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Im Praxis-Test: Hohlspitz-Munition I

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Teilmantel-Geschoss
Herkömmliches Teilmantelgeschoss (links) im Vergleich zu einem Hohlspitz-Geschoss. Beide Geschosse wurden aus derselben Waffen verschossen.

Wie wird getestet?

Am Anfang steht die Messung der Geschossgeschwindigkeit mit einem Lichtschranken-Chronographen. Für eine hohe Energieabgabe im Ziel ist auch eine hohe Mündungsgeschwindigkeit notwendig. „Schlapp“ geladene Patronen sind auch mit Hohlspitzgeschossen nicht sehr wirkungsvoll.

Die Beschusstests werden mit typischen Fangschusswaffen durchgeführt, also Revolvern mit zwei bis vier Zoll Lauflänge und kompakten Pistolen. Niemand führt langläufige Matchwaffen oder schwere Armeepistolen im Revier, und es macht daher wenig Sinn, solche Waffen für den Munitionstest einzusetzen.

Je nach Art des Treibladungsmittels verlieren die Patronen aber mehr oder weniger stark an Leistung, wenn sie aus kurzläufigen Waffen verschossen werden. Durch die Messung der V0 zeigt sich damit, welche Patronensorten für diese Waffen besonders geeignet sind und welche mehr Knall und Blitz als Leistung produzieren.

Das Aufpilzverhalten der Geschosse wird an Gelatineblöcken simuliert. Solche Blöcke werden weltweit in ballistischen Labors zur Simulation der Zielballistik eingesetzt, weil sie weitgehend dem Widerstandwert von tierischem oder menschlichem Gewebe entsprechen. Der Gelatineblock allein nützt dem Jäger bei der Auswahl der Fangschussmunition aber nicht sehr viel, denn Wild besteht nicht nur aus Muskelgewebe.

In einem zweiten Testdurchgang wird daher im Gelatineblock, zehn Zentimeter von der Einschussseite entfernt, eine Blattschaufel vom Reh mit eingegossen. Hier sollte das Geschoss schon noch glatt durchschlagen, damit es „fangschusstauglich“ ist.

Die Präzision spielt auf Fangschussdistanz nur eine untergeordnete Rolle. In einer Kurzprüfung werden die Streukreise auf zehn Meter ermittelt. Alles was hier im Zehn-Zentimeter-Kreis bleibt, ist brauchbar.

Sollte eine Patrone die Zehn-Zentimeter-Hürde nicht schaffen, werden weitere Versuche mit anderen Waffen vorgenommen. Schließlich schießt nicht jede Waffe mit jeder Patrone gut. Sollte sich aber mit verschiedenen Waffen keine brauchbare Präzision einstellen, kann diese Munitionssorte nicht empfohlen werden. Der genaue Treffersitz ist immer noch wichtig, unabhängig von der Energieabgabe.

Die ideale Fangschusspatrone sollte eine hohe Mündungsgeschwindigkeit aus kompakten Waffen haben, kontrolliert und sicher aufpilzen, aber genügend Durchschlagskraft entwickeln, um auch einen Knochen zu durchschlagen.

.38 Spezial

Bei der Wahl des „ständigen Begleiters“ steht der kurzläufige Taschenrevolver nach wie vor hoch im Kurs. Problemlos in der Handhabung, ohne Sicherungen oder herausnehmbare Magazine, die vergessen oder verloren werden können, funktionssicher und präzise sind Double-Action-Revolver für Zivilpersonen, denen hohe Feuerkraft nicht wichtig ist, die idealen Faustfeuerwaffen. Das hat auch seine guten Gründe. Soll eine Waffe beim Reviergang immer mitgeführt werden, darf sie nicht zu groß und zu schwer sein, sonst wird sie bald lästig und bleibt zu Hause.

Für den Fangschuss auf Schalenwild ist aber ein wirksames Kaliber notwendig und auch vom Gesetzgeber, der eine Mündungsenergie von mindestens 200 Joule fordert, vorgeschrieben. Hier stoßen jetzt aber zwei Forderungen aufeinander, die schlecht vereinbar sind. Ein starkes Kaliber lässt sich in „Kleinwaffen“ kaum unterbringen. Vor allem die Modelle mit Fünf-Schuss-Trommel und kleinem Rahmen gelten als Taschenrevolver.

Bekanntester Vertreter dieser Art ist wohl der Smith&Wesson Chiefs Spezial, der schon 1950 auf den Markt gekommen und immer noch ein Verkaufsschlager ist. Diese Waffe mit den Abmessungen 160x107x33 Millimeter wiegt in der Stahlausführung nur 580 Gramm und passt in jede Manteltasche.

Die Ausführung mit Aluminiumrahmen ist noch ein paar Gramm leichter. Dieses Modell oder eine der zahlreichen Kopien ist die am meisten eingesetzte Fangschusswaffe. Mittlerweile gibt es sogar superleichte Modelle mit Rahmen und Trommel aus Titan.

Falsche Vorstellungen herrschen jedoch über ihre Leistungsfähigkeit. Nicht wenige Jäger mussten in der Vergangenheit feststellen, dass sich eine angeschweißte Sau von einem 38er kaum beeindrucken ließ.

Bisher waren in Deutschland gesetzlich nur Patronen mit Blei-, Voll- oder Teilmantelgeschossen erlaubt. Mit dem neuen Waffengesetz stehen dem Jäger nun auch die als sehr wirkungsvoll bekannten Hohlspitzpatronen zur Verfügung. Wird aber damit der kleine 38er wirklich zur vollwertigen Fangschusswaffe? In einem aufwändigen Test haben wir das Verhalten der Hohlspitzpatronen untersucht.

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