Auf Sau im Lampenlicht

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Seit Ende August 2017 ist die Sauenjagd im Taschenlampenlicht in Rheinland-Pfalz erlaubt. Erfahrungen gibt es dazu bislang wenige. Die Redaktion machte sich deshalb mit Lampe und Gewehr auf zum Praxistest. Von Markus Lück

Endlich, schon von Weitem ist die Rotte im Herbstlaub zu hören. Die Anspannung steigt. Gleich müssen die Schwarzen auf die Freifläche kommen. Und da sind sie auch schon. Im Fernglas sind die Sauen schemenhaft zu erkennen. Ich tausche das Fernglas mit der Waffe. Doch beim Blick durchs teure Zielfernrohr vergeht bei mir schlagartig das Jagdfieber. Außer einer schwarzen Wand ist nichts zu erkennen.

(Fotomontage: Svenja Spöth)

Wohl jeder Jäger kennt diese Situation: Mit dem Doppelglas ist das Wild gerade noch zu sehen. Im Zielfernrohr ist dagegen zappenduster. Und obwohl die Beute greifbar nah ist, geht der Jäger unter solchen Umständen leer aus.

Lampen erlaubt

Vor dem Hintergrund der drohenden Afrikanischen Schweinepest und hoher Sauenbestände hat sich die Obere Jagdbehörde in Rheinland-Pfalz dazu entschlossen, den Einsatz von Taschenlampen bei der Jagd auf Schwarzwild zu erlauben. Seit dem 29. August 2017 ist der Einsatz von Lampen gestattet. Die dürfen jedoch nicht fest mit der Waffe bzw. dem Zielfernrohr verbunden sein. Die zuständige Behörde erhofft sich durch diese Maßnahme eine deutlich höhere Schwarzwildstrecke.

Doch bis auf einen Praktikabilitätstest aus Bayern aus den Jahren 2011 bis 2013 gibt es kaum Erfahrungen mit der Sauenjagd im Taschenlampenlicht. Alle Redaktionsmitglieder und zahlreiche befreundete Jäger haben deshalb in den vergangenen 5 Wochen intensiv im weißen Lampenlicht gejagt. Die Erfahrungen im Folgenden:

Gute Nachricht vorweg: Im Testzeitraum kamen mehrere Sauen im Licht der Lampen zur Strecke. Eine Streckensteigerung scheint also möglich.

Moderne LED Taschenlampe überzeugen durch ihre Leistung in Sachen Leuchtweite und Leuchtdauer (Foto: Pixabay)

Damit der Jäger mithilfe der Taschenlampe Beute macht, müssen für die aufwändige Prozedur jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Da nach den Vorgaben in Rheinland-Pfalz die Lampen nicht fest an der Waffe montiert sein dürfen, ist ein Jagdhelfer auf der Kanzel äußerst hilfreich. Während der Helfer leuchtet, kann der Schütze sich ausschließlich auf den Schuss konzentrieren. Bei Bedienung von Taschenlampe und Waffe kam es oft dazu, dass der Lichtkegel nicht an der richtigen Stelle saß und so die auserkorene Sau im Dunkeln verborgen blieb.

Ratfatz Feuer frei

Ist die Lampe eingeschaltet, muss der Jäger möglichst ratzfatz schießen. Das Ansprechen muss zuvor mit dem Doppelglas geschehen sein. Dafür ist im Lampenlicht meist keine Zeit. Außerdem ist es äußerst hilfreich, wenn sich der Schütze durch das Fernglas den ungefähren Standort des Zieles einprägt. Dann vergeht keine Zeit beim Raussuchen des richtigen Stückes. Bei größeren Rotten ist das jedoch oft unmöglich. Durch das Gewusel der Frischlinge verändert sich die Position der Stücke in wenigen Augenblicken.

Deutlich leichter fällt die gesamte Prozedur natürlich bei einer einzelnen Sau. Dabei muss der Jäger lediglich zuvor korrekt angesprochen haben. Ganz entscheidend für Erfolg oder Schneidertag ist die Reaktion der Sauen im Hinblick auf das Licht der Taschenlampe. Von schlagartiger Flucht bis hin zum Verbleiben an Ort und Stelle wurde alles beobachtet. Tendenziell war es jedoch so, dass Bachen mit kleineren Frischlingen deutlich empfindlicher reagierten als Überläufertrupps.

Die 1-Jährigen reagierten zwar auch auf das Licht, traten jedoch nur Fluchten von wenigen Metern an und sicherten dann in Richtung Kanzel für ein paar Sekunden. Kam der Schütze dann nicht zu Schuss, traten die Stücke meist ebenfalls die Flucht an.

Sie kommen zurück

Ein einzelner junger Keiler reagierte in derselben Weise wie zuvor beschrieben. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Stücken blieb der Junge nach der Flucht in unmittelbarer Nähe. Und nach ein paar Minuten kam das Stück sogar zurück auf die Freifläche vor dem Sitz. Bei einzelnen Bachen, die kurz vor dem Frischen sind bzw. Frischlinge im Kessel liegen haben, dürfte das Verhalten vermutlich ganz anders sein. Bleibt sowieso die Frage offen, wie Stücke reagieren, wenn sie schon mal schlechte Erfahrungen mit nächtlichem Lampenlicht an der Kirrung gemacht haben.

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