Prominente Jägerin: Verena Diana Dörrschuck

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DJZ 09/2014

Seit Mai 2014 ist Verena Diana Dörrschuck Jagdkönigin von Rheinland-Pfalz. Die 24-Jährige ist alles andere als zögerlich, wenn sich ihr jagdliche Chancen bieten. Gerade Rehwild muss auf der Hut sein.

Von Hans Jörg Nagel

 

Jagdkönigin
Es geht also doch! Ein zierliches, hübsches Mädchen kann ein „ganzer Jägersmann“ sein. Bestes Beispiel hierfür ist die neue rheinland-pfälzische Jagdkönigin. 1,58 Meter groß, vielleicht 50 Kilo leicht, lange Haare, mädchenhaftes Gesicht. Ein Püppchen, wie es dem Klischeedenken vieler Grünröcke entspricht. Aber dann das …
 
Auf die herausfordernde Frage, ob sie auch Rehkitze oder Frischlinge erlegt, kommt es eiskalt zurück: „Na klar, das sind doch 7 Kilo lecker Fleisch!“ Und auf die Provokation, dass sie wohl kaum in der Lage sei, einen 100-Kilo-Keiler alleine zu bergen, kontert sie schlagfertig: „Sie etwa?“ „Es gibt eben keinen Schnitzelbaum“ Seit dem 9. Mai ist Verena Diana Dörrschuck Jagdkönigin in Rheinland-Pfalz. Die Nachfolgerin von Melanie Hombach (Portrait in DJZ 10/2012) wird dieses Ehrenamt bis 2016 bekleiden.
 
Wie wird man eigentlich Jagdkönigin?
 
Verena Diana Dörrschuck: „Im Frühjahr vergangenen Jahres schrieb der LJV dieses Amt aus. Ich bewarb mich und wurde im August zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Nur wenige Wochen später bekam ich den positiven Bescheid.“ Beim zurückliegenden Landesjägertag dann die Inthronisation und Begrüßungsansprache der 24-Jährigen: „Ich war natürlich super aufgeregt, aber es klappte trotzdem ganz gut. Mir war es wichtig, rüberzubringen, dass ich mich als Botschafterin der Jagd sehe.“
 
Die ersten Veranstaltungen hat ihre Hoheit bereits hinter sich. „Unter anderem nahm ich Anfang Mai am Jagderlebnistag im Landkreis Birkenfeld teil, ebenso an der Kreismeisterschaft im jagdlichen Schießen im Donnersbergkreis. Zudem habe ich schon einige Zeitungsinterviews gegeben.“
 
Dörrschuck ist vor allen Dingen Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Sie betont, dass es ihr ein besonderes Anliegen sei, das Wirken der Jägerschaft zum Wohl der Allgemeinheit zu vermitteln. Hierfür hat sie auch die gut besuchte Gruppe „Jagdkönigin Verena I.“ auf Facebook gegründet.
 
Einen weiteren Schwerpunkt sieht die gebürtige Nußacherin in der Jugend- und Kinderarbeit. Es gäbe keinen „Schnitzelbaum“ und ebensowenig einen „Frikadellenbusch“, auch Milch käme nicht aus dem Tetra-Pak sondern aus Kühen: Sie bemängelt eine schreckliche Naturentfremdung der Jugend vor allem im städtischen Raum und sieht einen großen Bedarf an Aufklärung. Schließlich ist es der neuen Jagdkönigin ein Anliegen, den Zusammenhalt innerhalb der Jägerschaft zu stärken. Gemeinsam sei einfach mehr zu erreichen, als wenn Einzelne oder kleine Grüppchen immer wieder ihr eigenes Süppchen kochen würden.
 
 

„Das 1. Reh war echt krass!“

 

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Die 24-Jährige hat einen Begehungsschein für das reine Waldrevier „Pelzwald“ (Foto: Hans Jörg Nagel)
Seit 2012 hat Verena Diana Dörrschuck den Jagdschein. Aber ihr „grünes Leben“ begann schon viel früher: „Meine Opas und mein Vater sind Jäger. Und Papa scheint gewusst zu haben, dass ich auch mal den grünen Rock tragen werde. Denn, obwohl ich 2 ältere Schwestern habe, nannte er erst mich Diana. Meine Schwestern jagen nicht!“
 
Sie sei bereits als Kleinkind mit im Revier, als 12-Jährige schon Treiberin gewesen, bestätigt sie die Ahnung ihres Vaters. „Auch in der Schule wusste jeder: Verena und Jagd, das ist eins!“, erinnert sie sich an die Anfänge. Vor 2 Jahren hielt sie dann endlich den „grünen Lappen“ in der Hand. Aber das war nicht das einzige, was sie aus der Jagdschule mitbrachte. Die 24-Jährige strahlt und erzählt: „Im Kurs lernte ich Eric kennen. Wir haben uns verliebt, und nun sind wir ein Paar.“ Zusammen jagen die Königin und ihr Medizinstudent im „Pelzwald“ (Landkreis Kusel). Für das reine Waldrevier haben die beiden Begehungsscheine.
 
Dörrschuck beschreibt die Jagd: „Es sind nur 100 Hektar, aber hier ist einiges los. Neben reichlich Rehwild kommen Sauen und Muffel als Wechselwild vor.“ Die Abschusszahlen belegen die „heißen Büchsen“ im Nordpfälzer Bergland: Im vergangenen Jagdjahr erlegten die insgesamt 5 Jagdberechtigten hier 30 Rehe und 2 Sauen. 30 Rehe? „Und es gibt weiterhin reichlich. Das Revier hat eine unheimliche Sogwirkung. Man trifft hier regelmäßig und sogar tagsüber auf sie“, hat die Jägerin beobachtet.
 
 

5 Rehe auf „Piratenjagd“

 

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Dörrschuck wurde mit ihrer Beute auf dieser Niederwildjagd nicht Jagdkönigin (Foto: privat)
Mit Rehwild ging auch für Diana 2012 die Jagd auf. Das 1. Stück fiel am 6. Dezember des Jahres: „Mein Nikolausreh“, strahlt sie und berichtet: „Es war eine Piratenjagd. Die Nachbarn hatten ein Drücken, und ich saß an der Grenze. 5 Rehe kamen plötzlich in Anblick. Eine uralte Geiß sonderte sich etwas ab und begann zu äsen. Auf 80 Meter ließ ich fliegen. Das Stück quittierte den Schuss, ging vorne hoch und dann ab. Ich habe am ganzen Leib gezittert und wusste nicht weiter.“ Darauf rief Dörrschuck den Pächter an, der sofort mit seinem Hund kam. Nach kurzer Nachsuche stand die damals 22-Jährige vor ihrer 1. Beute. „Das war echt krass!“, lässt sie völlig von der Jägersprache ab, aber ihre glänzenden Augen belegen ihre weidmännische Freude. Ihr ist wichtig, zu betonen, dass sie das Stück alleine geborgen und – wie alle anderen bis heute auch – selbst aufgebrochen habe.
 
Genau 1 Jahr später ein besonderes Erlebnis: „Ich saß auf einem Erdsitz und erlegte von dort aus in 3 Stunden 5 Rehe – 2 Geißen, 2 Kitze und 1 Bock.“ Nicht nur Freude: „Der Bock hatte abgeworfen und ich ihn als Ricke angesprochen. Ärgerlich genug. Aber es geht noch schlimmer: Vor mir lag ein uraltes Stück. Von meinen Mitjägern wurde es auf mindestens 9 Jahre geschätzt“, gibt sich die Jungjägerin selbstkritisch.
 
Zu dieser Strecke kam noch das ein oder andere Ansitz-Reh, wie auch ein Schwarzkittel. Dörrschuck: „Mein einziger bis heute.“ Mitte Dezember 2012, Drückjagd in Tiefenthal (Donnersbergkreis): „Ich sah meinen Nachbarschützen wild mit den Armen fuchteln. Aus der Richtung, in die er zeigte, trollte eine Sau auf mich zu. Ich schwang mit und schoss auf rund 50 Meter.“ Der 1. Schuss saß wohl etwas zu weit hinten. Verena Dörrschuck schoss ein 2. Mal, und der Schwarzkittel ging zu Boden. „Eine nichtführende Bache von 50 Kilo. Ich war super-glücklich.“
 
Gesellschaftsjagden findet die 24-Jährige spannend. Da sei immer was los, betont sie und erzählt mit einem Schmunzeln von ihrem 1. Kugelfuchs: „Es war Ende November bei Löllbach im Landkreis Bad Kreuznach. Papa war mein Nachbar. Mein Vater hatte schon 2 Füchse erlegt, als ich ihn wieder aufspringen und den rechten Handschuh wegwerfen sah. Schuss. Aber mein Vater hatte gefehlt und signalisierte mir das.“ Nur Sekunden später sei Reineke bei ihr aufgetaucht. Auf 30 Meter schnürte er in Richtung einer Fichtendickung. Die Jägerin schoss. „Der Fuchs drehte einen Salto und hatte sein Leben ausgehaucht. Papa war auf seine Tochter stolz wie ein Spanier!“
 
Die begeisterte Klarinettenspielerin kommt bislang gut mit nur einer Büchse aus. Der Repetierer, den bereits Opa und Vater führten, hat für sie eine ganz besondere Bedeutung: „Die Mauser 66 im Kaliber 6,5 x 57 ist meine Familien-Erbwaffe!“ Mit ihr und „Bonnie“ pirscht die Jagdkönigin gerne durch ihr hügeliges Waldrevier. „Meine KLM-Hündin ist super auf der Kunstfährte, aber leider eine Niete am Wasser“, beschreibt sie ihre Sorgen angesichts der anstehenden Brauchbarkeitsprüfung. Doch sie ist zuversichtlich, dass „wir 2 Frauen“ noch das angestrebte Ziel erreichen.
 
 

„Murmel sind auf Zack!“

 

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Ihre 1. Sau erlegte Verena Diana Dörrschuck auf einer Drückjagd bei Tiefenthal (Foto: privat)
Apropos Frauen. Was hält die rheinlandpfälzische Jagdkönigin eigentlich von reinen Frauen-Jagden? Die Nußbacherin: „Darauf habe ich überhaupt keinen Bock. Ich brauche keine Fasanenfeder am Hut und Schminktipps am Streckenplatz auch nicht. Ich bin kein Tussi-Typ!“
 
Zusammen mit ihrem Vater führt Dörrschuck das Geschäft „Trophäenhandel & Naturzauber“ in Nußbach. Im Verkaufsraum fällt der Blick auf einen Springbock. Die Frage nach Auslandsjagd stellt sich: „Nein, Afrika reizt mich nicht. Auch andere Länder ziehen mich jagdlich nicht sonderlich an. Einzige Ausnahme: Ich würde gerne mal in den österreichischen Alpen jagen. Vielleicht auf Murmel, die sind auf Zack!“
 


Steckbrief

 

dörrschuck
Umgeben von reichlich Wild zeigt die neue Jagdkönigin von Rheinland-Pfalz ihr schönstes Lächeln
Verena Diana Dörrschuck kam am 31. Dezember 1989 in Nußbach (Landkreis Kusel) zur Welt. Sie hat 2 ältere Schwestern. Nach Schule und Studium machte die begeisterte Radfahrerin eine Ausbildung zur Großund Außenhandelskauffrau. Seit Kurzem ist sie für den Verkauf im väterlichen Geschäft „Trophäenhandel & Naturzauber“ (www.geweih.de) zuständig. Die 24-Jährige geht seit 2012 zur Jagd. Seit 9. Mai dieses Jahres ist sie rheinland-pfälzische Jagdkönigin. Daneben engagiert sie sich in der katholischen Landjugendbewegung und ist stellvertretende Obfrau für Junge Jäger in ihrer Kreisgruppe.
 
 
 
 


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