Im Praxistest: Hohlspitz-Munition Kaliber 9mm Luger

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Nach den Revolver-Patronen .38 Spezial und .357 Magnum in der September- und Oktober-Ausgabe steht jetzt die weit verbreitete Pistolen-Munition im Kaliber 9mm Luger auf dem Prüfstand.

Von Norbert Klups

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Für den Test standen zehn Laborierungen zur Verfügung. Zur Funktionsprüfung wurden drei Pistolen 9 mm Luger eingesetzt.

Das Kaliber 9mm Luger ist als Militär- und Polizeipatrone weltweit verbreitet, und auch zivile Waffenträger schätzen die effektive und angenehm zu schießende Patrone. Entwickelt wurde die 9mm Luger bereits im Jahre 1902 von DWM in Zusammenarbeit mit Georg Luger.

In zwei Weltkriegen war sie Standardpatrone, etablierte sich dann als Nato-Munition und konnte 1986 sogar die .45 ACP in der US-Armee verdrängen. Auch viele Polizeidienststellen weltweit führen Waffen in diesem Kaliber.

Die militärische Vollmantelmunition hat zwar eine hohe Durchschlagskraft, aber wenig Stoppwirkung. Im zivilen Bereich wurden daher für diese Patrone schon recht früh schnell deformierende Geschosse entwickelt und, wo erlaubt, auch eingesetzt.

Dem deutschen Jäger standen als Fangschussmunition bisher nur einfache Teilmantelgeschosse und die Lapua CEPP zur Verfügung. Die 9mm Luger Pistolen erfreuten sich daher trotz ihrer vielen anderen Vorteile, hier stehen sehr kompakte und bediensichere Modelle zur Verfügung, nicht sehr großer Beliebtheit unter den deutschen Jägern, wenn es um den Fangschuss auf Hochwild ging.

Die einfachen Teilmantelgeschosse deformierten zwar im Geschwindigkeitsbereich der 9mm Luger, wenn sie einen genügend weit freiliegenden Bleikern hatten, waren aber nicht sehr funktionssicher und verursachten in vielen Waffenmodellen Zuführungsstörungen. Lediglich die CEPP funktionierte zuverlässig und zeigte auch gute Wirkung.

Jetzt steht dem Jäger aber eine breite Palette von Spezialmunition zur Verfügung, die die Wirksamkeit einer 9mm Luger Pistole erheblich verbessern dürfte. Für den Test wurden zehn Laborierungen ausgewählt und ausgiebig getestet. Das Testprogramm entsprach dabei weitgehend dem bereits bei den beiden Revolverpatronen vorgestellten Ablauf, nur wurden zusätzlich noch Funktionsprüfungen mit drei verschiedenen Waffenmodellen vorgenommen, denn bei einer Pistolenpatrone ist Funktionssicherheit ein sehr wichtiges Testkriterium.

Für die Funktionsprüfung wurde eine Glock Modell 26, eine FN High Power und eine Firestar benutzt. Die Gelatinebeschüsse wurden mit der kompakten Glock 26 durchgefŸhrt, die eine Lauflänge von 88 Millimetern hat.

Lapua CEPP Extra 120 Grains

CEPP steht für Controlled Expanding Police Projectil und zeigt, dass dieses Geschoss für den Polizeieinsatz entwickelt wurde. Die normale CEPP war bisher auch schon erlaubt und war bei vielen Benutzern von 9mm Luger Pistolen erste Wahl. Jetzt ist aber auch die CEPP Extra zugelassen, die eine noch schnellere Energieabgabe gewährleistet.

Der Geschossmantel des CEPP ist sehr dünn und die Bleifüllung weich. Besonders an der Geschossspitze hat man den Mantel gerade so dick gemacht, um eine Verformung beim Zuführen innerhalb der Pistole auszuschließen. Der Geschossaufbau mit leichter Hohlspitze, dünnem Mantel und weicher Bleifüllung zeigt, dass hier ein Geschoss konstruiert wurde, dessen Hauptaufgabe eine gute Energieabgabe im Ziel durch Deformation ist. Die CEPP Extra hat zusätzlich noch Sollbruchstellen im vorderen Geschossteil, die diesen Vorgang noch beschleunigen sollen.

Lapua CEPP Extra. Das Geschoss verliert nach dem Knochendurchschlag viel an Masse. Der Restkörper ist gerade mal kalibergroß

Die Funktion war in den Selbstladepistolen tadellos. Dies war zu erwarten, denn das normale CEPP ist für seine sehr gute Waffenverträglichkeit bekannt und das Extra hat die gleiche Außenform. Mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 371 m/s aus dem 88 Millimeter langen Lauf der Glock ist die CEPP Extra schnell und schoss dazu einen ausgezeichneten 26-Millimeter-Streukreis auf zehn Meter. Verladen wird hier 5,2 Grains feines Stäbchenpulver.

Dass CEPP spricht zwar schnell an, verliert aber auch an Masse. Nach dem Durchschlag des Knochens betrug der Durchmesser des Geschossrestes nur 10,2 Millimeter. Der vordere Mantelteil und ein Teil des Bleikerns hatten sich in Splitter aufgelöst. Die Tiefenwirkung ist dadurch aber recht hoch, denn der relativ kleine Durchmesser des Geschosses wird wesentlich weniger abgebremst, als wenn sich ein großflächiger Pilz bildet. Dafür ist der Wundkanal aber entsprechend kleiner. Mit den modernen Deformationsgeschossen, die kaum Masse verlieren, kann das CEPP Extra aber nicht mithalten.

Speer Gold Dot 115 Grains

Das Gold Dot von Speer ist ein Verbundkerngeschoss und soll durch den geringen Masseverlust eine große Tiefenwirkung erzielen. Speer trägt bei der Fertigung zunächst den Kupfermantel elektrolytisch auf den Bleikern auf und verpresst das Geschoss anschließend zur endgültigen Form. So ist eine Trennung von Mantel und Kern unmöglich. Durch die Geschossform ohne vorstehendes Blei an der Spitze funktionierte das Gold Dot in den drei Testwaffen sehr gut, nur die High Power produzierte zwei Störungen. Hier war aber offensichtlich die schnelle Patrone schuld und nicht die Geschossform. Die Glock und die Firestar hatten keine Probleme. Die Präzision aus der kurzen Glock 26 war mit 39 Millimeter auf zehn Meter ausreichend, und es fiel auf, dass das Gold Dot sehr wenig Mündungsfeuer produziert.

Die 5,2 Grains feines Blättchenpulver brennen offensichtlich schnell und sauber ab und entfalten ihre Energie auch in kurzen Läufen. Das zeigt auch die hohe Mündungsgeschwindigkeit von 388 m/s.

Das leichte Geschoss spricht im Gelatineblock sofort an und vergrößert schnell seinen Durchmesser. Zum Knochendurchschlag reichte es noch vollkommen, doch dann war zehn Zentimeter weiter Schluss. Das Geschoss hatte einen Durchmesser von 14,5 Millimeter und eine perfekte Pilzform. Eine gute Patrone, die nur etwas mehr Tiefenwirkung erbringen müsste.

Speer Gold Dot 115 gr. Durch die hohe Vo von 388 m/s pilzt das Geschoss schnell auf und hat wenig Tiefenwirkung

Speer Gold Dot 124 Grains

Etwas mehr Geschossgewicht, aber mit 372 m/s nur eine geringfügig niedrigere Geschwindigkeit. Laboriert ist die 124 Grains Laborierung mit 4,8 Grains Blättchenpulver offensichtlich der gleichen Sorte. Die Präzision war mit 21 Millimetern hervorragend. Auch hier wieder gab es sehr wenig Mündungsfeuer. Das Rückstoßverhalten unterscheidet sich gegenüber der leichteren Patrone kaum, und die Funktion war in allen drei Testwaffen störungsfrei.

Das 124 Grains Geschoss spricht durch die hohe Vo fast ebenso schnell an wie das leichtere Gold Dot, hat aber durch die größere Masse mehr Tiefenwirkung. Das Geschoss pilzte sogar auf 17,0 Millimeter auf, durchschlug den Knochen und drang noch weit in den Gelatineblock ein.

Der Durchmesser des Geschossrestes war hier sogar noch größer als beim leichten 115 Grains Geschoss. Beim leichten Geschoss werden die Mantelfahnen offensichtlich durch die höhere Geschwindigkeit wieder eng an den Geschosskörper angepresst, wodurch sich ein geringerer Durchmesser ergibt. Für eine Fangschusspistole ist das 124 Grains Gold Dot eine sehr gute Patrone.

Speer Gold Dot 124 gr. Fast so schnell wie die 115 gr. Laborierung, aber mit wesentlich besserer Tiefenwirkung

Speer Gold Dot 147 Grains

Es ist das gleiche Geschoss, nur mit noch mehr Gewicht. Die Pulverladung ist mit 4,4 Grains geringfügig niedriger, und aus dem 88 Millimeter Lauf der Glock kam der 147-Grainer auf 330 m/s. Der Streukreis auf zehn Meter maß 28 Millimeter, und auch hier zeigte sich kaum Mündungsfeuer. Dafür ist der Rückschlag des schwereren Geschosses aber deutlich stärker. Funktionsstörungen traten bei keiner der drei Testwaffen auf.

Speer Gold Dot 147 gr. Keine bessere Tiefenwirkung als das 124 Grains Gold Dot, aber mehr Rückschlag

Das 147 Grains Gold Dot spricht etwas verhaltener an als die leichteren Laborierungen, was aber bei der wesentlich geringeren Mündungsgeschwindigkeit zu erwarten war. Der Geschosspilz hatte einen Durchmesser von 16,0 Millimeter und zeigte kaum Masseverlust. In der Tiefenwirkung ist das 147 Grains Geschoss gleich mit dem leichteren 124 Grains Gold Dot.

Für Fangschusszwecke ist die 124 Grains Gold Dot Laborierung damit die beste Wahl, denn in diesem Geschossgewicht spricht das Geschoss wesentlich schneller an, ohne an Tiefenwirkung einzubüßen und schießt sich angenehmer.

Sellier&Bellot HP 115 Grains

Sellier&Bellot verlädt ein klassisches Hohlspitzgeschoss mit zusätzlichen Manteleinkerbungen im Bereich der Geschossspitze. Der Tombakmantel ist bis zur Spitze hin vorgezogen, und es liegt kein Blei frei. Die Bohrung im Geschosskopf ist recht klein.

Sellier&Bellot 115 gr. Für schweres Wild ist die Tiefenwirkung zu gering

Die Pulverladung beträgt 4,8 Grains sehr feines Blättchenpulver. Der Mündungsblitz ist deutlich wahrnehmbar. Die Präzision geht mit 32 Millimetern aus der Glock in Ordnung. Die Firestar produzierte mit der S&B drei Störungen bei zehn Schuss, die anderen Waffen funktionierten problemlos. Die Mündungsgeschwindigkeit wurde mit 358 m/s gemessen. Das Geschoss pilzt beim Eintritt in das Zielmedium schnell auf, verliert aber auch an Masse. Der Knochen wurde zwar durchschlagen, doch kurz danach blieb der Geschossrest mit einem Durchmesser von 19,0 Millimetern dann stecken. Für schwereres Wild ist die Tiefenwirkung etwas zu gering. Dafür ist die Sellier& Bellot Patrone sehr preiswert, und das einfache Hohlspitzgeschoss funktioniert erstaunlich gut.

PMC Star Fire 124 Grains

Beim Star Fire Geschoss von PMC sind fünf Rippen und Flutungen in das Blei der Hohlspitze gepresst, die für ein Aufpilzen bis zum doppelten Geschossdurchmesser sorgen sollen. PMC verlädt 5,2 Grains feines Blättchenpulver, die das Geschoss aus der Testwaffe auf beachtliche 361 m/s beschleunigen. Alle drei Waffen im Test schossen mit der Star Fire störungsfrei und das Mündungsfeuer hielt sich in Grenzen. Die Präzision war aus der Glock mit 27 Millimeter auf 10 Meter gut.

PMC Star Fire 124 gr. Mit 21 Millimetern produzierte die Star Fire den größten Geschosspilz, hat aber nicht genügend Tiefenwirkung für schweres Wild

Das Star Fire spricht sehr schnell an und pilzte bis auf 21 Millimeter auf. Sie produzierte den größten Geschossdurchmesser im Test. Der Knochen wurde durchschlagen und splitterte dabei sehr stark. Die Tiefenwirkung ist bei dieser starken Aufpilzung entsprechend gering. Ein tolles Geschoss für Verteidigungszwecke, das beste Stoppwirkung liefern dürfte. Für den Fangschuss auf schweres Wild ist die Tiefenwirkung aber zu gering.

Winchester SXT 147 Grains

SXT steht für Supreme Expansion Technology. Wie Remington beim Golden Saber, das im Test der .357 Magnum Patronen sehr gut abgeschnitten hat, setzt Winchester bei SXT auf einen härteren Messingmantel zur kontrollierten Steuerung des Aufpilzprozesses. Die vorgekerbte Geschossspitze soll das Aufrollen des Mantels in genau definierten Fahnen garantieren. Das Geschoss ist schwarz beschichtet, um den Abrieb im Lauf zu verringern.

Die Pulverladung besteht aus 4,5 Grains Blättchenpulver. Das SXT verließ den kurzen Lauf der Glock mit 332 m/s. Der Rückschlag ist heftig, dafür zeigt sich kaum Mündungsfeuer. Alle drei Waffen schossen mit dem SXT störungsfrei. Mit 26 Millimetern zeigt die Winchester Laborierung eine gute Präzision. Die Eindringtiefe in den Gelatineblock ist auch nach dem Durchschlag des Knochens erstaunlich hoch – und das, obwohl das SXT sehr schnell bis auf 17,2 Millimeter aufpilzte. Dabei verlor es aber kaum an Masse.

Winchester SXT 147 gr. Trotz 17,2 mm Pilz eine hohe Tiefenwirkung

Verglichen mit der anderen 147 Grains Laborierung im Test, dem Gold Dot, ist das SXT eindeutig überlegen. Eine sehr gute Fangschusspatrone für schweres Schalenwild, die auch bei weichen Treffern und leichtem Wild zuverlässig anspricht.

Hornady XTP 115 Grains

Das XTP ist schon ein guter alter Bekannter aus den Tests der Revolverpatronen .38 Spezial und .357 Magnum. Auch bei der 9mm Luger ist Hornady mit zwei Laborierungen vertreten. Das XTP hat eine sehr große Hohlspitze und einen im vorderen Teil dünnen Mantel, der bis zur Geschossspitze reicht. Die Härte des Bleikerns ist jeweils kaliberspezifisch auf die Mündungsgeschwindigkeit der Patrone abgestellt. So soll erreicht werden, dass der vordere, dünne Teil des Mantels schnell aufpilzt und der Aufpilzprozess mit zunehmender Mantelstärke abnimmt. Die 115 Grains Laborierung ist mit 382 m/s aus der kurzläufigen Glock sehr schnell. Erreicht wird die hohe Vo durch 5,0 Grains Blättchenpulver, die aber auch einen deutlich sichtbaren, hellen Mündungsblitz produzieren.

Hornady XTP 115 gr. Das Geschoss blieb direkt nach der Blattschaufel stecken. Das Mündungsfeuer ist sehr hell

Mit der 115 Grains Patrone zeigte die High Power wieder die typischen Störungen, die auch bei der 115 Grains Gold Dot von Speer auftraten. Offensichtlich kommt dieses Modell mit den leichten, schnellen Geschossen nicht so gut zurecht. Bei den beiden anderen Pistolen traten keine Waffenstörungen auf.

Die Präzision aus der Glock ist mit 32 Millimeter zwar nicht sehr hoch, doch für Fangschusszwecke vollkommend ausreichend. Das schnelle Geschoss pilzt schnell auf und verliert dabei etwas an Masse. Die Tiefenwirkung ist mit dem Gold Dot zu vergleichen. Der Geschossrest hatte nach dem Knochendurchschlag einen Durchmesser von 15,3 Millimeter und blieb direkt nach der Blattschaufel stecken. Auch hier wäre etwas mehr Tiefenwirkung wünschenswert.

Hornady XTP 124 Grains

Das etwas gewichtigere XTP kam auf eine Mündungsgeschwindigkeit von 371 m/s, wobei hier mit 5,2 Grains sogar eine höhere Pulverladung eingesetzt wird als beim leichteren XTP. Der Mündungsblitz ist ebenso hell wie beim 115 Grains Geschoss, der Rückschlag fällt etwas stärker aus. Die Präzision ist mit 21 Millimeter deutlich besser und die 124 Grains Patrone funktionierte in allen drei Waffen störungsfrei.

Wie zu erwarten war, hat das etwas schwerere Geschoss eine bessere Tiefenwirkung. Der Geschossdurchmesser war mit 15,2 Millimetern mit dem der leichten Hornady Laborierung fast identisch. Genau wie beim Speer Gold Dot ist auch beim XTP von Hornady die 124 Grains Laborierung für Fangschusszwecke das günstigste Geschossgewicht. Die modernen Deformationsgeschosse verlieren kaum an Masse und haben eine bessere Tiefenwirkung, wenn etwas mehr Geschossgewicht vorhanden ist.

Hornady XTP 124 gr.Mehr Rückschlag, gleich helles Mündungsfeuer, aber wesentlich bessere Tiefenwirkung als das 115 Grains XTP

Federal Expanding Full Metal Jacket 124 Grains

Das EFMJ von Federal ist eine Geschossentwicklung, die ganz ohne Hohlspitze auskommt. Bei diesem Geschoss ist ein unter Druck stehender Gummieinsatz unter der Geschossspitze für die Deformation zuständig – und die Sache funktioniert tadellos. Das EFMJ wurde für den Behördenmarkt entwickelt, und man wollte ein Deformationsgeschoss, das ohne Hohlspitze auskommt. Bei einem Polizeieinsatz in New York starben mehrere unbeteiligte, weil sich die verwendeten Federal Hydra Shoc Hohlspitzgeschosse 9mm Luger beim Durchdringen der Kleidung verstopft hatten und wie Vollmantelgeschosse durchschlugen. Das kann mit dem EFMJ nicht passieren.

Federal EFMJ 147 gr. Funktioniert wie im Lehrbuch: schnelles Aufpilzen und sehr gute Tiefenwirkung (Fotos: Norbert Klups)

Die Federal Patrone ist eine +P Laborierung und erreicht aus dem Lauf der Glock 381 m/s. Damit ist sie die schnellste Patrone der 124 Grains Laborierungen und die energiereichste Patrone im Test. Erreicht wird das mit 5,0 Grains Blättchenpulver. Der Mündungsblitz ist sehr hell. Alle Waffen schossen mit der Federal Patrone störungsfrei.

Die Präzision war mit 22 Millimeter ausgezeichnet. Der Rückschlag fällt aus der leichten Glock heftig aus. Das Expanding Full Metal Jacket funktionierte im Gelatineblock wie im Lehrbuch. Es pilzte ohne Masseverlust bis auf 16,4 Millimeter auf, durchschlug den eingegossenen Knochen und blieb kurz vor Ende des Blockes stecken. Das Geschoss war so gut erhalten, dass sogar das „F“ auf der Geschossspitze noch mitten im Geschosspilz lesbar war. Für Fangschusszwecke eine hervorragende Patrone, die zuverlässig funktioniert und gute Tiefenwirkung hat.

Erkenntnisse aus dem Test

Zunächst einmal hat sich gezeigt, das die 9mm Luger, verschossen aus einer Kompaktpistole, in der Wirkung einem .38er Taschenrevolver überlegen ist, aber lange nicht an einen .357er Magnum heranreicht. Die erzielbare Mündungsgeschwindigkeit der 9mm Pistolenpatrone reicht aus, um alle Geschosstypen zuverlässig aufpilzen zu lassen. Die Hersteller sind sich bei der Laborierung der 9mm Luger ziemlich einig, wie aus den nahezu identischen Pulverladungen und gemessenen Mündungsgeschwindigkeiten zu ersehen ist. Bei der .357 Magnum war das sehr viel unterschiedlicher. Die leichten 115 Grains Geschosse haben eindeutig zu wenig Tiefenwirkung für schwere Wildarten. Sie zerlegen sich teilweise und verlieren an Masse.

Das Geschossgewicht von 124 Grains scheint optimal zu sein. Hier ist das Verhältnis von schneller Energieabgabe und guter Tiefenwirkung sehr gut, wenn Geschosse wie das Hornady XTP, Speer Gold Dot oder das Federal EFMJ eingesetzt werden. Die S&B Patrone und die PMC Star Fire sind zu sehr auf schnelle Energieabgabe ausgelegt. Das Lapua CEPP Extra verliert zu viel an Masse. Bei den 147 Grains Geschossen ist das Winchester SXT die beste Wahl, das durchaus mit den 124 Grains Geschossen mithalten kann. Im Kaliber 9 mm Luger sind moderne Hohlspitzgeschosse ein echter Vorteil für den Jäger und den bisher erlaubten Teilmantelgeschossen weit überlegen. Doch auch mit dieser wirkungsvollen Munition wird eine 9mm Pistole keinesfalls zum sicheren „Saustopper“. Das sollte sich jeder vor Augen halten, der dieses Kaliber auf Nachsuchen führt. Auf jeden Fall ist die sichere Funktion der Waffe auf dem Schießstand zu testen, bevor ein Einsatz im Revier erfolgt. Die „heißeste“ Patrone nützt wenig, wenn die Pistole nach dem ersten Schuss klemmt.