Prominente Jäger: Frank Luck

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In der Loipe und auf der Pirsch: Frank Luck gehört zu den erfolgreichsten deutschen Biathleten. Der Thüringer sammelte vor allem in den 1990er Jahren Edelmetall und Weltcup-Siege, wie kaum ein anderer. 1989 löste der heute 44-Jährige seinen ersten Jagdschein.

 

Wohl dem, der sein Hobby zum Beruf machen kann – Hut ab vor dem, der das gleich zweimal schafft…
 
Frank Luck ist so ein Glückspilz. Sein sportlicher Ehrgeiz lag von Kindheit an beim Biathlon: Er wurde Profi, Weltmeister und Olympiasieger. Seine zweite Leidenschaft ist die Jagd: Luck ist seit 2007 Berufsjäger auf Schloss Liebenberg. „Irgendwie habe ich schon mein ganzes Leben lang ein Gewehr in der Hand. Sei es in der Loipe oder bei der Jagd auf Muffel, Gams und Oryx.“ Frank Luck lächelt zufrieden und erzählt, wie alles begann:
 
Geboren und aufgewachsen bei Schmalkalden in Thüringen, war es sein Vater, der Frank Luck in das Weidwerk einführte. Der engagierte Jagdleiter der örtlichen Jagdgenossenschaft verbrachte viel Zeit im Revier und ließ „Klein-Frank“ beim Hochsitzbau oder der Reparatur von Jagdeinrichtungen ordentlich den Hammer schwingen. Aber auch bei Jagdausflügen mit Büchse und Flinte war der damals 5- oder 6-jährige Filius häufig mit dabei. „Spätestens als das erste Stück Damwild lag, und mein Vater andächtig den Hut zog, hatte ich Blut geleckt“, erinnert sich Frank Luck. Dies nicht zuletzt auch, weil ihm die jagdliche Arbeit mit den Hunden seines Vaters viel Freude bereitete. „Für unsere Dachsbracke durfte ich schon als kleiner Junge die Kunstschweißfährte tupfen. Es war unheimlich spannend, den Hund später beim Ausarbeiten der Schleppe zu beobachten“, sagt der heute 44-Jährige, und seine Augen strahlen noch immer.
 
Nicht ganz einfach sei es zu DDR-Zeiten gewesen, Bracken oder Schweißhunde zu bekommen. Vorstehhunde, Teckel und Terrier dagegen problemlos. Bereits als ABC-Schütze war Luck ein „alter Fuchs“ auf Skiern. Schon mit 3 Jahren machte er seine ersten Langlauf-Touren. 9 Jahre in der Loipe – so ganz ohne Gepäck – waren dann genug. Mit 12 Jahren kam das Gewehr hinzu. Beginn einer erfolgreichen Biathlon-Karriere.
 

Erster Titel, erste Beute

 

So kannte man Frank Luck. Im Zieleinlauf mit der Deutschlandfahne und einem Titel mehr. (Foto: Frank Luck)
So kannte man Frank Luck. Im Zieleinlauf mit der Deutschlandfahne und einem Titel mehr. (Foto: Frank Luck)
„Irgendwer erkannte irgendwann mein Talent. Bereits mit 13 Jahren kam ich in die Kinder- und Jugendsportschule nach Oberhof.“ Obwohl das nur 25 Kilometer von seiner thüringischen Heimat entfernt liegt, verbrachte Luck die Woche im angeschlossenen Internat. „Ganz klar: Zu dieser Zeit habe ich mich ausschließlich auf den Sport konzentriert. Für viele Jahre spielte die Jagd nur eine untergeordnete Rolle“, betont der Biathlet. Das änderte sich 1989: Gerade im Jahr seiner ersten großen sportlichen Erfolge (Weltmeister Sprint und Weltmeister Staffel) absolvierte der damalige Sportsoldat im Arbeiter- und Bauernstaat die Jägerprüfung. „Der Grundstock für eine erfolgreiche Sportkarriere war gelegt, und Zweifel an einer Art Verwandtschaft von Biathlon und Jagd hatte ich nie“, erklärt Frank Luck. Bis 2004 folgten fast jährlich weitere WM-Titel und die ein oder andere Olympiamedaille.
 
Doch auch jagdlich lief bei dem Thüringer so einiges. Frank Luck: „Nach der Saison – manchmal bis hin zum Frühsommer – herrscht für Wintersportler Trainingspause. Und die nutzte ich natürlich für die Jagd. Aber auch im übrigen Jahr konnte ich immer mal wieder Freiräume für Pirsch und Ansitz abzwacken.“ Mit druckfrischem Jagdschein und WM-Gold an der Brust sorgte Luck noch 1989 für die erste Kerbe im Gewehrschaft: „Es war ein Fuchs. Auf dem Rückwechsel vom Ansitz zum Auto eräugte ich den Rüden auf einer Wildwiese. Ich schoss mit der kleinen Kugel und sah Reinecke in eine Dickung verschwinden. Kurze Zeit später fand ich ihn. Er war nicht mehr weit gekommen.“
 
Er habe noch lange in Gedanken an seiner ersten Beute verweilt – und ein „unbeschreibliches Gefühl“ beschleicht ihn noch jetzt an jedem erlegten Stück: „Es ist ein Mix aus Erlegerfreude, Andacht und Hinterfragen des jagdlichen Handelns. Aber irgendwann siegt stets das Glücksgefühl“, beschreibt er. Gerne beobachte er bis heute auch das Verhalten seiner Gäste während der Jagd. Er ist sich sicher: „Beim Weidwerk zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen!“
 
Bis zum Mauerfall hatte Luck weiterhin die Möglichkeit, gemeinsam mit seinem Vater zu jagen. Nach der Wende wurde der prominente Thüringer sofort Begehungsscheininhaber in einem Revier bei Schmalkalden. 2006 schließlich – 2 Jahre nach seinem Karrierefinale als Weltmeister im heimischen Oberhof – pachtete er dort ein etwa 500 Hektar großes Revier. Vorkommende Wildarten: Rot-, Reh- und Schwarzwild.
 

Praxis-Tipps und Jägerslust

 

Auf Rotwild in der Heimat: Bei Schmalkalden (Thüringen) hat der 44-Jährige ein 500-Hektar-Revier. (Foto: Frank Luck)
Auf Rotwild in der Heimat: Bei Schmalkalden (Thüringen) hat der 44-Jährige ein 500-Hektar-Revier. (Foto: Frank Luck)
Biathlon ist so schwierig, weil trotz körperlicher Höchstbelastung in der Loipe Ruhe und Konzentration am Schießstand erforderlich ist. Ähnliche Situationen kennen auch Bergjäger. Der Puls rast, die Lunge verlangt gierig nach Luft – und im Gegenhang steht der Gamsbock. Um jetzt möglichst fix und so sicher wie möglich zu schießen, hat der Olympiasieger 3 Empfehlungen:
  1. Die Zieloptik etwas herunterdrehen, um die eigene „Unruhe“ etwas zu verkleinern.
  2. Die Lungen beim Schuss nicht völlig aufblasen, sondern etwa 2/3 der Luft wieder ausstoßen, und den Atem dann kurz anhalten.
  3. Nicht warten, bis der Puls wieder völlig unten ist, denn dann sind die einzelnen Herzschläge härter. Am besten ist mittlerer Puls. Erhöhten Herzschlag kennt Frank Luck nicht nur vom Sport.
Seit 6 Jahren ist der ehemalige Profisportler Berufsjäger im Schloss Liebenberg (Brandenburg), nördlich von Berlin. „Hier ist jagdlich allerhand zu erleben. Nicht selten trifft man auch am helllichten Tag auf Dam-, Muffel- oder Schwarzwild“, berichtet der Jäger, der seit 2008 den Jagd-Terrier Cito als Begleithund für einen Bayerischen Gebirgsschweißhund führt. Unter anderem gehört zu den Aufgaben des Jagdleiters, Wildbretversorgung der Schlossküche oder Organisieren von Gesellschaftsjagden. „Egal wo und wann, ich schieße immer auf den Kammerbereich. Die Lüge vom Küchenschuss war ja erst kürzlich sehr schön in der DJZ nachzulesen“, lobt Luck und nennt die einzige Ausnahme: Der Fangschuss.
 
Das 2000-Hektar-Revier in Brandenburg mit seinen Jungholzbeständen, Dickungen und Schilfflächen lädt geradezu zum Pirschen ein. Und das ist auch die Lieblingsjagdart des 44-Jährigen. Er sei lieber aktiv. Stundenlang bewegungslos auf dem Hochsitz zu hocken, ist nur die zweitbeste Alternative. Zudem ist er auf die Jagd auf stehendes Wild fixiert. Luck: „Ich habe zu meiner Biathlon-Zeit mehr als 10.000 Schuss pro Jahr auf fixe Ziele abgegeben. Das sitzt!“
 
Immer wieder zieht es ihn zurück in die Heimat. In seinem Revier bei Schmalkalden kommt reichlich Rotwild vor. Neben so manchem 3er oder 2b-Hirsch streckte er erst im September vergangenen Jahres einen reifen 1er Hirsch vom 10. Kopf. Nachfrage nach Geweihgewicht und Endenzahl. Frank Luck: „Keine Ahnung. Es war ein ungerader.“ Trophäenkult ist nicht seine Welt.
 

Ein Petz mit Zahnweh

 

Namibia ist eines der Lieblingsländer des Jägers. Nicht nur wegen der starken Keiler. (Foto: Frank Luck)
Namibia ist eines der Lieblingsländer des Jägers. Nicht nur wegen der starken Keiler. (Foto: Frank Luck)
Thema Auslandsjagd. Frank Lucks Augen strahlen. Er habe natürlich auch damals bei Biathlon-Weltcuprennen oder anderen sportlichen Großereignissen die Gegend mit dem Jägerauge abgeleuchtet. Und so wuchs auch seine Leidenschaft zur Schafsjagd: „1988 bei den Olympischen Spielen in Calgary sah ich vom Highway aus Dallschafe und Bighorns – das hat mich fasziniert.“
Mitte der 1990er Jahre dann eine erste größere Auslandsjagd nach Alberta/Kanada. Hier erlegte Luck seinen ersten Elch und Schwarzbären. Der Petz sei gar nicht geplant gewesen, erinnert sich der Olympiasieger: „Er kam in unser Lager, knackte das Küchenzelt und stahl eine Elchkeule. Da habe ich ihn erlegt. Später stellten wir bei ihm einen ausgebrochenen Schneidezahn fest. Der Schwarze war zum dreisten Dieb geworden, weil er furchtbare Zahnschmerzen hatte.“
 
Neben Bergjagden in Österreich, Bulgarien oder auch Tschechien, zog es Luck bereits 4 Mal nach Namibia: „Dort habe ich allerdings nie einen Biathlon absolviert“, sagt er und lacht. Dafür führte er dort seine Büchse auf Kudu, Oryx, Eland, Schakal und Warzenschwein. Und auf diesem Kontinent möchte Frank Luck auch recht bald seinen großen Traum erfüllen: Die Jagd auf Kaffernbüffel in Ostafrika.
 
 

 

Auf Schloss und Gut Liebenberg in Brandenburg ist Luck seit 2009 Jagdleiter. (Foto: Hans Jörg Nagel)
Auf Schloss und Gut Liebenberg in Brandenburg ist Luck seit 2009 Jagdleiter. (Foto: Hans Jörg Nagel)
 

Steckbrief

 

Frank Luck
Frank Luck kam am 5. Dezember 1967 in Schmalkalden (Thüringen) zur Welt. Bereits mit 3 Jahren stand er auf Langlauf-Skiern, ehe er sich als 12-Jähriger für den Biathlon entschied. 1988 nahm er bereits an den Olympischen Spielen in Calgary (Kanada) teil und wurde 6. im Sprint. Der 1. von insgesamt 11 WM-Titeln folgte ein Jahr später. Hinzu kommen bis 2004 (Karriereende) unter anderem 2 x Gold, 4 x Silber und 4 x Bronze bei olympischen Spielen.
 
Seit 2006 ist Luck auf Schloss & Gut Liebenberg in Brandenburg angestellt. Seit 2009 Jagdleiter und für Wildbewirtschaftung und das dortige Jagdtrainingszentrum verantwortlich. Er ist Mitglied der Blaser Akademie und arbeitet mit der Zeiss-Training-Academy zusammen.
 
Frank Luck war verheiratet und hat aus dieser Ehe 2 Kinder. Derzeit ist er mit der Ex-Snowboardweltmeisterin Sandra Farmand liiert. Im März 2007 bekamen sie eine Tochter.
 
 
 
 
 
 


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