Beizjagd

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Eine der ältesten Formen der Jagd ist die Beizjagd mit dem Greifvogel. Auch wenn sie heute ein wenig aus dem Focus gerückt ist, so muss sie doch als ein besonderes, lebendiges Kulturgut angesehen werden, dass von einigen Spezialisten weitergeführt wird.

Von Bernd Kamphuis und Ralf Bonnekessen


Die Beizjagd wird mit einem abgetragenen (bereiteten) Greifvogel betrieben. Meist sind dies Falken, Habichte, Sperber oder auch Adler. Der Begriff „Beizjagd“ leitet sich von dem Wort „beißen“ ab, weil speziell Falken mit gezieltem Biss ins Genick ihre Beute töten. Über viele Jahrhunderte stand die Beizjagd in voller Blüte. Heute wird sie hingegen in Deutschland nur noch von einer kleinen Zahl von Jägern/Falknern betrieben. In der arabischen Welt hat die Falknerei einen noch heute viel höheren Stellenwert als in Europa.
 
Auch wenn sich die Anfänge der Beizjagd in der grauen Vorzeit verlieren, existieren doch einige sehr frühe Erwähnungen zum Thema der Falknerei: Bereits 400 v. Chr. wurde sie von griechischen Geschichtsschreibern beschrieben. In China wurde sie bereits sieben Jahrhunderte v. Chr. ausgeübt und beschrieben.
 
 

 


Das Jagen mit schnellen Falken, wendigen Habichten und mächtigen Adlern kann in der Geschichte vieler Völker nachgewiesen werden. Germanische Stämme übernahmen die Kunst der Beizjagd von den Kelten; in vielen Wappen von Königen und Fürstenhäusern finden sich noch heute Adler und Greife, die schon damals zur Beizjagd eingesetzt wurden und auch als Zeichen der Macht des jeweiligen Hauses zu verstehen waren.
 
Die Anfänge der Beizjagd liegen jedoch in Mittelasien: Marco Polo erzählt zum Beispiel von 10 000 Falkenieren (der Beizjagd dienende Jäger) und Vogelstellern, die ein Khan von China mit auf die Jagd nahm. Auch der Hunnenfürst Attila jagte mit abgetragenen Falken. Hohenstauferkaiser Friedrich II. war der wohl berühmteste Falkenjäger aller Zeiten . Er richtete selbst Falken ab und schrieb 1220 n. Chr. das bekannte Werk „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“.
 
Im Mittelalter unterteilte man die Falknerei in zwei Formen; den Hohen und Niederen Flug. Der Hohe Flug, auch Königsbeize genannt, zählte zu der vornehmsten Art der Beizjagd. Nur Edelfalken wie Ger-, Würg- und Wanderfalke wurden für ihn eingesetzt. Unter Hohem Flug verstand man die Beize auf hoch fliegende Beutevögel wie Reiher, Kranich und Rotmilan, die, vom Falken angegriffen, durch Höhersteigen in hohe Luftschichten (übersteigen), ihrem Verfolger zu entkommen versuchten. Charakteristisch für den Hohen Flug war, dass man den abgetragenen Falken von der Faust warf.
 
Zum Beizwild im Mittelalter zählten: Reiher, Rohrdommel, Kranich, Trappe, Schwan, Fasan, Wildgans, Wildente, Weihe und der Rotmilan. Besonders in den Niederlanden war das Abtragen der Falken zum Hohen Flug sehr berühmt, man nannte diese Form der Beizjagd deswegen auch Niederländische Falknerei.
 

 


Als Niederen Flug, auch deutsche Beize, verstand man die einfachere Beizjagd. Zum Beizwild des Niederen Fluges zählten: Rebhühner, Wachteln, Tauben, Lerchen, Bekassinen, Kiebitze, Krähen und Elstern. Beim Niederen Flug wurden die Falken entweder von der Faust geworfen oder als Anwarter geflogen. Als anwartenden Falken bezeichnen wir einen Falken, der hoch über dem Falkner ringholend darauf wartet, dass Wild hochgemacht wird. Bis auf den Merlin eignen sich alle Falkenarten zum Anwarten, wobei aber diese Neigung von Vogel zu Vogel unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
 
Ein harmonisch aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Falke, Hund und Falkner ist die schönste, aber auch schwierigste Form der Beizjagd. Der Hund muss unbedingt sauber arbeiten, d.h. absoluten Gehorsam zeigen und dazu sauber vorstehen. In offenem Gelände muss der Falkner schnell folgen können. Also entweder muss er beritten sein oder mit einem Auto folgen können. Bei der Beizjagd im Wald werden vor allem Kurzstreckenjäger wie Habicht und Sperber eingesetzt. Sie werden dann zur freien Folge abgetragen und folgen Falkner und Hund von Baum zu Baum, oder werden von der Faust an Wild geworfen. Früher bezeichnete man die zum Niederen Flug eingesetzten Vögel auch als „Küchenmeister“, weil Habichte eben speziell auf Rebhühner, Fasane und Hasen; Sperber auf Drosseln, Tauben und Rebhühner geflogen wurden.
 
Falknerei ist eine Form der Jagd, die auch heute noch sehr viel Arbeit und ein enormes Fachwissen verlangt. Das Abtragen des Greifes erfordert monatelange, geduldige Arbeit. Besonders der Habicht muss anfänglich jeden Tag einige Stunden (!) auf der Faust herumgetragen werden, um sich an die Hand des Falkners und an den begleitenden Hund zu gewöhnen.
 
Als abgetragen bezeichnen wir einen Falken, der ruhig auf der Faust steht, Atzung aus der Hand des Falkners aufnimmt und auf ein bestimmtes Zeichen auf die Faust zurückfliegt, beziehungsweise auf ein an der Leine geworfenes Federspiel beireitet. Zudem muss er auf hochgemachtes Wild, auf das er abgetragen ist, zustoßen und bei einem Fehlstoß auf die Faust oder das Federspiel des Falkners zurückstoßen. Falkenaugen sind bekanntlich auf das Erkennen von weit entfernten Beutetieren ausgerichtet. Damit der Falke nicht unruhig auf der Faust sitzt, trägt er deshalb eine Falkenhaube. Diese wird abgenommen, sobald Wild aufsteht. Der Falke nimmt dann als erstes das aufstehende Wild wahr und fliegt dieses an. Kurzstreckenjäger wie Habicht und Sperber werden nicht verkappt. Um gut jagen zu können, muss der Falke in guter Kondition sein.
 
 

 

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(Foto: DPA)
Eine Übersicht zu den jagdlichen Begriffen bei der Beizjagd und Falknerei
 

 

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Foto: Armin Liese
Zwischen Industriegebiet und Autobahn im Revier Mühlheim-Kärlich liegen große Obstplantagen. Hier wimmelt es von Kaninchen. Die Möglichkeit, mit dem Habicht zu jagen. Unterstützung bekommt der Vogel von drei Hunden.
 

 

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(Foto: DPA)
Wenn der abgetragene Falke in freier Folge den Falkner und seinen Hund begleitet, dann ist es ein Schauspiel der ganz besonderen Art.
 


 

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