Im Praxistest: Hohlspitz-Munition Kaliber .357 Magnum

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Fiocchi HP 148 Grains

Der italienische Hersteller Fiocchi verlädt hier ein klassisches Hohlspitzgeschoss mit freiliegender Bleispitze, aber nicht zu großer Bohrung. Auch beim Geschossgewicht wählt man mit 148 Grains einen Mittelweg zwischen den leichten 125ern und den schweren 158 Grains Geschossen. Als Ladung dient nur neun Grains feines Stäbchenpulver.

Dieses offenbar schnell abbrennende Pulver bringt das Hohlspitzgeschoss auf 360 m/s aus dem Vierzöller. Die Präzision ist mit 38 Millimeter ebenfalls gut. Durch das schnell abbrennende Pulver hat die Fiocchi Patrone erstaunlich wenig Mündungsfeuer. Bei einer Nachsuche in der Dämmerung ein entscheidender Vorteil, wenn ein schneller zweiter Schuss notwendig ist.

Das an sich sehr einfache Hohlspitzgeschoss pilzt aber zuverlässig auf und zerlegt sich nicht in wirkungslose Teile. Anscheinend ist Fiocchi hier eine sehr gute Mischung von Blei- und Mantelhärte, Durchmesser der Hohlspitze und Geschwindigkeit der Laborierung gelungen. Das Geschoss pilzte auf 12,4 Millimeter auf und durchschlug sicher den Knochen. Aus dem Vierzöller zeigte die Fiocchi HP eine sehr gute Wirkung. Mit Spezialgeschossen wie Hydra Shok oder Gold Dot kann es aber nicht mithalten.

Winchester Partition Gold 180 Grains

Das Partition Gold von Winchester benutzt die gleiche Technologie wie die Nosler Partition Jagdgeschosse. Der vordere, weiche Bleikern mit Hohlspitze sorgt für eine schnelle Expansion und hohe Energieabgabe und der durch den Geschossmantel getrennte hintere Hartbleikern bringt eine sehr hohe Tiefenwirkung. Das Partition Gold ist ein echtes Zweikammergeschoss mit massiver Trennwand. Dazu kommt das hohe Geschossgewicht von 180 Grains, das die Tiefenwirkung des schweren Geschossrestes noch verstärkt.

Das Partition Gold ist für die in den USA beliebte und gesetzlich erlaubte Jagd mit Kurzwaffen entwickelt worden. Dort werden schwere, langläufige Revolver, oft ausgestattet mit einer Zieloptik, für die Jagd auf Schalenwild benutzt. Winchester lädt diese Patrone mit 13 Grains feinem Blättchenpulver.

Grundsätzlich ist diese Laborierung für langläufige Jagdrevolver ausgelegt, doch auch aus dem kürzeren Lauf der Testwaffe brachte die Patrone noch 340 m/s. Für das schwere Geschoss eine ganze Menge. Die Präzision war mit 22 Millimeter exzellent. Im Gelatinebeschuss funktionierte das Partition Gold wie vom Hersteller angegeben. Der kurze vordere Teil expandiert, und dann schlägt der schwere Geschossrest tief durch. Knochen sind hier kein großes Hindernis. Ein vorzügliches Geschoss für den Fangschuss auf schweres Wild mit extremer Tiefenwirkung. Der einzige Wermutstropfen ist der hohe Preis dieser Patrone.

Remington 110 Grains Hohlspitz

Ein extrem leichtes Geschoss in klassischem Aufbau mit weit freiliegendem Bleikern und gewelltem Mantel zur noch besseren und schnelleren Aufpilzung. Hinter dem Geschoss befinden sich neun Grains eines feinen Blättchenpulvers, und die Patrone war aus dem Testrevolver 394 m/s schnell. Das ist in Anbetracht des leichten Geschosses nicht sehr viel.

Diese Laborierung schoss sich dann auch ausgesprochen angenehm mit sehr geringem Rückstoß. Die Präzision war mit 44 Millimeter zwar nicht sehr gut, für Fangschusszwecke aber immer noch ausreichend. Das superleichte Hollowpoint pilzte im Testbeschuss bis in den Bodenbereich hin auf und verlor dabei kräftig an Masse. Vom Geschoss blieb nach dem Aufschlag auf die Blattschaufel nur eine flache Scheibe übrig. Der Knochen wurde nicht durchschlagen, zeigte lediglich nach allen Seiten verlaufende Bruchrisse. FŸr schweres Wild ist dieses leichte Geschoss zu weich.

Remington 125 Grains Hohlspitz

Der gleiche Geschossaufbau wie bei der 110-Grains-Laborierung, nur mit etwas mehr Geschossgewicht und auch mit einer höheren Mündungsgeschwindigkeit. Das 125 Grains Geschoss brachte es auf beachtliche 404 m/s. Erreicht wird das mit 18,7 Grains feinem Blättchenpulver.

Die Wirkung ist entsprechend heftig. Bei einem Knochentreffer zerlegt sich das Geschoss und es kommt zu einer Trennung von Mantel und Kern. Auch das 125 Grains Geschoss konnte die Blattschaufel nicht durchschlagen. Die Energie des schnellen Geschosses wird schlagartig abgegeben, sobald das Geschoss in das Zielmedium eindringt. Diese Laborierung ist völlig auf schnelle Energieabgabe ausgelegt. Der Fünf-Schuss-Streukreis fiel mit 38 Millimeter etwas besser aus als beim leichteren Geschoss. Rückschlag und vor allem Mündungsfeuer waren aber sehr viel stärker. Auch diese Patrone hat für den Fangschuss auf schweres Wild eindeutig zu wenig Tiefenwirkung.

Remington 158 Grains Hohlspitz

Auch im klassischen Geschossgewicht von 158 Grains gibt es die Remington HP Laborierung mit dem einfachen Hohlspitzgeschoss. Wie sensibel dieses Geschoss ist, zeigte sich beim Versuch, eine Patrone mit dem Delaborierungshammer zu entladen, um die Pulverladung zu wiegen. Nach einigen kräftigen Schlägen war nicht das Geschoss aus der Hülse gezogen, sondern der Bleikern des Geschosses hatte sich vom Mantel getrennt.

Das 158 Grains Geschoss wird vor 14 Grains Blättchenpulver verladen und ist aus der Testwaffe 359 m/s schnell. Der Rückschlag ist deutlich stärker als bei den beiden leichteren Laborierungen. Dafür ist die Wirkung aber auch deutlich besser. Das Geschoss pilzt schön gleichmäßig auf, durchschlägt glatt den Knochen und hat danach noch eine genügend hohe Eindringtiefe. Der Masseverlust ist zwar etwas größer als beim Hydra Shok von Federal, aber der Geschosspilz hat einen Durchmesser von 17,2 Millimetern. Dazu kommt eine erstklassige Präzision von 28 Millimetern. Die schwere 158 Grains Laborierung ist im internen Remington-Duell eindeutig den beiden leichteren Geschossen überlegen, wenn es um Fangschusszwecke geht.

Remington 180 Grains Hohlspitz

Zur Komplettierung der Remington Hohlspitzfamilie bietet der bekannte US-Hersteller auch noch eine überschwere 180- Grains-Patrone an. Der Aufbau ist mit den drei leichteren HP-Geschossen nicht ganz identisch, denn der Geschossmantel des 180 Grains Geschosses hat nicht die typischen Wellen, sondern ist glatt. Verladen werden hier 13,5 Grains Blättchenpulver. Aus dem Vierzöller reicht das für eine Mündungsgeschwindigkeit von 318 m/s.

Die Präzision erreicht mit 36 Millimetern zwar nicht an die 158er Laborierung heran, ist aber immer noch ausreichend. Der Rückschlag ist noch etwas härter als bei den anderen Remington HP-Patronen. Durch die geringere Vo spricht das Geschoss langsamer an und pilzt nicht so dramatisch auf. Die Tiefenwirkung ist aber nicht wesentlich höher als beim 158 Grains Geschoss. Gegenüber dem etwas leichteren Geschoss hat diese Remington-Laborierung deshalb keine Vorteile.

Remington Golden Saber 125 Grains

Waren die ersten vier vorgestellten Remington Patronen relativ einfache Teilmantelgeschosse mit Hohlspitze, so ist das Golden Saber schon weitaus innovativer. Entwickelt fŸr den Polizeigebrauch, wurde hier eine hšchstmšgliche Präzision, schnelle Energieabgabe und hohe Tiefenwirkung angestrebt. Das Golden Saber wird nur im hinteren Teil des Geschosses in die Züge gepresst, während die vorderen Zweidrittel auf Felddurchmesser kalibriert sind. Beim Eintritt in die Züge ist das Golden Saber daher perfekt zentriert und kann nicht verkantet in die Züge gepresst werden.

Um eine hohe Tiefenwirkung zu erzielen, setzt Remington auf einen sehr harten Messinggeschossmantel, der auch bei hohen Geschwindigkeiten das Geschoss zusammenhalten soll. Remington verspricht hier nahezu 100 Prozent Restgewicht. Im Bereich der Hohlspitze ist der Mantel mit Sollbruchstellen versehen, die das Ansprechen des vorderen Geschossteiles beschleunigen sollen.

Remington verlädt das Golden Saber hinter acht Grains Blättchenpulver. Dieses offensiv abbrennende Pulver produziert sehr wenig Mündungsfeuer und bringt das 125 Grains Geschoss auch aus dem Vierzöller auf beachtliche 410 m/s. Die Präzision war mit 22 Millimeter erstklassig. Das Geschoss spricht im Gelatineblock sehr schnell an, durchschlägt den Knochen problemlos und hat eine sehr hohe Tiefenwirkung. Um den Block ganz zu durchschlagen, wie das Federal Hydra Shok, reichte es aber nicht. Das Golden Saber pilzte bis auf 15,1 Millimeter auf. Den herkömmlichen Hohlspitzgeschossen ist das Golden Saber weit überlegen. Auch für schweres Wild ein hervorragendes Geschoss.

Hornady XTP 125 Grains

Das XTP hat eine sehr große Hohlspitze und einen im vorderen Teil dünnen Mantel, der bis zur Geschossspitze hochgezogen ist. Die Härte des Bleikerns wird jeweils kaliberspezifisch auf die Mündungsgeschwindigkeit der Patrone abgestellt. So soll erreicht werden, dass der vordere, dünne Teil des Mantels schnell aufpilzt und der Aufpilzprozess mit zunehmender Mantelstärke abnimmt. Damit will der Hersteller eine kontrollierte Deformation bei Erhalt des Geschossgewichtes erreichen. Für die 357 Magnum bietet Hornady drei verschiedene Laborierungen mit 125, 140 und 158 Grains Gewicht an.

Das 125 Grains Geschoss hat eine sehr hohe Pulverladung von 18,5 Grains feinem Blättchenpulver. Das ist die höchste Pulvercharge aller Testpatronen. Aus dem für die Patrone .357 Magnum noch relativ kurzläufigem Vierzöller gab das einen gewaltigen Mündungsblitz und mit 394 m/s eine erstaunlich hohe Mündungsgeschwindigkeit obwohl hier sehr viel Pulver vor der Laufmündung verbrennt. Diese Laborierung wird in einem langen Lauf sicher noch weitaus bessere Ergebnisse bringen.

Die Präzision ist mit 45 Millimeter nicht gerade sehr hoch. Das XTP produzierte im Gelatineblock einen sehr schönen, gleichmäßigen Geschosspilz von 18,3 Millimetern Durchmesser und durchschlug auch den Knochen. Danach war dann aber schnell Schluss. Für eine bessere Tiefenwirkung fehlt es an Masse, und der große Geschossdurchmesser bremst natürlich stark ab. Sicher ist die Wirkung besser als die eines einfachen Hollowpoints, doch an ein Golden Saber kommt das XTP in diesem Geschossgewicht nicht heran.

Hornady XTP 140 Grains

Das Geschossgewicht von 140 Grains erscheint für die Leistungsstärke der .357 Magnum geeigneter zu sein als das leichte Geschoss. Auch hier ist die Pulverladung mit 16,2 Grains der optisch gleichen Pulversorte sehr hoch. Die Mündungsgeschwindigkeit reicht mit 384 m/s bis auf 10 m/s an die der 125 Grains Laborierung heran.

Aus dem kurzen Revolverlauf ist die Leistungsausbeute der etwas schwereren Geschosse bedeutend günstiger. Auch die Präzision fällt mit 31 Millimetern besser aus. Der Rückschlag ist zwar etwas härter, aber keineswegs unangenehm. Auch schnelle Schussfolgen sind kein Problem. Das Mündungsfeuer ist auch hier noch sehr hell. Im Testbeschuss zeigte das 140 Grains schwere XTP ein ähnlich schnelles Ansprechen wie das leichtere Hornady XTP, hat aber eine wesentlich bessere Tiefenwirkung. Das aufgepilzte Geschoss hatte einen Durchmesser von idealen 15 Millimetern.

Hier wirkt sich das höhere Geschossgewicht bei gleicher Geschwindigkeit günstig aus. Aus dem Vierzöller hat das 140 Grains Geschoss gegenüber dem 125 Grains leichten XTP nur Vorteile.

Hornady XTP 158 Grains

Zum Abschluss das Hornady XTP im Geschossgewicht 158 Grains: Auch hier verlädt Hornady eine mit 14 Grains sehr hohe Pulvercharge. Das Pulver scheint mit den beiden anderen XTP-Laborierungen identisch zu sein. Die Mündungsgeschwindigkeit liegt mit 364 m/s nur 20 Meter unter der Vo der 140 Grains Laborierung. Das Mündungsfeuer fällt deutlich geringer aus, der Rückschlag ist von den drei XTP-Patronen der stärkste.

Mit 29 Millimetern hat das 158 Grains XTP aus der Testwaffe die beste Präzision. Im Testbeschuss zeigte das schwere Geschoss die beste Tiefenwirkung und produzierte einen sehr guten 16,4-Millimeter-Pilz mit hohem Restgewicht. Wenn für Fangschusszwecke zum XTP gegriffen wird, dann sollte das schwere Geschoss gewählt werden.

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