich muss befürchten, dass ich so nicht aus der Monster-Nummer herauskomme.“
 
 


Steckbrief: Die Franckensteins

 

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Die Familie Franckenstein entstammt dem Geschlecht der Breuberger. Konrad Reiz von Breuberg erwähnt in einer Urkunde 1252 erstmals die Burg Frankenstein bei Darmstadt-Eberstadt als Stammsitz der Familie. Konrads Söhne nennen sich dann von und zu Franckenstein. Aufgrund dauernder Konflikte mit den benachbarten Landgrafen wurde die Burg 1662 verkauft und mit dem Erlös die Herrschaft Ullstadt im heutigen Mittelfranken gekauft. Das Hauptgebäude des Ullstädter Schlosses wurde 1722 errichtet, die Seitenflügel 30 Jahre später. Aktuell ist Paul Freiherr von und zu Franckenstein Schlossherr in Ullstadt. Hier lebt der 42-jährige mit Frau Marili und 7 Kindern. Zu seinem Besitz gehören große Wald- und landwirtschaftliche Flächen, die der Volljurist bewirtschaftet. Den Jagdschein machte der Baron 1991. Seine Frau ist ebenfalls Jägerin. Neben seiner Mitgliedschaft im Waldbesitzerverband engagiert er sich auch im ÖJV. na
 
 


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