Wild des Hochgebirges

2391


Zwei Schalenwildarten in Deutschland sind Bewohner des Hochgebirges: Gams- und Steinwild.

Von Hans Joachim Steinbach

Gams-und Steinwild gehören ebenso wie die übrigen Schalenwildarten zu den wildlebenden europäischen Paarhufern. Sie zählen nach zoologischen Gesichtspunkten zu den Hornträgern (Boviden), sind Wiederkäuer, haben aber im Unterschied zu den ebenfalls wiederkäuenden Geweihträgern eine Gallenblase. Ihre Hörner und Krucken sitzen auf mehr oder weniger langen Stirnzapfen und wachsen zeitlebens. Im Unterschied dazu bilden die Geweihträger jährlich ein neues Geweih oder Gehörn.

Das Gamswild gehört zu den Ziegenartigen. In Deutschland ist es hauptsächlich an die Hochgebirgslagen gebunden. Es gibt aber auch Vorkommen außerhalb der Alpen, so im Schwarzwald oder Elbsandsteingebirge. Gamswild ist deutlich größer als unser heimisches Rehwild und wird etwa doppelt so schwer, auch älter (zirka 2o Jahre). Ein Bock gilt mit etwa zehn Jahren als jagdbar. Kriterien für den Abschuß sind, neben der körperlichen Entwicklung, schlechte Hakelung, enge Stellung, schwache Schlauchstärke oder Kruckenbeschädigung.

Beide Geschlechter tragen Krucken, bei der Geiß sind sie dünner und weniger gehakelt. Gamswild ist ein guter Bewegungsseher, auch Gehör- und Geruchssinn sind gut ausgebildet. Gamswild lebt in Rudeln aus Geißen, Kitzen und jungen Böcken. Es ist ausgesprochen tagaktiv, wobei die Hauptaktivität in den Vormittags- und Spätnachmittagsstunden liegt. In der Mittagszeit wird geruht und wiedergekäut.

Gemsen werden zwischen dem zweiten und vierten Jahr geschlechtsreif. Die Brunft dauert von Oktober bis Dezember, und nach einer Tragezeit von 180 bis 190 Tagen setzt die Geiß von April bis Juni in der Regel ein Kitz. Gemsen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern, Nadel- und Laubgehölzen. Gemsen können bei überhöhten Beständen oder bei massiven Störungen (Tourismus) erhebliche Verbißschäden am Bergwald verursachen.

Gams werden gewöhnlich auf sehr reizvollen, anspruchsvollen Gebirgspirschen erlegt; auch Treib- und Riegeljagden sind üblich.

Steinwild ist ausgesprochenes Hochgebirgswild. Das urige Wild war fast ausgerottet und ist in Deutschland ganzjährig geschont. Beide Geschlechter tragen Gehörne, wobei die Böcke bis 100, die Geißen nur bis 30 Zentimeter Schlauchlänge erreichen. Auffallend sind bei den Böcken auch die ausgeprägten Schmuckwülste auf der Vorderseite der Hörner. Bock- und Geißenrudel leben voneinander getrennt. Alte Böcke stoßen zur Brunft zu den Geißenrudeln. Böcke erreichen ein Körpergewicht von über 100 Kilogramm und mit sechs bis sieben Jahren das Reifealter. Beim Steinwild werden Böcke maximal etwa 18, Geißen zirka 23 Jahre alt.

Die Hauptbrunft ist im Dezember bis Januar. Auch Steinwild wird zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr geschlechtsreif, und die Steingeiß setzt nach einer Tragezeit von fünf bis sechs Monaten in der Regel ein Kitz. Der Alpensteinbock ernährt sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern. Der Verbiß an Gehölzen ist bedeutungslos. In der Schweiz und in Österreich wird Steinwild bejagt. Die Hauptjagdart ist auch hier die Pirsch.

Foto: Foto:Helmut Pieper

F

A

Kasten:
Wildkunde

F

Aboangebot