Prominenter Jäger: Prof. Dr. Klaus Mangold

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Er leitete unter anderem die Geschäfte bei Quelle und Daimler-Chrysler. Heute ist Prof. Dr. Klaus Mangold Honorarkonsul der Russischen Föderation in Baden-Württemberg. Dass er seit fast 40 Jahren jagt, ist nicht jedem bekannt.

Von Hans Jörg Nagel

 

Das Kontorhaus liegt in einem Gewerbegebiet von Stuttgart. Der Bürotrakt im 5. Stock ist videoüberwacht. Ein Schild neben der gesicherten Tür gibt Auskunft: „Honorarkonsul der Russischen Förderation für Baden-Württemberg“.
 
Zu Besuch bei Prof. Dr. Klaus Mangold. Der ehemalige Top-Industrielle, der unter anderem die Geschicke des Handelshauses Quelle und Autobauers Daimler-Chrysler leitete, ist seit 2003 Honorarkonsul. „Mein Unternehmen Mangold-Consulting dient als Vermittler zwischen Russland und Deutschland hinsichtlich gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen in den jeweiligen Ländern. Die Tätigkeit als Honorarkonsul ist übrigens ehrenamtlich“, betont er.
 

 

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Diesen kapitalen Hirsch erlegte Klaus Mangold im September dieses Jahres in Blühnbach (Salzburger Land/Österreich) (Foto: Klaus Mangold)
 

In ganz dünner Luft

 

Aber das ist nicht Hauptgrund des DJZ-Besuchs. Viel wichtiger ist Mangolds jagdliches Wirken. Und schon geht´s wieder nach Osteuropa:
 
„Zu meinen schönsten, aber auch beschwerlichsten Jagden gehören die Erlegungen von Marco-Polo-Argalis. 3 Mal war ich in Kirgistan, 3 Mal habe ich mit meinem Schweinehund gerungen, 3 Mal war ich erfolgreich“, berichtet der heute 70-Jährige. Das war Mitte der 1990er Jahren. Tagelang ging es zu Pferd und Fuß durch die endlosen Weiten Kirgisiens. Und dann waren da die extremen Höhenzüge des Tian-Shan-Gebirges: „Wir jagten bis auf 5.400 Meter. Oftmals schafften die Pferde die steilen Bergkämme nicht, so dass wir zu Fuß weiter mussten. Die dünne Luft da oben hat mir förmlich den Atem abgeschnitten“, erinnert sich der trotz seines Alters topfite Manager.
 
Und die Schussentfernungen auf das begehrte Wild seien in allen Fällen sehr weit gewesen. „Genau das war der Reiz. Das Wild dort ist extrem vorsichtig. Wolf, Schneeleopard, Bär und Mensch zwingen die Schafe zu äußerster Wachsamkeit. So musste ich 2 Mal auf 300 und 1 Mal sogar auf 400 Meter schießen. Aber glücklicherweise lagen alle Stücke im Feuer“, freut sich der passionierte Bergjäger. Ihn beeindruckt das Marco-Polo-Argali besonders wegen seiner Cleverness: „Es ist perfekt organisiert. Bei Gefahr staffelt sich das Rudel so, dass es unheimlich schwer ist, ein Stück freizubekommen. Jedes scheint mit seinem Körper ein anderes zu schützen. Das habe ich bei keiner anderen Wildart so perfekt beobachtet.“
 
Und schließlich sei Jagd in Kirgistan noch so richtig ursprünglich. Neben den körperlichen Strapazen, dem fehlenden Luxus und den Wetterkapriolen betont er eine „fast vergessene“ Kommunikation in den kirgisischen Bergen. „Mit anderen Jagdtrupps verabredeten wir uns zum Essen oder baten um Unterstützung mit Hilfe von Signalspiegeln. Die Sonnenlichtzeichen wurden bis auf 8 Kilometer gesehen und richtig gedeutet. Einfach phänomenal!“
 

Bewusstes Töten

 

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Der Jagdherr bei der Begrüßung von befreundeten Grünröcken in seinem Revier Bittelbrunn (Foto: Klaus Mangold)
Zurück zu den Anfängen. Prof. Mangold erinnert sich: „Mein Onkel war seinerzeit Kreisjägermeister im Enzkreis. Er nahm mich schon als 15-Jährigen häufig mit zur Jagd. Aber ich beendete erst mein Studium, bevor ich das Grüne Abitur anging.“ 1973 war das. Nicht zuletzt hatte auch die Familie seiner Frau Anteil. „Alles Jäger“, schildert er kurz und knapp.
 
Im selben Herbst erlegte Mangold sein erstes Stück. Einen Fuchs. „Abendansitz. Ich schoss auf 60 Meter. Reineke hörte den Knall nicht mehr. Am erlegten Stück realisierte ich, dass ich soeben bewusst und mit Vorsatz getötet hatte. Diese Gedanken habe ich bis heute, wenngleich die jagdliche Freude natürlich überwiegt.“
 
Prägender war für ihn die Erlegung des 1. Bocks im folgenden Juni. Sein Onkel hatte ihm den mehrjährigen Gabler genau beschrieben. Viele vergebliche Ansitze folgten. „An einem Sonntagmorgen bekam ich ihn dann endlich in Anblick. Auf rund 90 Meter ließ ich fliegen. Ein kurzes Rucken des Stücks, und weg war es. Ich war mit den Nerven völlig am Ende.“
 
Doch die erfolgreiche Nachsuche des herbeigerufenen Jagdaufsehers mit dessen Wachtelrüden dauerte nicht lange. „Bis heute ist mir die Bockjagd die liebste!“, bekennt der 70-Jährige.
 

Blatten mit Garantie

 

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Bei Prof. Dr. Klaus Mangold dreht sich fast alles um die Jagd (Foto: Hans Jörg Nagel)
1984 pachtete der zweifache Familienvater sein 1. Revier. Die 700 Hektar-Jagd liegt bei Münstertal im Landkreis Breisgau/Hochschwarzwald. Vorkommende Wildarten: Reh-, Schwarz-, etwas Gams- und Raubwild. „Nicht leicht zu bejagen. Alleine 600 Höhenmeter müssen vom tiefsten bis zum höchsten Punkt überwunden werden. Aber traumhaft schön mit Fernblicken auf die Vogesen und das Rheintal“, beschreibt der Manager sein Revier, dass er in seiner Freizeit so oft es geht aufsucht.
 
Eine weitere Jagd hat Mangold bei Bittelbrunn, zwischen Donaueschingen und Bodensee. Von 1994 an war er dort Pächter, seit 2008 sind rund 1.000 Hektar sein Eigentum. „Weitere 300 Hektar habe ich zur Abrundung hinzugepachtet. Neben Reh- und Schwarzwild schaut gelegentlich Damwild vorbei, das aber geschont wird“, so der Honorarkonsul. Hier verbringt er gerne die Blattzeit mit seinen beiden Söhnen. Er beschreibt die Rufjagd auf den Bock als den gefühlten Höhepunkt eines Jagdjahres. 90 Prozent seines männlichen Rehwildes fällt in dieser Zeit. „Das waren heuer 30 Böcke – in beiden Revieren“, rechnet Mangold nach. Und der Freund von Kipplaufbüchsen weiß auch genau, wann es auf den liebestollen Bock am besten klappt: „Immer am 6. August, zwischen 17 und 19 Uhr!“ Warum? „Das Revier Bittelbrunn gehörte früher dem Hause Fürstenberg. Aus deren Reviernachlass habe ich eine historisch-wertvolle Jagdstatistik übernommen. Die dokumentiert akribisch genau die Abschüsse der vergangenen 60 Jahre. Und genau an diesem Tag fielen seit damals die meisten und besten Stücke.“
 
Böcke haben für Mangold etwas Mystisches. Sie seien unberechenbar, mal hier, mal da – trotz Standorttreue und Territorialgehabes. Dagegen genießt der rüstige Weidmann bei der Jagd auf Gamswild die körperliche Herausforderung. Viel Freude hat er aber auch an winterlichen Drückjagden auf Schwarz- und Raubwild. Dagegen bekennt er: „Flintenjagd auf Hase und Fasan ist schön, aber nicht meine große Passion.“
 
Mit kleinen Ausnahmen (Kirgistan: Marco-Polo-Argali, Österreich: Gams und Rotwild sowie Rumänien/Ungarn: Rotwild) reizt ihn auch die Auslandjagd nicht sonderlich: „Afrika zum Beispiel ist für mich völlig uninteressant. Ich habe einfach keinerlei Bezug zu den dortigen Wildarten.“
 

Freies Jagen

 

Mit großer Freude und „zum Gedenken“ führt Klaus Mangold vorrangig eine Ferlacher Doppelbüchse im Kaliber .270 Win. Das Geschenk eines Freundes zum 60. Geburtstag. „Leider lebt er nicht mehr. Seinen Namen und Todestag habe ich auf die Büchse gravieren lassen: Georg Pappas – 16.02.2008.“ Am Strick führt er seit 27 Jahren Bayerische Gebirgsschweißhunde – aktuell den 3.
 
Bei der Frage nach jagdlichen Träumen wird Prof. Dr. Klaus Mangold nachdenklich. Gerne würde er nochmal auf einen alten, kapitalen Gamsbock in traumhafter Bergkulisse weidwerken. Aber viel wichtiger ist ihm: „Ich möchte weiterhin ohne unsinnige Beschränkungen Jäger sein können. Ein neues Jagdgesetz, dass mich in meinem Tun zu stark und überflüssigerweise bevormundet, würde mir die Lust am Jagen nehmen.“
 


Steckbrief

 

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In den 1990er Jahren jagte der Konsul Prof. Dr. Klaus Mangold oft in Kirgistan. Das hohe Ziel: Marco-Polo-Argalis (Foto: Hans Jörg Nagel)
Prof. Dr. Klaus Mangold wurde am 6. Juni 1943 in Pforzheim geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft. Unter anderem war er von 1991 bis 1994 Vorstandsvorsitzender der Quelle AG und von 1995 bis 2003 Vorstandsmitglied der Daimler-Chrysler AG. Der 70-Jährige ist aktuell Mitglied mehrerer Aufsichtsräte im In- und Ausland. Seit 2005 fungiert er als Honorarkonsul der Russischen Föderation für Baden-Württemberg. Klaus Mangold ist verheiratet und Vater zweier mit Passion jagender Söhne (34 und 37). Er geht seit 1973 zur Jagd. na
 
 


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